Bülent Ceylan – „B.L.N.T.“ (VÖ: 11.09.2026)
Mit „B.L.N.T.“ erscheint am 11.09.2026 das bereits zweite Musikalbum des Comedians Bülent Ceylan. Das erste Album konnte man noch als Traum des Deutschtürken sehen. Bülent Ceylan suggerierte stets, dass er ein Metaller sei. Doch wie viel Metal steckt tattsächlich im neuen Werk? Und wie viel Comedy? Lest ihr in unserem Review. Wir haben für euch den Moshcheck gemacht.
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Nach seinem ersten musikalischen Album setzt Bülent Ceylan mit „B.L.N.T.“ seinen Ausflug in die Welt von Rock und Metal fort. Wie bereits beim Vorgänger verbindet er dabei musikalische Elemente verschiedener härterer Genres mit seinem aus der Comedy bekannten Auftreten.
Ob dieses Konzept funktioniert, hängt sicherlich stark davon ab, wie man Ceylans Humor und seine musikalische Herangehensweise bewertet. Für mich bleibt allerdings auch auf „B.L.N.T.“ vieles hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere bei den Texten und bei der musikalischen Eigenständigkeit fehlt mir über weite Strecken eine klare eigene Handschrift.
Stumpf ist Trumpf
Den Anfang macht „Stumpf ist Trumpf“. Der Song setzt direkt auf eine Mischung aus Deutschrock und Metal und greift dabei auf ein bewusst einfach gehaltenes, partytaugliches Konzept zurück. Zeilen wie „Lass mal richtig Party machen und morgen tätowiert aufwachen“ verdeutlichen, in welche Richtung der Humor geht. Musikalisch erinnert der Track teilweise an Bands wie The Butcher Sisters oder Hämatom. Eine wirklich eigenständige Note entwickelt der Song für mich allerdings nicht.
Der zweite Track „5 vor 12“ erinnert stilistisch an Eisbrecher. Die eingängige Nummer verfügt über einen soliden Refrain und besitzt durchaus Mitsingpotenzial. Während der Song zunächst deutlich härter ausfällt, nimmt die Band gegen Ende das Tempo spürbar heraus und lässt den Titel ruhig ausklingen. Dieser Wechsel sorgt für einen interessanten Kontrast innerhalb des Songs.
Mit „Wir haben gelebt“ folgt anschließend die erste Ballade des Albums. Für mich zeigt sich hier eine der stärkeren Seiten von Bülent Ceylans musikalischem Ansatz, da seine Stimme in ruhigeren Passagen besonders gut zur Geltung kommt. Dennoch fehlt dem Stück aus meiner Sicht ein entscheidendes Element, das ihm über die solide Umsetzung hinaus eine besondere emotionale Wirkung verleihen könnte. Gerade im Hinblick auf die Atmosphäre und die emotionale Tiefe bleibt der Song für mich daher etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hier fehlt das Herz.
Apropos Herz. Mit „Wolfsherz“ folgt wieder eine deutlich ruhigere Nummer, bei der Doro als Gast zu hören ist. Doro gehört zweifellos zu den bekanntesten Stimmen der deutschen Rock- und Metalszene und liefert auch hier eine überzeugende Gesangsleistung. Trotzdem entsteht zwischen den beiden Stimmen für mich keine besondere musikalische Dynamik. Der Song wirkt stellenweise sehr konstruiert und bleibt dadurch emotional hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Einen der auffälligsten Tracks stellt „Habt euch endlich alle lieb“ dar. Hier fallen insbesondere Parallelen zu Hämatoms „Diego Maradona“ auf. Sowohl musikalische Elemente als auch die grundsätzliche Gestaltung erinnern deutlich an den Stil der Band. Dadurch stellt sich die Frage, wie viel Eigenständigkeit Ceylans musikalisches Projekt tatsächlich besitzt. Während andere Comedy-Rock-Formationen wie J.B.O. ebenfalls bewusst mit bekannten musikalischen Vorlagen arbeiten, gelingt es ihnen häufig, daraus einen eigenen Stil zu entwickeln. Bei „B.L.N.T.“ fällt diese Abgrenzung für mich deutlich schwerer.
Auch die übrigen Songs bewegen sich größtenteils in einem ähnlichen musikalischen Umfeld. Deutschrock, Neue Deutsche Härte und verschiedene Metal-Elemente werden miteinander kombiniert. Das sorgt grundsätzlich für ein abwechslungsreiches Genre-Spektrum, führt für mich aber nicht immer zu einem eigenständigen Klangbild. Gerade im Mittelteil des Albums wirken einige Stücke dadurch relativ austauschbar.
Etwas mehr Abwechslung bringt das Feature mit Michael Rhein, dem Sänger von In Extremo. „Randale und Radau“ ist der beste Track der Scheibe. Der Gastauftritt sorgt zumindest für einen zusätzlichen musikalischen Akzent und hebt den entsprechenden Song aus dem ansonsten recht einheitlichen Gesamtbild hervor.
„Lustig, lustig, Trallalla“
Mit „Diktatürk“ schlägt das Album anschließend eine deutlich provokantere Richtung ein. Der Song arbeitet mit der überspitzten Darstellung eines autoritären Herrschers und verbindet dieses Thema mit Ceylans gewohntem Comedy-Ansatz.
Ob dieser Humor funktioniert, dürfte stark vom persönlichen Geschmack abhängen. Für mich bleibt der satirische Ansatz allerdings hinter seinen Möglichkeiten zurück. Gerade bei einem politischen und gesellschaftlich sensiblen Thema hätte ich mir eine pointiertere oder inhaltlich differenziertere Umsetzung gewünscht. Auch das dazugehörige Video konnte mich in diesem Zusammenhang nicht überzeugen.
Der abschließende Song „Am Ende gut“ fasst den musikalischen Eindruck des Albums noch einmal recht gut zusammen. Deutschrock- und Metal-Elemente werden mit humoristischen Texten kombiniert. Einen entscheidenden neuen Akzent setzt der Song für mich jedoch nicht.
Fazit
„B.L.N.T.“ setzt das musikalische Konzept von Bülent Ceylan konsequent fort. Das Album bewegt sich zwischen Deutschrock, Metal und Neuer Deutscher Härte und kombiniert diese Elemente mit Ceylans bekanntem Comedy-Ansatz.
Das grundsätzliche Konzept ist durchaus nachvollziehbar, überzeugt mich musikalisch jedoch nur eingeschränkt. Problematisch ist für mich vor allem die fehlende Eigenständigkeit. An verschiedenen Stellen sind deutliche stilistische Parallelen zu etablierten Bands wie Hämatom, Eisbrecher oder Rammstein erkennbar. Dadurch entsteht nur selten der Eindruck, dass Ceylan mit „B.L.N.T.“ eine wirklich eigene musikalische Identität entwickelt.
Auch die Texte konnten mich größtenteils nicht überzeugen. Der Humor ist häufig sehr direkt und funktioniert für mich nicht immer als eigenständige Pointe. Dadurch wirken manche Songs eher wie musikalisch unterlegte Comedy-Stücke als wie eigenständige Rock- oder Metal-Songs.
Mit einer Laufzeit von rund 40 Minuten ist „B.L.N.T.“ zwar nicht besonders lang, dennoch hatte ich beim Hören teilweise den Eindruck, dass sich das Album stärker zieht, als es seine tatsächliche Spielzeit vermuten lässt.
Unterm Strich ist „B.L.N.T.“ für mich ein Album, das vor allem diejenigen ansprechen dürfte, die bereits mit Bülent Ceylans musikalischem Konzept etwas anfangen können. Wer hingegen Wert auf musikalische Eigenständigkeit, ausgearbeitete Texte und einen klar erkennbaren eigenen Stil legt, dürfte hier eher wenig finden.
Bewertung: 3 von 10 Punkten
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Bildnachweis: Napalm Records.
