Mit dem Carnica Spectacular verwandelte sich das Schloss Oranienburg am Pfingstwochenende vom 23. bis 25. Mai 2026 in eine lebendige Zeitreise. Eingebettet in einen liebevoll gestalteten Mittelaltermarkt wurde hier nicht nur Musik geboten – sondern ein ganzes Erlebnis geschaffen, das Vergangenheit greifbar machte.
Wer den Weg aufs Gelände fand, wurde sofort hineingezogen. Zwischen Schmiede, in der Pfeile gefertigt wurden, Falknern, die geduldig ihre Tiere erklärten, und kleinen Ständen voller Handwerk entstand eine Atmosphäre, die mehr war als Kulisse. Besonders für die jüngeren Besucher gab es viel zu entdecken, neben dem Ritterturnier und den Gauklern, – etwa ein kreativ umgebautes Wasserrad, das kurzerhand zum Mini-Riesenrad wurde. Dazu kamen Henna-Malerei, Wahrsagerei und unzählige kleine Details, die das Spektakel zu einem Erlebnis für alle Generationen machten. Mittendrin immer wieder Corvus Corax die es verstanden haben, das Publikum auf dem Markt zu begeistern.
Das was aber uns aber zusätzlich lockte war das abendliche LineUp für Samstag und Sonntag: dArtagnan, Schandmaul, Mr. Hurley & Die Pulveraffen sowie Feuerschwanz als Finale am Sonntagabend Und erstaunlicherweise: Trotz dessen gab es noch Tickets für das Wochenende! Für Inhaber der Konzertkarten war der Markt ab dem Nachmittag inklusive, erworbenes konnte bequem für einen geringen Obolus vor der Konzertarena hinterlegt werden.
Carnica Spectacular – Samstag:
dArtagnan: Gegen die Sonne, für die Freiheit
Der Sprung aus dem Marktgeschehen hinein in die Konzertarena wurde am frühen Abend von dArtagnan eingeläutet – und das unter anspruchsvollen Bedingungen. Um 18:30 Uhr standen die Musiker bei noch immer 27°C auf der Bühne und spielten direkt gegen die Sonne. Respekt dafür – und noch mehr dafür, wie mühelos sie das Publikum mitnahmen.
Das Publikum selbst zeigte sich bunt gemischt: ungefähr halb gewandet, halb Alltagskleidung – ein Spiegelbild der Szene, die hier zusammenkam. Jung und Alt feierten gemeinsam, tanzten und sangen.
Mit Klassikern wie „Ruf der Freiheit“, „Tanz in den Mai“ und „Feuer und Flamme“ war der Einstieg sofort gelungen. Doch dArtagnan nutzten den Slot auch für einen Blick nach vorn: Am 24. Juli erscheint ihr neues Album „Helden und Hymnen“. Mit Songs wie „Wake Me Up“ – inklusive hüpfender Crowd und fliegender Ballons – und dem Titelsong “Helden und Hymnen” selbst, gab es bereits erste Kostproben.
Zurück bei den bekannten Tracks zeigte sich die Band in Bestform: „Herzblut“ ließ die Menge klatschen und mitsingen, während das „Trinklied“ kurzerhand zur kollektiven Squat-Übung wurde. Spätestens bei „Was wollen wir trinken“ entstand ein – wenn auch eher zahmer – Moshpit, der perfekt zur Stimmung passte.
Ein besonderes Highlight war die Nähe zur Crowd: Frontmann Ben tauchte kurzerhand mitten im Publikum auf, begleitet von Raunen und Jubel. Mit „Westwind“, „Cœur de la mer“ und „C’est la Vie“, letzteres stilecht mit Bengalfackel abgeschlossen, wurde das Set zu einem rundum stimmigen Auftritt.
Schandmaul: Zwischen Märchen, Slow Mo Moshpit und ganz viel Herz
Nach einer kurzen Umbaupause zeigte sich: Das Publikum war im Wandel. Einige gingen, viele neue kamen – geblieben sind vor allem die Familien, die sich im Folgenden nahtlos in die Schandmaul-Welt einfügen konnten.
Schon vor dem eigentlichen Start bewies die Menge Textsicherheit, als „Sweet Caroline“ aus den Boxen erklang und begeistert mitgesungen wurde. Doch dann wurde es ernst – oder besser: märchenhaft.
Mit Songs wie „Königsgarde“, „Hexeneinmaleins“ und „Der Froschkönig“ führte Schandmaul durch ihr bekanntes Repertoire. Gleichzeitig stellte die Band ihren neuen Sänger Till vor, der seit April 2024 Teil der Gruppe ist – und bewies, dass er sowohl die alten Stücke tragen als auch neue Akzente setzen kann.
Ein besonders schöner Moment: „An der Tafelrunde“, an dem auch Ben von dArtagnan mitgeschrieben hat – ein kleines verbindendes Detail zwischen den Bands des Abends.
Das Set lebte von Interaktion: Ob beim „Tanzelwurm“, bei dem zwei Zuschauer auf einem „Krokodil“ gegeneinander antraten (inklusive Geburtstagsständchen für das Gewinnerkind), oder bei Mitmach-Parts mit Armbewegungen, Freeze-Elementen und Slow-Motion-Einlagen – Schandmaul verstanden es, ihr Publikum jederzeit einzubeziehen.
Auch neue Songs durften nicht fehlen: Mit „Der Kapitän“ und „Der Sternensegler“ gab es Einblicke in das kommende Album, das am 11. September erscheinen soll und seine Prämiere auf dem Folk Field in Gelsenkirchen feiern wird.
Finale, Zugaben und echte Gemeinschaft
Je später der Abend, desto intensiver wurde die Stimmung. „Bunt und nicht braun“ setzte ein klares, gemeinschaftliches Statement, während Till sich erneut unter die Menge mischte. Spätestens jetzt war klar: Hier geht es um mehr als Musik.
Mit „Ich hoffe und ich lache“ leitete die erste Zugabe den Endspurt ein, gefolgt von einer augenzwinkernden Interpretation rund um den „Rattenfänger von Hameln“. Den Abschluss bildete „Knüppel aus dem Sack“, bei dem Till noch einmal seine ganze Bandbreite zeigte – von Growls bis in hohe Passagen.
Ein besonderes Highlight war die „Wall of Love“ – kein klassischer Moshpit, sondern ein Moment der Gemeinschaft, bei dem Zusammenhalt im Mittelpunkt stand.
Als schließlich Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ aus den Lautsprechern erklang und die Besucher langsam die Arena verließen, wurde klar: Schwarz-Weiß wäre diesem Tag nicht gerecht geworden. Dafür war er zu lebendig, zu bunt, zu voller Eindrücke.
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