Ein Black Metal Fest am 16.05.2026
Am 16.05.2026 gaben sich die Bands Non Est Deus und Antrisch die Ehre. Beide Bands stellten ihre beiden Neuen Platten vor. Non Est Deus lieferten am 03.04.2026 mit „Blessings And Curses“ erneut ab. Auch Antrisch waren nicht untätig und präsentierten am 27.03.2026 mit „Expedition III : Renitenzpfad Marañones“ ihren neusten Streich. Wie das Konzert Erlebnis war? Lest ihr hier in unserem Bericht.
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↑ Non Est Deus – 2026 – mehr als nur ein Sideprojekt von Kanonenfieber? ↑
Antrisch – Expeditons Black Metal
Um 19:00 Uhr öffnete das Turock seine Pforten. Das Konzert war schon lange im Voraus ausverkauft, was für die aufsteigende Popularität beider Bands spricht. Der Einlass lief jedoch erstklassig, da bereits um 19:20 Uhr keine Einlassschlange mehr vorhanden war und wir direkt in den Tempel hineingehen konnten.
Erst ging es zum Merch-Stand, der sich dieses Mal wieder im oberen Stockwerk befand. Die Preise waren im Vergleich zu anderen Konzerten sehr human und fair. T-Shirts gab es für 25 €, ebenso wie die Vinylplatten. Die Preise galten für beide Bands und dafür gibt es direkt noch einen großen Pluspunkt. Ein Konzertabend, bestehend aus lediglich zwei Bands, war echt mal wieder sehr angenehm. Nach einem Kaltgetränk sicherten wir uns dann unseren Platz vor der Bühne.
Um kurz vor 20:00 Uhr betraten dann Antrisch den Dschungel. Es war für mich das erste Konzert der Jungs, aber definitiv nicht mein letztes. Ich hatte die Band bereits seit ihrer Debüt-EP „Expedition I: Dissonanzgrat“ auf dem Schirm und war sehr froh, sie endlich einmal live zu sehen.
Für die Leute, die gar nicht wissen, wer diese Band ist, hier ein kleines Resümee: Antrisch machen deutschen Black Metal. Dabei haben sie sich ihr eigenes Konzept geschaffen, das man als „Expeditions-Black-Metal“ bezeichnen könnte. So geht es in den Texten um Geschichten des Bergsteigens, Bergwanderns und historische Dokumentationen. Den Bandmitgliedern ist eigenem Bekunden zufolge ein übergeordnetes zentrales Thema gemein: „historische Expeditionen in die (landschaftlich, geografisch und klimatisch) extremsten Teile der Welt und die Auswirkungen auf den menschlichen Geist und die Psyche“.
Ich für meinen Teil finde das Konzept genial. Es bietet so viele Möglichkeiten für neuen Output und ist mal etwas gänzlich anderes.
Im aktuellen Album „Expedition III: Renitenzpfad Marañones“ behandeln Antrisch das zentrale Thema der Amazonas-Expedition von Pedro de Ursúa, vielen besser bekannt als die Geschichte von El Dorado. Passend zum Thema war die Luft sehr stickig im Turock.
Als die Band mit „I. Prolog – Conquista“ ihr Set begann, war ich bereits voll drin. Dieser atmosphärische Black Metal und der harsche Gesang von Sänger Maurice Wilson sorgten immer wieder für Gänsehautmomente. Die Meute hat die Band, die sich passend zu einer Expedition von 1560 verkleidet hatte, komplett abgefeiert.
In den nachfolgenden 50 Minuten präsentierte die Truppe das komplette neue Werk in voller Gänze. Besonders hervorstechend waren für mich die Songs „VI. Verschanzt – Perleneilandterror“ und die einzige Zugabe „I. FESTGEFROREN – Packeisfalle“. Das jeweilige Riffing und die Gesamtatmosphäre konnten, wie auch schon in den Studioversionen, komplett überzeugen.
Ich gebe zu, dass ich anfangs dachte, dass Antrisch vielleicht eine dieser reinen Studiobands sind. Jedoch verflog dieser Gedanke sehr schnell. Das Konzept geht auch live voll auf und macht wirklich Spaß – vor allem, wenn Maurice Wilson in seiner Performance komplett aus sich herausgeht. Immer wieder lehnte er sich in seine Pike und stieß seinen markanten, langen, verzerrten Schrei ins Essener Publikum.
Ich kann Antrisch wirklich nur jedem ans Herz legen, der auf atmosphärischen Black Metal steht.
Nach dem Konzert hatte ich noch die Gelegenheit, mit dem Sänger zu sprechen. Dieser war sichtlich glücklich und erfreute sich an der Location. Ich gab ihm die Kralle und bedankte mich für die Show.
„Ist echt cool hier!“, sagte er.
Darauf ich: „Ja, war nur etwas stickig.“
Er wieder: „Haha, ja, aber das passt doch zum Dschungel.“
Etwas später habe ich ihn auf die Entwicklung der Band angesprochen und gelobt, wie sie sich entwickelt haben.
„Ja, nach der Kälte-Phase brauchten wir mal etwas anderes“, scherzte er.
Dann plauderten wir noch kurz weiter. Viel Zeit hatte er jedoch nicht, denn immer mehr Metalheads wollten Autogramme. Ich habe mir dann auch meine Platten von der kompletten Band signieren lassen und bin glücklich heimgefahren. Mehr geht nicht.
Setlist – Antrisch
- I. Prolog – Conquista
- II. Hidalgo infernal – Der baskische Wolf
- III. Los Marañones I Nattern & Narren
- IV. Los Marañones II Bittergrün
- V. Abkehr – Non Sufficit Orbis
- VI. Verschanzt – Perleneilandterror
- VII. Canis Lupum Edit – Wolfsfalle | verratener Verräter
Non Est Deus
Nach der großartigen Performance von Antrisch folgte der heutige Headliner: Non Est Deus – das Side-Projekt von Kanonenfieber. Auch hier für Unwissende ein kurzes Resümee: Die deutsche Black-Metal-Band Non Est Deus, gegründet von Noise als Ein-Mann-Projekt, thematisiert in ihren Liedern die Kritik an religiösem Fanatismus und Dogmen. Live treten die Musiker in martialischer, dunkler Kleidung auf: Sie tragen Kutten, Masken und Kapuzen, die an Rituale und altklösterliche Orden erinnern.
So wurde die Expeditions-Bühnendeko durch christliche Symbolik ersetzt und während die Techniker den Rest der Bühne umbauten, ertönte im Hintergrund kirchliche Musik. Auch hier setzte man also von Anfang an auf Atmosphäre. Aber bedarf es dafür wirklich 30 Minuten Vatikan-Musik? Viele nutzten die Umbaupause, um den Innenraum zu verlassen, während sich die Anzahl der Kanonenfieber-T-Shirts im vorderen Bereich immer weiter mehrte.
Gegen 21:20 Uhr war es dann so weit: Der Gottesdienst konnte beginnen. Denn als „schwarze Messe“ kann man ein Konzert von Non Est Deus eigentlich nicht bezeichnen – zumindest optisch nicht. Langsam und im Takt schlichen die Musiker auf die Bühne. Noise trug eine Art Mitra wie ein Papst oder Bischof, ebenso einen großen, langen Hirtenstab. Nachdem er alle Mitglieder noch einmal segnete, begann die Band mit „Show Mercy“ ihr Set.
Inszenierung können diese Musiker einfach – denn auch wie bei Kanonenfieber besteht ein Konzert nicht nur allein aus der Musik. Es ist vielmehr das Gesamtkonzept der Show. Fast schon schauspielerisch spielt Noise die Rolle des Heiligen. Mal als Papst oder Bischof, manchmal könnte man auch denken, er verkörpere eine Art Messias. Jedoch sind die Texte pure Häresie, wenn man so will. Religiöse Menschen, vor allem Anhänger des katholischen Glaubens, werden textlich immer wieder mehr als nur angegriffen. Aus meiner Sicht führt Noise diese Menschen und ihren religiösen Fanatismus regelrecht vor. Dieses Konzept mit Black Metal zu verbinden, ist für mich einfach genial. Aber das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden – für viele dürfte das zu viel des Guten sein.
Es folgte ein Konzert mit Liedern aus dem aktuellen, fünften Album „Blessings And Curses“, wie zum Beispiel „Forgive Me“, „The Indulgence“ oder „Korah“, die mir live tatsächlich besser gefallen haben als noch in den Studioversionen. Aber auch Publikumslieblinge wie „Hiob“ oder „Burn It Down“ performte die Band mit derselben Inbrunst wie das aktuelle Material. Einzig allein auf Pyrotechnik musste wohl aufgrund der Gegebenheiten im Turock verzichtet werden. Ich will gar nicht wissen, wie die Luft dann gewesen wäre.
Highlights waren für mich persönlich die Auspeitschung bei „Flagellation“ und die Performance von „Fuck Your God“. Hier passt für mich einfach alles: das Riffing, die Brutalität der Stimme von Noise, aber auch das Zusammenspiel der gesamten Band. Wie ich anfangs bereits erwähnte, muss man die Show als Gesamtkunstwerk bewerten, weil sie wirklich eine Art Gottesdienst oder Sakrileg darstellt.
Nach knapp einer Stunde beendeten die Bamberger ihr Set – ohne jegliche Ansage. Den Leuten hat es allen gefallen, zumindest denen, mit denen ich sprechen konnte. Ich für meinen Teil freue mich bereits auf die nächste Show.
Setlist – Non Est Deus
- Show Mercy
- Forgive Me
- Hiob
- Thousand Years Of Sand
- Korah
- The Indulgence
- Flagellation
- Save Us
- Fuck Your God
- Burn It Down
- Transgression
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Bildnachweis: Non Est Deus – Bandcamp, Eventim.
