Mit ihrem Debüt „Kids In A Ghost Town“ sind Nestor eingeschlagen wie eine Bombe. Jahrelang lag die Band auf Eis und bringt dann eine frische Scheibe heraus, die mehr nach 80er-Jahre nicht klingen kann. Kein Wunder, denn die Songs sind alle ursprünglich in dieser Zeit geschrieben worden. Mit „Teenage Rebel“ haben sie eindrucksvoll nachgelegt. Jetzt zeigt die schwedische Band mit ihrem neuen Live-Release, dass ihre Songs auch auf der Bühne allerbestens funktionieren.
Für mich sind Nestor einer der Newcomer der letzten Jahre. Ich habe sie selbst mehrmals live gesehen. Zum ersten Mal auf dem Rock Hard Festival und bei der nächsten Tour in Oberhausen. Jedes Mal haben Nestor den Saal bestens unterhalten. Nach nur zwei Alben ein Livealbum herauszubringen, ist mutig, aber keineswegs unnötig. Über weite Strecken vermittelt der Mitschnitt tatsächlich die Dynamik und Power, die Nestor auf der Bühne auszeichnen. Der Sound ist ausgesprochen klar und transparent, sämtliche Instrumente sind hervorragend ausbalanciert. Nestor sind erstklassige Musiker, da gibt es keine Zweifel.
Für mich ist ein Livealbum immer dann interessant, wenn man sich nicht stur daran hält, die Stücke 1:1 nachzuspielen. Eine kleine Änderung hier und da gibt einem Auftritt erst die richtige Würze. Ein hervorragendes Beispiel ist „Victorious“. Die Live-Version kommt mit einem veränderten Intro und Outro daher und wird von einem Chor tanzender Cheerleader begleitet, die Teile des Titels skandieren und immer wieder „All for one victorious“ anstimmen. Das verleiht dem ohnehin schon mitreißenden Song noch einmal eine zusätzliche Portion Energie.
Was ich nicht besonders gelungen finde, sind Fades am Ende der Songs. Das zerstört meiner Meinung nach die Atmosphäre. Schade eigentlich. Ohne Fades kommt das Video daher. Dieses hat aber einen anderen Makel. „Perfect 10“, „Last To Know“, „Caroline“ und „It Ain’t Me“ sucht man vergeblich. Warum macht man so etwas?
Mir persönlich hätte noch die Liveversion von Whitney Houstons „I Wanna Dance with Somebody“ gefallen. Bei dieser haben nämlich auf dem Rock Hard Festival auch die hartgesottensten Metalfans aus voller Kehle mitgesungen.
Nestor sind eine verdammt gute Band. Wer die Schweden bislang noch nicht live erleben konnte, bekommt mit diesem Album einen ziemlich guten Eindruck davon, was ihn bei einem Nestor-Konzert erwartet. „Live at Gothenburg Film Studios“ ist ein klasse Mitschnitt mit kleinen Makeln.
Tracklist
Intro
We Come Alive
Kids In A Ghost Town
Stone Cold Eyes
Perfect 10
The One That Got Away
Last To Know
Unchain My Heart
Signed In Blood
Victorious
Caroline
Firesign
On The Run
Teenage Rebel
1989
It Ain’t Me
