Left to Die: Terry Butler über „Initium Mortis“
Die hochkarätige Death-Tribute-Band Left to Die bringt diesen Freitag ihr erstes Album heraus. „Initium Mortis“ liefert eine Zeitreise in die Ursprünge des Death Metals und setzt sich aus Neuaufnahmen alter Death-/Mantas-Demos zusammen. Bassist und Death-Metal-Urgestein Terry Butler (Obituary, Inhuman Condition, ex-Death, ex-Massacre, ex-Six Feet Under) stand mir Rede und Antwort.
Terry, wie geht’s dir heute?
Mir geht’s super, wie geht’s dir?
Sehr gut, ich freue mich sehr mit dir sprechen zu können, da ich großer Fan von so einigen Bands bin, in denen du über die Jahre gespielt hast. Eine davon sind natürlich die allmächtigen Death. Jetzt mit dem neuen Left to Die-Album bringt ihr einige sehr frühe Death-Songs zurück zum Leben. Was hat dazu geführt, dass ihr mit Left to Die ein Album aufnimmt und zwar mit genau diesen Songs?
Ich glaube letztes Jahr hat Matt (Harvey; Gitarrist und Sänger, Anm.d.A.) ein Interview gegeben – er hatte eine Version von „Legion of Doom“ aufgenommen – und der Interviewer sagte, es wäre cool, mehr dieser alten Songs zu hören. Daraufhin haben wir untereinander gesprochen und gesagt „Ja, lass es uns tun!“. Denn es kommen viele junge Fans zu unseren Shows. Eine neue Generation an Death-Metal-Fans, und die haben diese frühen Songs nie gehört. Und diese alten Songs wurden nicht live gespielt seit… wahrscheinlich noch nie. Also haben wir gesagt, lasst uns diesen Demosongs eine ordentliche Produktion verpassen und sie Leuten vorstellen, die sie noch nie gehört haben. Da sind Killer-Songs bei. Sie zeigen die Anfänge von Death und deswegen heißt das Album „Initium Mortis“, was übersetzt „The Beginning of Death“ bedeutet. Das ist der perfekte Titel und ich finde, die Songs sind klasse geworden. Man kann innerhalb des Albums nachvollziehen… ein Song wie „Power of Darkness“, verglichen mit „Zombie“ oder „Archangel“… du kannst bereits die Entwicklung innerhalb der Demos sehen, innerhalb von etwa eineinhalb Jahren Zeitspanne.
Also im Grunde haben wir dieses Album gemacht, für die Leute, die diese Songs nie vorher gehört haben, mit guter Produktion. Sodass sie das Fundament von Death hören können. Das, womit alles begann.
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Wie schwer war es, herauszuhören, was in diesen alten, staubigen Demos musikalisch vor sich geht und diese Songs so originalgetreu wie möglich zu spielen?
Hut ab an Matt! Er hat sich da reingestürzt. Er liebt sowas. Er liebt Metal, er liebt Heavy Metal, Death Metal. Er hat alles entziffert, ist alles durchgegangen und hat jedes Riff herausgefunden und die meisten Lyrics herausgefunden. Es gibt ein paar Stellen hier und da, wo es wirklich schwer zu verstehen ist, was genau gesagt wird. Da musste er etwas improvisieren, haha. Aber ich denke, er hat einen perfekten Job gemacht. Er hat uns die Tabulaturen geschickt und habe sie schnell gelernt, und es war super. Ich dachte „Wow, das ist echt cooles Zeug“. Ich bin froh, dass wir es jetzt herausbringen und Leute es hören können.
Gibt es für dich einen großen favorisierten Song auf dem Album?
Ich mag „Slaughterhouse“ sehr… „Witch of Hell“… „Legion of Doom“ ist so heavy. Die Songs stechen für mich wirklich heraus. Das sind ein paar meiner Favoriten.
Ich mag die Produktion sehr und auch den Basssound. Kannst du etwas zum Gear erzählen, mit dem du aufgenommen hast? Habt ihr auf echte Amps und Cabs gesetzt oder auf digitale Methoden?
Leider habe ich das Album auf Tour aufnehmen müssen, haha. Ich habe einen sehr vollen Kalender, also musste ich es irgendwo reinquetschen und habe es in Europa aufgenommen, mit Ken Andrews, dem Gitarristen von Obituary. Er hat sein tragbares Setup mitgenommen. Er hat aufgenommen und die Spuren re-amped, über ein AMPEG-Setup. Normalerweise würde ich mein eigenes Gear benutzen und im Studio hier in Tampa aufnehmen, aber das war nicht möglich. Glücklicherweise hat mir die Technologie ermöglicht, unterwegs aufzunehmen. Aber ich denke, es klingt wirklich gut.
Es klingt killer, ja! Du hast mal davon gesprochen, irgendwann auch neue, eigene Musik mit Left to Die herausbringen zu wollen. Ist das etwas, was immer noch passieren wird?
Ja, das wollen wir machen. Ich kann dir keine wirkliche Zeitangabe dafür geben. Aber das ist etwas, worüber wir immer wieder mal gesprochen haben. Wir wollen es ordentlich machen und nicht einfach irgendetwas raushauen. Wir wollen, dass es gut klingt und relevant klingt für das, was wir tun. Wir wollen in dieser Death-Welt bleiben. Wir warten und haben es nicht eilig, aber wenn die Sterne richtig stehen, werden wir etwas herausbringen.
Cool! Da du und Rick Rozz immer noch zusammenspielen, wie in alten Death- und Massacre-Zeiten, was echt cool zu sehen ist, hatte ich mich gefragt, ob ihr noch Kontakt zu Bill Andrews habt und ob es je Gespräche gab, mit ihm in Left to Die zu spielen?
Ja, ich schreibe mit Bill hier und da per E-Mail. Wir haben Kontakt. Ich sollte öfter Kontakt mit ihm haben. Ich bin etwas schlecht darin, haha.
An diesem Punkt wäre es super, eine Show oder zwei mit Bill zu spielen. Zumindest ein paar Songs. Ich weiß nicht wie gewillt er wäre, ein komplettes Set zu spielen. Aber es wäre schön ihn da zu haben. Vielleicht auch im Studio, damit er einen Song einspielen könnte, oder sowas. Aber wir haben Kontakt mit ihm, ja.
Was sind ein paar deiner schönsten, besondersten Erinnerungen an deine Zeit mit Death?
Oh wow, es gibt so viele. Sicherlich die erste Show. Das war das Milwaukee Metal Fest 1987. Das erste Milwaukee Metal Fest überhaupt, das ist auf jeden Fall besonders. Die Ultimate Revenge 2 Tour mit Dark Angel, Raven, Faith or Fear und Forbidden. Das ist auch eine tolle Erinnerung. Das war das erste mal, dass ich vor einem großen Publikum gespielt habe. „Spiritual Healing“ aufzunehmen war auch eine tolle Erfahrung.
Du warst natürlich auch in Six Feet Under für lange Zeit. Was sind ein paar der Songs aus deiner Feder, auf die du besonders stolz bist?
Ähm, mal sehen… „Torture Killer“, ähm… Weißt du, es ist so lange her… ich vergesse viele der Titel, haha. Das ist schlimm, aber wenn ich die Musik einer Band lange nicht gespielt habe, vergesse ich das ganze Zeug. Aber das Album („Maximum Violence“ von 1999, Anm.d.A.) aufzunehmen war großartig. Ich habe darauf eine Menge Songs geschrieben, an die ich mich nur gerade nicht recht erinnere. Aber es war eine tolle Zeit. Das war ein neues Kapitel für die Band. Allen West war draußen und Steve Swanson kam dazu. Er ist ein toller Gitarrist. Er ist direkt reingesprungen und hat viel zum Album beigetragen.
Es ist ein sickes Album. Wenn es dir nichts ausmacht, magst du erzählen, was Steve und Greg Gall heutzutage so treiben?
Yeah, Steve hat einige Gitarrenschüler. Er gibt online Unterricht oder bei sich zuhause. Ich habe gehört, dass er etwas Neues veröffentlichen will und an etwas arbeitet.
Greg spielt hier und da noch Schlagzeug, aber er spielt nicht mehr wirklich in irgendeiner Band. Aber er ist Teil der Szene, er geht zu Shows, ich sehe ihn ständig. Er ist mein Schwager, also wir haben natürlich viel Kontakt.
Nachdem du Six Feet Under verlassen hast, bist du ja quasi direkt in die nächste legendäre Death-Metal-Band reingesprungen mit Obituary. Ich muss sagen, ich habe euch letztes Jahr zweimal live gesehen, in Hamburg und in Wacken, und beide Shows waren für mich die Besten des ganzen Jahres und sicherlich zwei meiner liebsten Shows überhaupt. Ich denke, ihr seid gerade in Höchstform. Kannst du uns irgendetwas über potenzielle neue Musik von Obituary erzählen?
Wir haben uns bisher noch nicht zusammengesetzt und etwas ausgearbeitet. Ich weiß, dass es Riffs gibt. Ken hat welche, Donald hat Ideen. Wir haben Ideen, aber es ist noch nichts in Stein gemeißelt. Aber es wird Zeit, an Songs zu arbeiten. Wir sind allerdings nicht in Eile momentan.
Ich meine, selbst wenn ihr nur „Cause of Death“-Zeug spielt, ist es killer genug. Songs wie „Body Bag“, „Infected“ oder „Dying“ live zu erleben, ist einfach unglaublich heavy.
Es gibt eine Menge Material, auf dass wir zurückgreifen können, um Shows zu spielen. Seit ich in der Band bin, haben wir fast nie wirklich die Ralph Santolla-Alben angerührt. Da sind super Songs drauf. Eine Menge Songs von „Frozen in Time“, die wir nie gespielt haben. Wir haben immer ein cooles Set, dass wir zusammenstellen können. Aber an irgendeinem Punkt wird es Zeit, an neuen Songs zu arbeiten.
Left to Die kommen im August zurück nach Europa, worauf ich mich sehr freue, da ich euch noch nie gesehen habe. Kannst du einen kleinen Einblick geben, wie die Setlist aussehen wird? Konzentriert ihr euch auf das Album, oder mischt ihr es durch mit Zeug von „Scream Bloody Gore“, „Leprosy“ oder vielleicht sogar „Spiritual Healing“?
Wir spielen jeweils vier oder fünf Songs von „Scream Bloody Gore“, „Leprosy“ und vom neuen Album. Das „Spiritual Healing“-Zeug machen wir nicht, weil es einfach ein anderer Musikstil ist. Weißt du, es ist etwas anders. Wir würden James (Murphy, Lead-Gitarrist auf „Spiritual Healing“, Anm.d.A.) dafür brauchen. Und momentan ist das wahrscheinlich keine Option. Also wollen wir uns auf die ersten zwei Alben konzentrieren und auf das Demo-Zeug. Und das läuft super für uns. Wer weiß, vielleicht spielen wir zwischendurch mal eine Show und laden James ein und spielen etwas von „Spiritual Healing“, aber zur Zeit konzentrieren wir uns voll und ganz auf das, was wir tun.
Ich glaube, egal welche Songs ihr spielt, es wird so oder so ein Fest für Death-Fans. Und das gilt auch für das neue Album. Wenn du ein Old-School-Death-Fan bist, dann ist dieses Album für dich und es macht eine Menge Spaß. Momentan ist generell eine super Zeit um Death-Fan zu sein, durch euch, durch Gruesome, durch Death to All, die ich mir tatsächlich dieses Wochenende anschauen werde. Also danke, dass ihr dieses große Erbe aufrecht- und am Leben haltet.
Yeah, danke und gern geschehen! Es macht eine Menge Spaß zu spielen, weißt du. Und die Song bestehen den Test der Zeit. Wenn ich auf der Bühne stehe und diese Songs spiele, denke ich mir nur „Man, das ist tolles Zeug.“ Und ich bin froh, dass all die jungen Fans es hören können. Denn die meisten Leute haben diese Songs nie live sehen können. Je weiter sich Chuck (Schuldiner, Anm.d.A.) entwickelt hat, wurden diese Songs immer weniger und weniger gespielt.
Es macht einfach Spaß da raus zu gehen, mit den Leuten zusammen eine gute Zeit zu haben, ein paar Bier zu trinken und diese Musik zu hören. Matt klingt so nah an Chuck, es ist unglaublich. Und weißt du, du fühlst dich als wäre es 1988 und du bist auf einem Old-School-Death-Konzert. Es ist eine gute Zeit.
Es ist einfach zeitlos. Ich denke, das gilt für alles was Chuck gemacht hat. Und Bands wie ihr beweist das. Letzte Frage: Da unser Magazin auf den Namen Moshpit Passion hört, fragen wir immer, ob es eine besondere Moshpit Passion-Geschichte gibt, die dir einfällt.
Oh wow, haha. Es gab eine Menge Moshpits, lass mich überlegen… Ich weiß noch, das erste mal, dass wir in Wacken mit Six Feet Under gespielt haben. Wir haben „TNT“ gespielt. Das gesamte Publikum hat „TNT“ mit uns gebrüllt. Das ist ein tolles Gefühl. Auch wenn es ein Coversong ist. Aber das gesamte Publikum ist Eins mit dir. Es gab… so viele Pits, ich kann mich nicht mal daran erinnern, aber das war auf jeden Fall ein super Gefühl.
Ich habe gerade vor kurzem Aufnahmen dieser Show gesehen und es sah völlig wahnsinnig aus. Wacken heutzutage ist cool und so weiter, aber damals scheint das ein ganz anderes Level gewesen zu sein.
Definitiv, ja. Ich wünschte, ich könnte dir spezifische Sachen erzählen, aber wenn ich auf der Bühne stehe, dann konzentriere ich mich nicht sehr aufs Publikum. Manchmal schnappe ich etwas auf und denke „Holy Shit! Die Leute spielen komplett verrückt.“
Oh warte mal, ich hab was, haha! Als wir in Chile mit Left to Die gespielt haben, letztes Jahr. Es war eine ausverkaufte Show und der Pit war verrückt. Jemand hatte eine Fackel und ist im Pit mit einer gezündeten Fackel herumgelaufen. [Hier schmiert leider die Verbindung kurz ab] … Das werde ich nie vergessen.
Das war alles von meiner Seite. Die letzten Worte gehören dir.
Ich möchte dir für das Interview danken und danke an alle Fans, Death-Fans, Death-Metal-Fans, Metal-Fans. Fans, die Left to Die gesehen habe und es genossen haben. Das weiß ich sehr zu schätzen. Die ganze Band tut das. Aber wer uns noch nicht gesehen hat: Kommt vorbei und habt eine gute Zeit.
Vielen Dank für das Interview, hab einen schönen Tag!
Danke dir!
Left to Die live in Europa
Seht hier die Tourdaten für Left to Die im August, mit Support der Dänen von Livløs.
31. Juli: Brasov, RO @ Rockstadt Extreme Festival
2. August: Kosice, SK @ Colosseum
3. August: Gdansk, PL @ Drizzly Grizzly
4. August: Krakow, PL @ Hype Park
5. August: Berlin, DE @ Frannz Club
6. August: Kortrijk, BE @ Alcatraz Festival
7. August: Osnabrück, DE @ Bastard Club
8. August: Jaromer, CZ @ Brutal Assault Festival
9. August: München, DE @ Backstage Halle (Free & Easy)
10. August: Aschaffenburg, DE @ Colos-Saal
11. August: Essen, DE @ Turock
12. August: Hamburg, DE @ Bahnhof Pauli
13. August: Eindhoven, NL @ Dynamo Metal Fest pre-party @ Dynamo
Mehr Infos
Bleibt auf dem Laufenden mit mehr Informationen mitten aus dem Moshpit auf diesen Kanälen:
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Bildnachweis: George Chalupa, Relapse Records.
