Mortem – „Mørketid“ (VÖ: 03.07.2026)
Mit „Mørketid“ legen die norwegischen Black-Metal-Veteranen Mortem ihr zweites Studioalbum vor und setzen die dunkle Tradition fort, die sie bereits 1989 mit dem legendären Demo „Slow Death“ begründet haben. Die Formation um Sänger Marius Vold, Keyboarder Steinar Sverd Johnsen, Schlagzeuger Hellhammer, Bassist Tor Stavenes und Gitarrist Astennu vereint Mitglieder und Weggefährten aus Arcturus, Thorns, Mayhem und 1349. Nach dem 2019 erschienenen Debüt „Ravnsvart“ und der späteren Neubearbeitung alter Demo-Stücke kehrt die Band nun mit einem Werk zurück, das die rohe Energie der Anfänge mit einer deutlich gereiften kompositorischen Tiefe verbindet.
Eine Ode an die Dunkelheit
Der Titel „Mørketid“ verweist auf die Polarnacht, jenen Zeitraum, in dem die Sonne im hohen Norden monatelang nicht über den Horizont steigt. Genau dieses Gefühl von andauernder Finsternis, psychischem und physischem Zusammenbruch durchzieht das gesamte Album. Die Texte schildern nicht nur das äußere Eintreten der Nacht, sondern einen Zustand der Existenz, in dem Zivilisation und menschliche Ordnung zu zerfallen drohen. Marius Vold bringt diese Atmosphäre mit seiner markanten, bösartigen Stimme eindrucksvoll zum Ausdruck und verleiht den Stücken eine unmittelbare Bedrohlichkeit.
Klangliche Intensität und kompositorische Vielfalt
Musikalisch bewegt sich „Mørketid“ zwischen brodelnden Midtempo-Riffs von monumentaler Wucht und plötzlich einschlagenden Hyperspeed-Passagen. Die Gitarrenarbeit von Astennu liefert schneidende, oft epische Melodielinien, während Hellhammers Schlagzeugspiel mit präziser Kraft und unermüdlicher Double-Bass-Arbeit für den unerbittlichen Vortrieb sorgt. Besonders prägend sind die Keyboard-Texturen von Sverd, die den Songs eine unheimliche, manchmal fast spielerisch-sinistere Dimension verleihen, ohne den Black-Metal-Kern jemals zu verwässern.
Das Album beginnt mit dem titelgebenden Track „Mørketid“, der nach einer dunklen Ambient-Introduktion mit voller Wucht losbricht und den Hörenden sofort in die kalte norwegische Nacht zieht. „Skyggeånd“ ragt als atmosphärischer Höhepunkt heraus. Der über sieben Minuten lange Song entfaltet sich in einem eher getragenen Tempo und baut eine dichte, beklemmende Stimmung auf, die von einem persönlichen Alptraum des Sängers inspiriert ist. Hier zeigt sich die Band von ihrer epischsten Seite und demonstriert, wie kraftvoll und zugleich detailreich sie inzwischen komponiert.
Weitere Stücke wie „The Mighty Odious“, „Blodvassen grunn“ und „Mørkets ormebol“ halten das hohe Niveau und wechseln nahtlos zwischen rasenden Ausbrüchen und schwerfälligen, bedrohlichen Passagen. „Aftermath“ und „Den sanne Gud“ sorgen für zusätzliche Dynamik, während das abschließende „Ditt ødes ære“ das Album auf würdige Weise beschließt. Die Produktion im Toproom Studio wirkt klar und durchsetzungsstark, ohne den organischen Charakter der Musik zu opfern. Alles sitzt an seinem Platz und entfaltet die nötige Wucht.
Cover & Tracklist
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- „Mørketid“
- „The Mighty Odious“
- „Skyggeånd“
- „Blodvassen grunn“
- „Aftermath“
- „Den sanne Gud“
- „Mørkets ormebol“
- „Ditt ødes ære“
Fazit
„Mørketid“ bestätigt, dass Mortem weit mehr sind als eine nostalgische Wiederbelebung. Die Band hat den Geist der frühen norwegischen Black-Metal-Ära bewahrt und gleichzeitig eine eigene, reife Handschrift entwickelt. Das Album verbindet unerbittliche Aggression mit atmosphärischer Tiefe und kompositorischer Sorgfalt. Für Fans des klassischen norwegischen Sounds sowie für Hörer, die Wert auf detailreiche und zugleich rohe Black-Metal-Werke legen, ist „Mørketid“ eine lohnenswerte Reise in die Finsternis.
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