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    Carnica Spectacular – Sonntag: Zwischen Piratenwahnsinn und Wikinger-Abriss

    By SabineJuni 8, 2026

    Carnica Spectacular – Sonntag: Zwischen Piratenwahnsinn und Wikinger-Abriss

    Der zweite Festivaltag beim Carnica Spectacular auf Schloss Oranienburg zeigte einmal mehr, wie vielseitig Mittelaltermusik und ihre angrenzenden Genres sein können. Bei hochsommerlichen 25 Grad versammelten sich die ersten Fans in der prallen Sonne vor der Bühne – und machten klar: Dieser Sonntag wird laut, emotional und voller Bewegung.

    Mr. Hurley & Die Pulveraffen: Piraten, Party und klare Kante

    Bereits um 17:50 Uhr war die erste Reihe fest in der Hand der Pulveraffen-Jünger. Die Sonne brannte noch immer, doch davon ließ sich niemand aufhalten. Pünktlich gestartet, dauerte es keine Sekunden, bis das Publikum lautstark einstieg:

    „Alle Mann und Frau an Deck…“

    Was folgte, war ein Set, das irgendwo zwischen Hafenfest, Eskalation und Kabarett angesiedelt war. „Achterbahn am Achterdeck“, „Ich bin ein Leuchtturm“ oder „Mann über Bord“ brachten die Menge sofort in Bewegung, während kleine Einspieler wie ein eigens komponierter Jingle „Pfefferminzlikör“ augenzwinkernd daran erinnerten, dass hier nicht nur musikalisch, sondern auch humoristisch gearbeitet wird – natürlich „sodass die Kasse klingelt bei der GEMA”.

    Besonders auffällig: die Nähe zum Publikum. Ob beim „Peggies Pit“ für die Damen oder beim kollektiven Klatschen beim nächsten „Pfefferminzlikör“ Jingle – die Menge war jederzeit Teil der Show. Und die war laut. Sehr laut.

    Auch erzählerisch wurde es: Der „Liebesbrief“ entwickelte sich zu einer kleinen Geschichte mit einem Stein durchs Fenster, Blumen und schließlich dem enden in der Untersuchungshaft des Protagonisten – begleitet von einer Crowd, die jede Wendung feierte.

    Mit „Der Haifisch“ als Chanson-Version zeigte sich einmal mehr die Textsicherheit der Fans. Spätestens hier war klar: Diese Band muss nichts beweisen – sie hat ihr Publikum längst gefunden.

    Doch es blieb nicht nur bei Spaß. In einer klaren, direkten Ansage positionierte sich die Band deutlich gegen rechte Strömungen und rief zu demokratischer Haltung auf. Ein Moment, der zeigte, dass zwischen all dem Augenzwinkern auch klare Werte stehen.

    Der Abschluss? Kaum in Worte zu fassen. Ein zehnminütiges Medley, das von „Amazing Grace“ über „Country Roads“, „Biene Maja“, „Barbie Girl“ bis hin zu „Hyper Hyper“ reichte – und schließlich in einer elektrogetriebenen Version von „Tortuga“ mündete. Komplett absurd, komplett mitreißend.

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    Feuerschwanz: Vom Ritterspiel zum Vollabriss

    Nach diesem wilden Auftakt wirkte es fast unmöglich, die Energie noch weiter zu steigern – doch Feuerschwanz bewiesen eindrucksvoll, dass genau das möglich ist.

    Schon beim ersten Ton war klar: Jetzt wird es episch. Auch wenn es zu Beginn kleine technische Probleme gab – Hauptmanns Mikrofon ließ ihn bei den ersten Zeilen zunächst etwas leise sein – war das schnell vergessen.

    Mit „Siegfried Dragon Slayer“, „Memento Mori“ und „Untot im Drachenboot“ ging es direkt in die Vollen. Die Mischung aus Humor, Folk Metal und Mittelalterelementen funktionierte einmal mehr perfekt.

    Ein Highlight: „Knightclub“. Kaum angestimmt, ging das Publikum geschlossen in die Knie – und wieder hoch – und wieder runter. Eine kollektive Bewegung, die zeigte, wie stark diese Band ihr Publikum im Griff hat.

    Es folgte Hit auf Hit: „Bastard von Asgard“, „Name der Rose“, „Ultima Nocte“ – begleitet von Circle Pits, Wall of Deaths und dem charmant-chaotischen „Schubsetanz“. Dabei blieb die Band stets aufmerksam: Gerade beim Crowd Surfen wurde explizit Rücksicht auf die vielen Kinder im vorderen Bereich genommen – ein schönes Detail inmitten der Eskalation.

    Mit „Kampfzwerg“ brachte die Band die Menge endgültig zum Springen, während Songs wie „Samwise The Brave“ oder „Das elfte Gebot“ die Brücke zwischen Fantasy, Humor und ernstzunehmender Live-Energie schlugen.

    Auch musikalisch wurde gespielt: Ein Schlagzeugsolo leitete eine überraschende Elektro-Version von „Tell Me Where Is Gandalf“ ein – ein Moment, der irgendwo zwischen Club und Schlachtfeld lag.

    Spätestens bei „We Are Vikings“ war kein Halten mehr. „Valhalla!“ hallte es über das Gelände, während sich die Crowd in Bewegung hielt. „Rohhirrim“, „Berserker“-Momente und ein sprunghafter Höhepunkt nach dem nächsten ließen keine Verschnaufpause.

    Und als wäre all das nicht genug, setzte die Band mit einer völlig unerwarteten „Gangnam Style“-Einlage noch einen drauf – ein absurder, aber perfekt passender Abschluss für ein Set, das sich selbst nicht zu ernst nahm.

    Und die nächste Show von Feuerschwanz? Diese steht bereits am 19.12. in der Grugahalle in Essen – Achtung, wir feiern dann 22 Jahre Feuerschwanz Jubiläum!

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    Ein Tag zwischen Wahnsinn und Gemeinschaft

    Tag 2 des Carnica Spectacular zeigte eindrucksvoll, wie breit das Spektrum dieser Szene ist. Von Piratenhumor mit klarer Haltung bis hin zum epischen Metal-Abriss mit Wikinger-Pathos war alles dabei.

    Was beide Bands verband: die Fähigkeit, ihr Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern aktiv einzubeziehen. Hier wurde nicht konsumiert – hier wurde erlebt.

    Als der Abend langsam ausklang, war klar: Dieses Festival ist weit mehr als nur eine Bühne vor Schlosskulisse. Es ist ein Ort, an dem Gemeinschaft entsteht – laut, bunt und manchmal auch ein bisschen verrückt.

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