Amon Amarth – The Allfather Awakens
AMON AMARTH sind eine dieser Bands, bei denen man nach wenigen Sekunden weiß, wer gerade aus den Boxen kommt. Die Mischung aus melodischen Gitarren, wuchtigen Rhythmen, Johan Heggs markantem Growling und den nordischen Geschichten gehört längst zum festen Markenzeichen der Schweden. Mit „The Allfather Awakens“ erscheint nun am 02.10.26 das 13. Studioalbum und auch hier machen AMON AMARTH keinen kompletten Stilwechsel. Warum auch? Wer die Band kennt und ihre Alben über die Jahre begleitet hat, bekommt ziemlich genau das, was er erwartet – und das meine ich nicht negativ.
AMON AMARTH bleiben ihrem Sound treu
Schon „Gjallarhorn“ macht klar, wohin die Reise geht. Melodische Gitarren, ein treibender Rhythmus und Johan Hegg, der seine Stimme über das Geschehen legt. Dazu kommen die großen Refrains, die gerade live bestens funktionieren dürften. „Eight Legs Of Thunder“ setzt diese Richtung fort und bleibt mit seinen Leads und dem eingängigen Refrain schnell im Ohr.
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Genau hier für mich auch die Reibungspunkte des Albums. Die Band hat ihre eigene musikalische Sprache längst gefunden und beherrscht sie weiterhin sicher. Gleichzeitig gibt es auf der Platte nur wenige Momente, bei denen ich wirklich das Gefühl hatte, dass sich gerade eine komplett neue Tür öffnet, was ich interessant finde und oft mittlerweile suche.
„Upphaf“ – der eine Moment!
Für mich ist „Upphaf“ der interessanteste Moment des Albums und der eine Moment, der anders ist. Die erste komplett akustische Nummer der Bandgeschichte nimmt ordentlich Tempo heraus. Mit Chören und dezenten Drums schaffen sie hier eine deutlich ruhigere Atmosphäre, die auch gut funktioniert.
„Kvasir’s Blood“ und „We Rule The Waves“ bringen die bekannten Zutaten zurück, wobei besonders „We Rule The Waves“ mit seiner großen, hymnischen Ausrichtung sich sehr gut festsetzt im Ohr. Auch „Raven God“ bewegen sich sicher innerhalb dieses Klangbildes, aber hier ist der Mitsingfaktor am größten und er erinnert mich etwas an Twilight of……bester Song des Albums.
Der längste Song „Ascending Like An Eagle“ setzt zum Abschluss noch einmal stärker auf die epische Seite und gibt dem Album etwas mehr Raum. Mit seinen über sechs Minuten wirkt der Track weniger kompakt als einige der vorherigen Stücke und bildet einen passenden Abschluss.
Modern und sauber
Eine Sache fällt mir beim gesamten Album allerdings besonders auf: Die Produktion klingt angepasst, modern und sauberer. Ich vermisse allerdings den Drumsound der älteren AMON-AMARTH-Alben. Gerade die frühen Veröffentlichungen hatten für mich diesen trockenen, direkten und rohen Charakter. Die Drums haben den Songs eine zusätzliche Härte gegeben, die hier meiner Ansicht nach noch besser passen würde. Gerade bei einer Band, deren Musik so stark von treibenden Rhythmen lebt, macht das für mich einen Unterschied.
Musikalische Identität
Was bleibt also von „The Allfather Awakens“? Für mich vor allem die Erkenntnis, dass AMON AMARTH überhaupt keinen Grund sehen, ihre musikalische Identität neu zu erfinden. Die bekannten Strukturen sind vorhanden, die Gitarren arbeiten mit den typischen Melodien, Johan Hegg klingt unverwechselbar und auch thematisch bleibt die nordische Mythologie der rote Faden.
Wer von AMON AMARTH eine radikale Veränderung erwartet, wird hier wahrscheinlich nicht fündig. Wer dagegen genau diese Mischung aus Melodic Death Metal, großen Hymnen und nordischer Mythologie mag, bekommt ein Album, das sich sehr schnell vertraut anfühlt. Mir fehlt an einigen Stellen der Überraschungsmoment und vor allem der Drumsound der alten Platten. Trotzdem ist „The Allfather Awakens“ ein Album, das genau das liefert, was man von AMON AMARTH erwartet – und manchmal ist genau das die richtige Entscheidung.
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Bildnachweis: Sailor Entertainment.
