Hell Over Hammaburg 2026 – die Metal-Familie in Hamburg
Die Reise beginnt für viele jedes Jahr auf die gleiche Weise. Früh morgens geht es aus dem Ruhrgebiet mit dem Zug Richtung Norden. Während draußen die Landschaft vorbeizieht, steigt die Vorfreude mit jedem Kilometer. Das Ziel, die Markthalle, wo sich Anfang März traditionell die Metal-Familie in Hamburg zum Hell Over Hammaburg (nun 2026!!) versammelt. Kaum sind wir am Hamburger Hauptbahnhof angekommen, gehört auch der obligatorische erste Snack an irgendeinem der vielen Imbisse rund um den Bahnhof einfach dazu. Das Hotel direkt neben der Markthalle ist auch längst Teil der Tradition – genauso wie die ersten bekannten Gesichter vor der Halle, die man oft nur einmal im Jahr genau hier wieder trifft – fantastisch.
Schon am Donnerstagabend beginnt das Wochenende mit dem Warm-up im Bambi Galore. Die kleine Location ist gut gefüllt, die Stimmung entsprechend elektrisiert. Drei starke Bands (Morax (NO), Mean Mistreater (USA), Animalize (F)) sorgen für die perfekte Einstimmung auf das Festival: rohe Energie, verschwitzte Shirts und überall bekannte Gesichter aus den letzten Jahren. Genau diese Mischung aus Leidenschaft, Underground-Spirit und Wiedersehensfreude macht den Auftakt für mich mittlerweile zum Pflichttermin, bevor dann am Freitag endlich die Türen der Markthalle Hamburg aufgehen.
Tradition trifft Underground-Spirit
Das Hell Over Hammaburg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Treffpunkte in Deutschland für klassischen Heavy Metal, Doom, Black Metal und allerlei Spielarten des düsteren Underground entwickelt. Was das Festival so besonders macht, ist nicht allein das Line-up, sondern die Atmosphäre. Keine riesigen Bühnen, keine überdimensionierten VIP-Bereiche – stattdessen Nähe zur Bühne, kurze Wege und ein Publikum, das genau weiß, warum es hier ist.
Viele Besucher kommen aus ganz Europa und kehren jedes Jahr wieder zurück. Man trifft alte Bekannte, lernt neue Leute kennen und verbringt Stunden damit, über Musik, Konzerte und neue Entdeckungen zu sprechen. Zwischen Merchständen, Bierständen und Gesprächen über neue Releases oder legendäre Konzerte entsteht so eine Atmosphäre, die man auf großen Festivals oft vermisst.
Das Hell Over Hammaburg ist damit nicht nur ein Festival, sondern auch ein Treffpunkt für eine Szene, die ihre Leidenschaft für den Underground teilt.
Freitag – Epischer Auftakt in der Markthalle
Der Freitag startet traditionell am Nachmittag und liefert gleich eine starke Mischung aus Heavy- und Extreme-Metal. Den Anfang machen Mega Colossus, deren klassischer Heavy Metal mit viel Melodie und Energie perfekt funktioniert, um die ersten Reihen vor der Bühne zu füllen.
Mit Skräcken ändert sich die Stimmung anschließend spürbar. Die Schweden bringen einen irgendwie morbiden Mix aus Hard Rock und Heavy Metal auf die Bühne, der auch nach dunklen Rockklängen der 70er und 80er Jahre klingt. Treibende Gitarren und die markante Stimme von Frontfrau Sofie-Lee Johansson (früher Night Viper) geben den Songs eine geheimnisvolle Note und sorgen dafür, dass der Auftritt sofort im Gedächtnis bleibt. Ein spannender Farbtupfer im Line-up.
Weiter geht es mit Argus, deren epischer Heavy- und Doom-Metal sich ideal für die Bühne eignet. Mächtige Riffs, hymnische Melodien und eine Stimme, die mühelos den ganzen Raum ausfüllt – genau das richtige Material für das nun eingestimmte Festivalpublikum.
This Gift Is a Curse habe ich verpasst, aber die Schweden sollen mit Ihrem rohen und wütendem Sound ordentlich abgeliefert haben, wie mir berichtet wurde.
Nun freue ich mich auf klassischen Heavy Metal mit Christian Mistress. Die Band überzeugt mich mit Spielfreude und bringt Ihren herrlich traditionellen Sound gut auf die Bühne. Sängerin C. Davis interagiert stark mit dem Publikum und verlässt auch mal die Bretter der Bühne, um abzuklatschen. Mit viel Charme und Ihren eingängigen Songs lassen sie zufriedene Gesichter in der Markthalle zurück.
Den Abschluss des Freitags übernehmen Forteresse. Die kanadische Black-Metal-Band sorgt mit gutem Sound und atmosphärischen Songs für einen intensiven Ausklang des ersten Festivaltages. Kalte Riffs, treibende Rhythmen und eine düstere Atmosphäre lassen die Markthalle in die Klanglandschaften eintauchen.
Als die letzten Töne verklingen, ist klar: Der Auftakt des Festivals hat die Erwartungen mehr als erfüllt.
Samstag – ein Kracher jagt den nächsten
Der Samstag startet mit ersten Gesprächen in der Hotellobby und frischer flüssiger Energie. Die Leipziger Sintage eröffnen den zweiten Festivaltag mit klassischem Heavy Metal, der sofort für Bewegung vor der Bühne sorgt. Eine gut gefüllte Markthalle feiert den Auftritt der gut gelaunten Band – ein sehr ordentlicher Start. Das Album hatte ich schon vorher am Dying Victims Stand eingepackt – und meine Vorfreude die Band mal Live zu sehen hat sich mehr als bestätigt.
Setlist Sintage:
- Ramming Speed
- Prisoned by the dark
- The devils race
- Blood upon the stage
- Silent tears
- Midnight evil
- Beyond the thunderdome
- One with the wind
Danach übernehmen die Schweden von Night. Der Sound steigert sich stetig während der Show (danke an das Mischpult!!!) und der energiegeladene Mix aus 70er Rock und Heavy Metal kommt für mich sehr viel besser rüber als auf dem Album. Diesen Auftritt, auch mit besonderer Soloeinlage, zähle ich zu den Besten, die ich beim Hell over Hammaburg je gesehen habe. Mit Gänsehaut und den Tränen (hätte nicht gedacht, dass sich das, nach Demon im letzten Jahr so schnell wiederholt) nahe, feiere ich die Schweden zusammen mit vielen anderen in der gut gefüllten Halle – unfassbar wie göttlich hier gerade die Gitarre bedient wird – Highlight Nr.1.
Nach dem Night Auftritt und dem verständlichen Gedränge am Merch, verpasse ich Phrenelith auch wegen einer interessanten Unterhaltung beim Burger um die Ecke. Der dänische Death Metal soll aber mit dunkler Atmosphäre durch die Markthalle gerollt sein.
Zu Slingblade bin ich zurück. Die bringen ihre, vielen Zuschauern bekannte, druckvolle Mischung aus Doom und klassischem Heavy Metal auf die Bühne. Mit Ihrem eingängigen Album „The Unpredicted Deeds of Molly Black“ von 2011, dem Marshall/Gibson Gitarrensound und „Off the hook“ entlässt die sehr sympathische Band die zufriedene Gesichter in den verbleibenden Abend.
Die letzten beiden Highlights
Von Helheim habe ich persönlich nicht unbedingt viel erwartet, weil die auch früher an mir vorbeigelaufen sind – aber es kam ganz anders. Die Norweger haben mich schon mit den ersten Gesten, die ich aus dem Fotograben bestaunen durfte, vollkommen überzeugt. Ich fand den ultra präzisen Sound zusammen mit der nötigen bösen Stimmung mehr als fesselnd. Als Veteranen aus den 90igern kommt Ihre spezielle Show mit Material aus ihren frühen Tagen in Hamburg nicht nur bei mir gut an – Highlight Nr.2
Der große Abschluss des Festivals gehört schließlich Atlantean Kodex. Wir immer voller Epik, Heavy Metal Pathos, Atmosphäre und mächtigen Hymnen. Besonders beeindruckt hat mich hier, dass mehrere Passagen von der Halle, inklusive mir alleine gesungen wurden (Twelve Stars.., Pilgrim, Heresiarch). So hatte ich das noch nicht erlebt, habe sie aber auch nur 2mal vorher gesehen. Die Songs sind einfach musikalische Geschichten, emotional vorgetragen, die sich langsam aufbauen und schließlich in Großem gipfeln. Ein würdiger Schlusspunkt für ein Wochenende, das ganz im Zeichen des Underground-Metal steht – Highlight Nr.3.
Die zweite Bühne – Entdeckungen im MarX
Neben der Hauptbühne bietet das Festival auch auf der kleineren Bühne im MarX-Bereich spannende Entdeckungen. Auch für mich gehörte gerade dieser Bereich schon zu den Highlights des Wochenendes (Visigoth 2018).
Hier spielen Bands, die eher am Anfang ihrer Karriere stehen, aber bereits jetzt mit starken Auftritten überzeugen. Zu den spannenden Namen gehörten dieses Jahr unter anderem Palantyr, die ich mir angucken kann und mich mit Ihrem energetischen Heavy Metal überzeugen.
Auch Bands wie Templar, Wrahha, Vollmondprozession und Sun Worship zeigen wieder mal, wie eindrucksvoll und vielseitig die heutige Underground-Szene ist. Von epischen Metal-Klängen bis zu experimentellen und extremen Sounds ist hier alles vertreten.
Gerade diese Mischung macht einen wichtigen Teil des Festivals aus. Man kommt vielleicht wegen einiger bekannter Namen und geht am Ende mit mehreren neuen Bands nach Hause, die man vorher noch gar nicht kannte.
Ein Wochenende, das bleibt
Am Ende ist Hell Over Hammaburg weit mehr als nur eine Ansammlung guter Bands. Es ist ein Wochenende voller Begegnungen, Gespräche über alte Platten, spontaner Bierrunden und nächtlicher Diskussionen über die besten Metal-Riffs aller Zeiten.
Wenn am Samstag kurz vor Mitternacht die letzten Töne in der Markthalle verklingen, bleibt wie jedes Jahr das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Zwei Tage voller Musik, Begegnungen und intensiver Konzertmomente liegen hinter allen Beteiligten.
Während man dann am Sonntagmorgen wieder Richtung Bahnhof läuft, steht eines bereits fest, im nächsten Jahr kommen wir am 5. und 6. März 2027 zum Final Battle wieder zusammen unter anderem mit Hysterese, Mausoleum Gate und Midnatt.
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