Axel Rudi Pell – Ghost Town
Mit Ghost Town legt Gitarrenvirtuose Axel Rudi Pell sein mittlerweile 23. Studioalbum vor und beweist einmal mehr, dass Beständigkeit im Hard Rock und Melodic Metal nicht Stillstand bedeuten muss. Die Platte, die am 20. März 2026 erscheint, umfasst elf Songs und wurde – ganz in Pell-Manier – von ihm selbst produziert, während Tommy Geiger (u. a. Blind Guardian, Helloween) den Mix übernahm.
Schon diese Konstellation macht klar: Hier gibt es keine radikale Neuerfindung.
Atmosphäre und Grundsound
Bereits das Intro „The Regicide“ eröffnet die Platte mit epischer Dichte und schafft eine mystische Stimmung, wie man sie aus früheren Pell-Alben kennt. Die Band – mit Johnny Gioeli am Gesang, Bobby Rondinelli am Schlagzeug, Volker Krawczak am Bass und Ferdy Doernberg an den Keyboards – agiert eingespielt und routiniert.
Der Sound bewegt sich konsequent zwischen melodischem Hard Rock, klassischen Metal-Anleihen und neo-klassischen Gitarrenpassagen, die deutlich an die frühen Rainbow-Klassiker erinnern – ein Einfluss, der besonders im Titeltrack „Ghost Town“ deutlich wird.
Das Album lebt stark von Atmosphäre: warme Keyboardflächen, hymnische Refrains und ein Gitarrenton, der sofort als ARP erkennbar ist. Statt auf moderne Metal-Trends zu setzen, bleibt die Produktion organisch, druckvoll und zeitlos. Und das meine ich durchweg positiv!
Songwriting und Highlights
„Guillotine Walk“ überzeugt mit einem kraftvollen Riff und einer klassischen Hard-Rock-Struktur, während der Titeltrack „Ghost Town“ als eingängiger, schneller Song mit hohem Wiedererkennungswert fungiert.
Ein besonderes Highlight stellt „Breaking Seals“ dar, das ein Duett zwischen Johnny Gioeli und der deutschen Metal-Legende Udo Dirkschneider enthält – eine Premiere in Pells Karriere. Wobei ich ehrlicherweise dem Song wenig abgewinnen kann. Udo klingt hier unfassbar kratzig. Ich war aber auch nie ein Freund seiner Stimme.
Songs wie „Holy Water“ und „The Enemy Within“ setzen stärker auf Midtempo-Grooves und atmosphärische Spannungsbögen, während „Hurricane“ und „Sanity“ mit treibender Energie und eingängigen Hooks punkten. Besonders „Towards the Shore“ zeigt Pells Stärke im epischen Songwriting: lange Instrumentalpassagen, melodische Soli und ein cineastischer Aufbau.
Das Finale „Higher Call“ wirkt schließlich wie ein klassischer Pell-Closer – hymnisch, emotional und mit einem langen, gefühlvollen Gitarrensolo. Ein sauberer und würdiger Ausklang aus dem Album.
Gitarrenarbeit und musikalische Handschrift
Wie erwartet steht die Gitarre klar im Zentrum. Pell kombiniert melodische Soli, klassische Hard-Rock-Riffs und neoklassische Elemente mit einer bemerkenswerten Konstanz. Seine Spielweise ist weniger technisch-protzig als vielmehr emotional und songdienlich. Gerade Fans seiner älteren Werke werden hier sofort abgeholt.
Gleichzeitig zeigt sich auch eine typische Kritik, die man häufig mit Pell verbindet: eine gewisse stilistische Selbsttreue. Das Album klingt sehr nach dem, was man von ihm kennt – was für Fans ein Pluspunkt, für Experimentierfreudige aber eventuell ein Minus sein könnte. Dennoch sorgt die starke Produktion und die ausgefeilte Arrangierung dafür, dass sich die Songs nicht wie bloße Wiederholungen anfühlen. Getragen wird ARP neben den Gitarren eh primär durch Johnny Gioeli. Die Stimme ist einfach unverkennbar und ein essentieller Bestandteil der Band.
Fazit
Ghost Town ist kein revolutionäres Album – aber ein überzeugendes. Axel Rudi Pell liefert genau das, was seine Fans erwarten: epischen Melodic Metal, starke Gitarrenarbeit, hymnische Refrains und eine dichte Atmosphäre. Die Mischung aus eingängigen Songs, klassischen Einflüssen und der besonderen Duett-Überraschung auf „Breaking Seals“ macht das Album zu einem der interessanteren Einträge in seiner Diskografie.
Wer Innovation sucht, wird hier vielleicht weniger fündig. Wer jedoch zeitlosen Hard Rock mit Seele, virtuosen Gitarren und einer epischen Klangästhetik liebt, bekommt mit Ghost Town ein rundes, stimmiges und qualitativ hochwertiges Album. Es zeigt einen Künstler, der seinen Stil über Jahrzehnte perfektioniert hat – und gerade deshalb so relevant bleibt.
Ein starkes, atmosphärisches Werk für Fans von klassischem Melodic Metal und traditionellem Hard Rock.
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Bildnachweis: Steamhammer.
+Treibende Riffs
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