Nargaroth – „Apocalyptic Steel“
Am 26.06.2026 hatten Nargaroth bzw. Mastermind Rene „Ash“ Wagner allen Grund zum Feiern. Denn es war der Release Day des brandneuen Albums „Apocalyptic Steel“.
Doch damit nicht genug. Denn Ash hatte sich etwas ganz Besonderes für den Veröffentlichungstag ausgedacht. Er und seine Mitstreiter spielten zwei Live-Sets in der Bochumer Matrix. Set 1 bestand aus einem Best-of der gesamten Diskografie. Set 2 war dann die Live-Premiere von „Apocalyptic Steel“ in Gänze!
Wie das Konzert verlief und was meine Gedanken zur neuen Platte sind, lest ihr weiter unten.
Pre Event + Live Set 1
Es ist ein heißer Sommertag im Ruhrgebiet. Bei knapp 38 °C versammelt sich die Black-Metal-Elite, um einer der größten deutschen Black-Metal-Bands Tribut zu zollen. Ab 18 Uhr öffnete die Matrix ihre Türen und ließ die Meute herein.
Im Vorfeld hatte Rene „Ash“ Wagner bereits verlauten lassen, dass es ein spezielles Event werden würde. Nicht nur, dass die Band gleich zwei Live-Sets präsentieren würde, sondern auch mit ganz viel Fan-Nähe punkten wollte. So unterschrieb die Band alles, was man ihr entgegenhielt – am meisten natürlich das neue Album.
Dieses gab es beim Ticketverkauf direkt dazu. Für 63,42 € erhielt man beispielsweise das Ticket inklusive der Vinyl-Edition (First Press, auf 500 Stück limitiert) von „Apocalyptic Steel“. Aber auch eine günstigere Variante aus Ticket und CD konnte man erwerben. Natürlich konnte man sich auch nur für das Konzertticket entscheiden. Außerdem gab es exklusives Merchandise vor Ort. Alles in allem eine tolle Aktion für die Fans – und auch die Preise waren sehr fair.
Um 19:30 Uhr sollte das erste Set beginnen, allerdings kam es zunächst zu technischen Schwierigkeiten. Nach etwa acht Minuten wurde der Fehler behoben. Unter den Klängen eines Fliegeralarms betraten die Musiker die Bühne, um ihr Set mit „Black Metal ist Krieg“ zu eröffnen. Wow, was für ein Einstieg!
Für mich war es die erste Nargaroth-Show, und ich muss sagen: Live ist das noch einmal eine ganz andere Nummer. Ich gebe auch gerne zu, dass ich den Song „Black Metal ist Krieg“ lange eher belächelt habe.
Live scheppert der Song jedoch gewaltig, und die Performance von Ash war derart überzeugend, dass mich Nargaroth schnell in ihren Bann zog. Auch das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum funktionierte vom ersten Moment an. Bandklassiker wie „The Day Burzum Killed Mayhem“ oder „Sommer“ waren meine absoluten Highlights. Allerdings fiel live kein einziger Song ab. Der Sound war super, lediglich Ashs Stimme hätte etwas lauter gemischt werden können. Nach knapp einer Stunde und 15 Minuten beendete die Band mit „Possessed by Fucking Black Metal“ das erste Set.
Ancient Rites
Um 21:05 Uhr betraten Ancient Rites die Bühne. Die Band aus Belgien hatte es allerdings nicht leicht. Denn die meisten Besucher gingen entweder zum Merchandise-Stand, nach draußen zum Rauchen oder nutzten die zahlreichen Sitzgelegenheiten im Kellergewölbe.
Die Musik von Ancient Rites war eine Mischung aus Black, Death und Pagan Metal – eigentlich ziemlich geil. Die Band agierte höchst professionell, und man merkte ihr nicht an, dass es sie störte, vor einem eher überschaubaren Publikum zu spielen. Verwunderlich ist das allerdings nicht, denn Ancient Rites drehen bereits seit 1988 ihre Runden auf den Bühnen dieser Welt.
Der Sound war ebenfalls wirklich stark und druckvoll. Nach knapp 55 Minuten verließen die Belgier die Bühne, und die Techniker von Nargaroth bauten die Bühne für das zweite Set um. Direkt danach wurde es vor der Bühne wieder deutlich voller.
Live Set 2 : „Apocalyptic Steel“
Ab 22:25 Uhr enterten Nargaroth erneut die Bühne. Zunächst erklang das Intro, ehe mit „Apocalyptic Steel“ der Titelsong des neuen Albums folgte. Im typischen Nargaroth-Stil ballerte die Band den Opener der neuen Scheibe ins Bochumer Publikum.
Besonders auffällig war für mich – wie schon im ersten Live-Set – die Bühnenpräsenz von Ash. Mit intensiven, durchdringenden Blicken und einer fast schon meditativen, düsteren Ausstrahlung zog er viele Zuschauer in seinen Bann. Man kann fast von einer Aura sprechen. Vergleichbar erlebt habe ich das bislang nur bei Gaahl (Ex-Gorgoroth).
Bei „Twisted Steel“ zeigte sich, was für ein Biest der Drummer ist. Die Blastbeats schepperten herrlich durch das Gewölbe, während das schreddertypische Gitarrenspiel an Black- und Death Metal der 90er-Jahre erinnerte. Unterschwellig kam mir dabei Deicide in den Sinn.
Mit „I Drink Alone“ folgte mein Lieblingssong der aktuellen Scheibe. Der Song groovt in auch typischer 90er-Jahre-Manier und konnte mich auch live sofort überzeugen. Das Publikum schien ähnlich zu denken. Aber auch das folgende „Metalheart“ musste sich keineswegs verstecken. Die Liebeserklärung an den Metal ist eine starke Speed-Nummer, auch wenn der Black-Metal-Anteil gegenüber früheren Werken deutlich zurückgeschraubt wurde.
Als Nächstes stand „Dresden“ auf der Setlist. Dieser Song dürfte wohl der umstrittenste Nargaroth-Song überhaupt sein. Kein Black Metal, kein Death Metal, sondern ein ruhiger Titel, der sich nur schwer mit anderen Songs vergleichen lässt. Ich hoffe, ich werde für diesen Vergleich jetzt nicht gesteinigt, aber auf mich wirkt das Stück wie eine dunkle Version eines The Smith oder Sisters of Mercy Songs – gepaart mit einer Prise Type-O-Negative-Melancholie. Ich feiere den Song jedenfalls.
Textlich setzt sich Ash mit dem Leid und dem Verlust der tausenden Bombenopfer von Dresden 1945 auseinander. Das Publikum reagierte während des Songs eher zurückhaltend.
Bevor die Band den Titel spielte, sagte Ash: „Jetzt werden sie wieder kommen und sagen, dass ich ein Nazi bin!“
Eigentlich wollte ich mich zu dieser Thematik gar nicht äußern. Denn ich finde, die Entwicklung von Nargaroth – und insbesondere die Person Rene „Ash“ Wagner – spricht mittlerweile für sich. Wer sich selbst ein Bild von Ashs Sichtweise machen möchte, dem sei das Gespräch mit Kyo auf YouTube empfohlen.“
Dennoch möchte ich erwähnen, dass es während des gesamten Events keinerlei fragwürdige Vorkommnisse gab. Es fielen weder politische Aussagen noch entsprechende Ansprachen. Der Band wurde in der Vergangenheit zwar immer wieder eine gewisse Nähe zur NSBM-Szene nachgesagt, davon konnte ich an diesem Abend jedoch nichts feststellen!!! Weder im Gespräch mit Ash noch im Austausch mit anderen Konzertbesuchern ergaben sich entsprechende Anhaltspunkte. Auch das Publikum war eine völlig normale Metal-Crowd – von Jung bis Alt, wie man sie auf nahezu jedem Metal-Konzert antrifft.
Doch zurück zum Gig. Drei Songs standen noch auf dem Programm. Mit „Shelter the Faithless“ und „Man of Mayhem“ schraubte die Band den Black-Metal-Anteil wieder auf das Maximum. Nach meinem Eindruck nahm das Publikum diese Songs auch wieder etwas enthusiastischer auf. Insgesamt war die Stimmung während des ersten Sets allerdings noch etwas ausgelassener. Das könnte allerdings auch an den nahezu saunaartigen Temperaturen in der Matrix gelegen haben.
Das Finale bildete schließlich „Requiem Germania“. Der Song, der erneut eher untypisch für Nargaroth daherkommt, baut sich langsam auf und arbeitet mit melancholischen Chorelementen. Bei mir sorgte das erneut für einen Gänsehautmoment. Ich stehe einfach auf diese melancholischen Chöre. Im Zusammenspiel mit der Band und der bereits erwähnten Aura von Ash ergab das für mich einen stimmigen Abschluss des Events.
Abschlussfazit
Das „Apocalyptic Steel“-Event war für mich eine rundum gelungene Veranstaltung. Für 63,42 € bekam ich drei Live-Sets geboten und hatte die neue Vinyl-Ausgabe des Albums direkt mit im Gepäck. Diese wurde sogar noch von Ash signiert, und wir konnten uns auch kurz unterhalten. Als Black-Metal-Fan ist das natürlich eine richtig coole Sache. Wer darüber hinaus ein echter Nargaroth-Fan ist, dürfte an diesem Abend voll auf seine Kosten gekommen sein. So nah an der Band zu sein, gleich zwei komplette Nargaroth-Sets zu erleben und dazu noch die Möglichkeit zu haben, exklusives Merchandise zu ergattern – mehr kann man sich als Fan eigentlich kaum wünschen.
Mich persönlich konnte Nargaroth live voll und ganz überzeugen. Auch „Apocalyptic Steel“ ist für mich ein wirklich gelungenes Album. Gerne wieder!
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Bildnachweis: Seasons of Mist.
