Hällas entführen das JunkYard in eine andere Welt
Die Anreise aus Essen nach Dortmund ist an einem Montagabend relativ kurz. Schon auf dem Weg Richtung JunkYard begegnen mir die ersten jungen Langhaarigen mit Kutten, die offensichtlich dasselbe Ziel haben wie ich. Ein Anblick, der bei mir sofort Erinnerungen an die 90er weckt. Gerade in Dortmund habe ich sehr viele Konzerte im Soundgarden oder den Ruhr Rock Hallen besucht. Im Eingangsbereich treffe ich auch vertraute Gesichter, wir tauschen ein paar Worte aus – und sofort fühlt sich der Abend schon vor dem ersten Ton nach Szene, Gemeinschaft und wieder nach ehrlichem Metal an.
Earth Tongue eröffnen mit fuzzigem Wahnsinn
Den Auftakt machen Earth Tongue, ein Duo aus Wellington/Neuseeland, das mit erstaunlich viel Druck für nur zwei Personen auf der Bühne sorgt. Gitarre, Schlagzeug und eine ordentliche Portion Fuzzeinstellungen – mehr brauchen die beiden hier nicht. Die Songs bewegen sich irgendwo zwischen Stoner, Garage Rock und psychedelischen Ausbrüchen. Nach drei Songs steht auch die Einstellung am Mischpult und ich kann gut abtauchen mit der Musik.
Besonders interessant finde ich, dass die beiden nicht nur Bandkollegen sind, sondern inzwischen auch verheiratet. Ihre musikalische Chemie wirkt entsprechend eingespielt und vertraut. Während sie sich durch ihre Songs arbeiten, entsteht ein dichter, hypnotischer Soundteppich, der alle schnell auf Betriebstemperatur bringt. Für viele im Publikum ist das Duo zwar noch Neuland, doch spätestens nach der Show gibt es doch einige Interessenten am Merchstand die gut abgeholt wurden.
Abenteuerrock aus Schweden
Als schließlich Hällas die Bühne betreten, wird es im JunkYard noch etwas voller vor der Bühne. Die schwedische Band hat sich in den letzten Jahren eine treue Fangemeinde aufgebaut, mit ihrem eigenen Mix aus 70er-Prog, Hardrock und epischem Storytelling. Ihre Musik wird oft als „Adventure Rock“ bezeichnet – und live versteht man schnell, warum.
Vintage-Keyboards, Twin-Gitarren, Pedale am Boden und ein Sound, der gleichzeitig nostalgisch und zeitlos wirkt, sorgen dafür, dass man sich schnell in eine andere Welt versetzt fühlt. Die Songs wirken stellenweise fast wie Kapitel einer Geschichte, die sich langsam entfaltet.
Mit „Above the Continuum“ beginnt das Set. Die Mischung aus melodischem Prog-Rock und dem epischem Aufbau funktioniert live hervorragend. Schon früh wird mir klar, dass viele Besucher die neuen Songs vom aktuellen Album bereits gut kennen. Direkt danach folgt „Tear of a Traitor“, bei dem erstmals richtig Bewegung ins Publikum kommt. Die Gitarren harmonieren perfekt miteinander, während die Keyboards den Songs diese leicht mystische Atmosphäre verleihen, mit der Hällas immer gekonnt spielt.
Zwischen Fantasie, Heavy Rock und Gänsehaut
Im weiteren Verlauf des Sets zeigen Hällas eindrucksvoll, warum sie sich innerhalb der Szene festgesetzt haben. Songs wie „Repentance“, „The Emissary“ und „Advent of Dawn“ entfalten live eine ganz eigene Dynamik. Die Band unterbricht auch Live sehr gut die ruhigen, verträumten Passagen mit den großen kraftvollen Refrains. „Bestiaus“ und „Stygian Depths“ bringen das JunkYard weiter in Fahrt. Überall im Raum sieht man nickende Köpfe und erhobene Hände. Auch wenn die Musik stark vom Progressive Rock beeinflusst ist, schlägt hier immer noch der klassischen Heavy Metal zu meinen Ohren durch. Gerade in der ersten Reihe wo ich den Verstärker von der Bühne intensiver höre als den Sound in der Halle.
Ein Highlight des Abends ist „Face of an Angel“, das mit seinem eingängigen Refrain sofort für eine besondere Stimmung sorgt. Mit „Carry On“ nähert sich das reguläre Set schließlich seinem Ende. Der Song funktioniert live fast noch besser als auf Platte und wird von vielen Fans lautstark begleitet.
Manche Dinge ändern sich nie
Natürlich gehen Hällas nicht ohne Zugaben. Nach lautstarken Rufen kehren die Schweden zurück. „The Astral Seer“ leitet die Schlussminuten des einfach nur schönen und sehr emotionalen Konzerts ein. Danach folgt „Star Rider“, ein Song, der vielen Fans seit Jahren im Ohr liegt und live besonders gefeiert wird. Spätestens hier verwandelt sich das JunkYard endgültig in ein Meer aus Händen und viele singen lauthals mit, was der Band sichtlich gut gefällt.
Den Abschluss bildet schließlich „Hällas“ von der ersten EP, ein würdiger Schlusspunkt für einen Abend, der sich wie eine musikalische Zeitreise anfühlt.
Als ich später wieder hinaus in die Dortmunder Nacht trete, fühlt sich der Abend ein wenig so an wie früher: klingelnde Ohren und das zufriedene Gefühl, ein richtig gutes Konzert erlebt zu haben. Hällas haben bewiesen, dass sie live nicht nur musikalisch überzeugen, sondern auch diese besondere Atmosphäre schaffen können, die ein Konzert ausmacht. Und irgendwo zwischen Kutten, langen Haaren und alten Erinnerungen merkt man: Manche Dinge ändern sich nie – und das ist auch gut so.
Setlist Hällas
Above the Continuum
Tear of a Traitor
Repentance
The Emissary
Advent of Dawn
Bestiaus
Stygian Depths
Face of an Angel
Carry On
Zugaben
The Astral Seer
Star Rider
Hällas
Mehr Infos
Lies hier noch den Festivalbericht vom Hell Over Hammaburg 2026
Bleibt auf dem Laufenden mit mehr Informationen mitten aus dem Moshpit auf diesen Kanälen:
Homepage – Facebook – Instagram – YouTube
