Bolan – „Gargoyle Of The Garden State“ (VÖ: 12.06.2026)
Rachel Bolan gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Köpfen von Skid Row. Mit „Gargoyle Of The Garden State“ tritt der Bassist und Songwriter nun erstmals unter eigenem Namen ins Rampenlicht. Wer allerdings klassischen Sleaze Metal oder eine Fortsetzung der bekannten Bandgeschichte erwartet, dürfte bereits nach wenigen Minuten überrascht sein. Dieses Album lebt von Punkrock, rotziger Attitüde und einer spürbaren Lust daran, sämtliche Erwartungen bewusst zu ignorieren.
Punk statt Hair Metal
Bereits „Anything But You“ macht unmissverständlich klar, wohin die Reise führt. Bolan setzt auf schnörkellosen Rock mit deutlicher Punk-Schlagseite. Die Gitarren treiben kompromisslos nach vorne, die Refrains sitzen sofort und die raue Stimme des Frontmanns passt deutlich besser zu diesem Material, als man zunächst vermuten könnte. Sein Gesang besitzt Ecken und Kanten, wirkt authentisch und verleiht den Songs genau die Glaubwürdigkeit, die Hochglanzproduktionen oft vermissen lassen. Auch „At War With Myself“ entwickelt gemeinsam mit Danko Jones eine enorme Dynamik. Beide Stimmen ergänzen sich hervorragend und verleihen dem Song zusätzliche Aggressivität. Hier zeigt sich eindrucksvoll, dass Bolan keine musikalische Fingerübung veröffentlicht hat, sondern ein Album, das von echter Überzeugung lebt.
Viel Spielfreude und starke Gäste
Die prominenten Gastmusiker bleiben auf „Gargoyle Of The Garden State“ erfreulicherweise mehr als bloße Namen auf dem Cover. Snake Sabo bereichert „See You On The Other Side“, während Steve Conte dem melodischen „Bridges“ zusätzliche Tiefe verleiht. Nuno Bettencourt setzt bei „Jet Black Universe“ mit seinem unverwechselbaren Gitarrenspiel ein echtes Ausrufezeichen, ohne den eigentlichen Song in den Hintergrund zu drängen. Corey Taylor sorgt bei „Big Stick“ für eine Extraportion Energie und Damon Johnson rundet das Album mit „Walk Away“ gelungen ab. Trotz dieser prominenten Unterstützung bleibt jederzeit spürbar, dass Bolan das kreative Zentrum dieser Platte bildet. Die Gäste ergänzen das Material sinnvoll und übernehmen niemals die Hauptrolle.
Zwischen Straßenköter und Ohrwurm
Das größte Pfund von „Gargoyle Of The Garden State“ ist seine Direktheit. Die meisten Songs verzichten auf unnötigen Ballast und kommen schnell auf den Punkt. Bolan verbindet klassischen Punkrock mit Elementen aus Glam Rock, New Wave und eingängigem Hard Rock, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Das Songwriting bleibt angenehm kompakt und lässt kaum Leerlauf entstehen. Besonders „Memory“ zeigt eine nachdenklichere Seite, ohne die Energie des Albums auszubremsen. Der Song besitzt emotionale Tiefe und fügt sich dennoch nahtlos in den Gesamteindruck ein. Anschließend übernimmt wieder die rohe Rockmusik das Kommando. Mit „Rock And Roll Star“ wagt sich Bolan zudem an einen bekannten Oasis-Klassiker. Die Interpretation orientiert sich nicht sklavisch am Original, sondern verpasst dem Song eine deutlich rauere Handschrift, wodurch er erstaunlich selbstverständlich zwischen den Eigenkompositionen funktioniert.
Authentischer als perfekt
Die Produktion wirkt bewusst ungeschliffen und verzichtet auf sterile Perfektion. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Albums. „Gargoyle Of The Garden State“ soll nicht geschniegelt oder modern klingen. Stattdessen transportiert jede Minute das Gefühl einer Band, die ohne große Berechnung einfach spielen möchte. Diese Ehrlichkeit überträgt sich unmittelbar auf den Hörer. Nicht jeder Song entwickelt die gleiche Durchschlagskraft wie die stärksten Momente des Albums. Einige Melodien bleiben etwas weniger nachhaltig im Gedächtnis. Der insgesamt sehr konstante Spannungsbogen verhindert jedoch, dass die Platte nennenswert an Fahrt verliert.
Fazit
Mit „Gargoyle Of The Garden State“ liefert Rachel Bolan kein Soloalbum für eingefleischte Nostalgiker ab. Stattdessen präsentiert er eine selbstbewusste Rockplatte voller Punk-Attitüde, Spielfreude und glaubwürdiger Leidenschaft. Die kurzen, direkten Songs verzichten auf überflüssigen Zierrat und überzeugen durch ehrliche Energie statt technischer Perfektion. Gerade weil Bolan seine bekannten Wurzeln nicht kopiert, sondern neue Schwerpunkte setzt, entwickelt dieses Debüt seinen ganz eigenen Charakter. Wer kernigen Rock mit Punk-Einschlag und starken Melodien schätzt, dürfte an „Gargoyle Of The Garden State“ lange Freude haben.
Cover & Tracklist
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- „Anything But You“
- „At War With Myself“ feat. Danko Jones
- „Memory“
- „See You On The Other Side“ feat. Snake Sabo
- „Bridges“ feat. Steve Conte
- „Jet Black Universe“ feat. Nuno Bettencourt
- „Big Stick“ feat. Corey Taylor
- „Pretty Hell“
- „Rock And Roll Star“ feat. Scotti Hill
- „Devil In The White“
- „Walk Away“ feat. Damon Johnson
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Bildnachweis: Edel – Ear Music.
