Neon Burton – Das Interview zu „Neontology“

Neon Burton – Das Interview zu „Neontology“

November 9, 2018 Aus Von Kjo

Neon Burton – Das Interview zu „Neontology“

Ihr seid wieder zurück! Neues Album, neues Musikvideo sowie ein neues Label im Nacken. „Pelican“ habt ihr meine ich noch selber vertrieben. Wie kommt es nun, dass ihr mit einem Label zusammenarbeitet?

Das Label erleichtert uns vor allem den Online-Vertrieb über Spotify, iTunes usw. Dazu kommt, dass die Jungs von Sofa Records mittlerweile Freunde von uns sind. Sie kamen auf uns zu und boten bereitwillig ihre Unterstützung an. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen!

Ich habe euch im Februar 2016 das erste Mal live gesehen im Vorprogramm von Deville. Ich besuche seit 2004 Konzerte und habe wirklich keinen Support gesehen, der eiskalt 45-Minuten gezockt hat. Jetzt wo ihr die neue Platte am Start habt, plant ihr mit 1 ½ Stunden-Shows?

So eiskalt waren wir damals gar nicht! Die Absprache lautete „Spielt so lange, wie ihr wollt!“. Und als wir dann schon einmal dabei waren…. Jedenfalls planen wir nicht grundsätzlich mit 1,5-Stunden-Shows. Manchmal ist es für Zuhörer auch ermüdend, eine Band länger als 45 Minuten zu sehen, dann ist es für uns auch kein Problem, uns daran anzupassen. Wir haben aber auch schon Shows gespielt, bei denen wir den Moment auf unserer Seite hatten und Zeit keine Rolle mehr spielte, so dass es tatsächlich 90 Minuten plus Zugaben wurden. Danach sind wir aber ziemlich matschig in der Birne.

Ihr habt mir eure Texte zu dem Interview gesendet und was mir auffällt, die Lyrics stammen aus den Jahren 2014, 2015 und 2016. Habt ihr eine Art Pool, wo ihr zugreift, wenn es der Song erlaubt?

Das Album „Neontology“ beinhaltet all die Songs, die sich in den Jahren während und nach der ersten EP so angesammelt haben. Die Aufnahmen fanden auch im November 2016 statt. Verwendete Texte sind also nicht zwangsläufig aus einem Pool. Wir arbeiten aber grundsätzlich schon so ähnlich: Textideen werden meistens kurz nach der Entstehung skizziert, abgespeichert und häufig auch später verwendet. Manchmal haben wir bei einzelnen Songs aber auch konkrete Bilder im Kopf, die die Texte zusammen mit der Musik beschreiben.



Kommen wir zum neuen Album „Neontology“. Übersetzen könnte man den Begriff als „neugeboren“. Wie seid ihr auf die Idee gekommen das Platte so zu benennen?

Die Neontologie ist der Teil der Biologie, der sich mit dem noch vorhandenen Leben beschäftigt. (In Abgrenzung zur Paläontologie, die sich mit dem ausgestorbenen Leben befasst.) sicherlich verarbeiten wir in unseren Songs den riesigen Input, dem das Leben einem so liefert, wir haben da aber keineswegs den Anspruch von Wissenschaftlichkeit. Der Begriff ist im Endeffekt nur ein Wortspiel mit „Anthologie“ und „Neon“, quasi eine Zusammenstellung unseres Schaffens der letzten zwei Jahre.

Aus eurer Sicht, was hat sich im Vergleich zum Vorgänger verändert?

Zwischen Recording und Release vergingen tatsächlich zwei Jahre, was unter anderem auch mit dem Nachwuchs unseres Gitarristen Henning zu tun hatte. Wir haben uns also diesmal viel mehr Zeit für die Produktion genommen. So finden sich diverse Gitarren- und Verstärkermodelle auf dem Album wieder und einige Teile sind mit Keys unterlegt. Zwischen den einzelnen Songs sollten Instrumentalpassagen ursprünglich als Überleitungen funktionieren, die schlussendlich eigenständige Tracks geworden sind.

Ich will über ein paar Songs sprechen. Könnt ihr uns sagen, worum die Texte handeln?

„Businessmen“: Der Text ist aus der Perspektive von Geschäftsleuten verfasst, die sich mit der Verwertbarkeit und Vermarktung sämtlicher Dinge befassen, und vermeintlich überflüssige geistige Ergüsse (wie zum Beispiel unsere Musik 🙂 für verzichtbar halten. Sozusagen eine ironisierte Gegenperspektive zu unserem persönlichen Blick auf künstlerisches Schaffen.

„So Much Left“: Es geht um das zwanghafte Bestreben des Menschen, Dinge zu erforschen und zu klassifizieren, was dem zu erforschenden Gegenstand manchmal in keiner Weise gerecht werden kann. Die Verbundenheit zu der Welt um uns herum geht dadurch verloren.

„Standing Still“: Der Song ist an einen Text des Schriftstellers Alfred Döblin angelehnt und handelt von einem Mann, der panische Angst vor seinem eigenen Schlagschatten hat. Doch je schneller er versucht, vor dem Schatten davonzulaufen, desto anstrengender und aussichtsloser wird die Flucht. Der Mann weiß nicht, dass er dem Schatten nur entkommen kann, indem er ganz still stehen bleibt.

Wie sehen eure Pläne mit „Neontology“ aus? Habt ihr euch Ziele mit der Scheibe gesetzt?

Die größte Errungenschaft unserer Band ist wahrscheinlich, dass wir klare Zielvorstellungen abgelegt haben. Wir mussten erkennen, dass diese oft zu Unzufriedenheit oder Verdruss führten, was unserem Schaffen ganz und gar nicht dienlich ist. Dennoch würden wir sicher gern schöne Konzerte spielen und vielleicht häufiger als Support für Bands aus der Szene auftreten. Wir freuen uns, wenn unsere Musik gehört wird und über enthusiastische Zuschriften aller Art.

Unsere letzte Frage die jede Band beantworten muss: Könnt ihr euch an eure erste/oder intensivste/oder letzte Moshpit-Erfahrung erinnern und dazu was erzählen?

Als wir im Sommer auf dem Trafostation61-Festival spielten, traten am Abend vorher unsere Freunde von AYAHUASCA auf, die experimentellen Death-Metal spielen. Es bildete sich schnell eine Traube von Moshern und Hennings kleiner Sohn war davon so beeindruckt, dass er sich alleine und völlig ohne Begleitung (was für einen 1,5-jährigen untypisch ist) auf den Weg ins Getümmel machte. Die Mosher waren davon wohl auch leicht irritiert, nahmen aber selbstverständlich Rücksicht auf den Kleinen. Der Papa hat ihn dann auf die Schultern genommen und mit Gehörschutz ausgestattet.

Cover & Tracklist

Neon Burton – „Neontology“

1. Businessmen
2. So Much Left
3. Burton‘s Cake
4. Standing Still
5. Drowning in a Lake of Bubblegum
6. Save the Planet – Kill Yourself
7. Some Sort of Challenge
8. Magma
9. Kill Reason
10. Pebbles‘ Blues

Bildnachweis: Sofa Records, Sofa Records Cologne.