Nieten Schrotters Open Air 2026
Zwischen Kropp und Böklund – irgendwo im schleswig-holsteinischen Nirgendwo – findet jedes Jahr das eintägige Nieten Schrotters Open Air statt; auf die Beine gestellt vom 2006 gegründeten Nieten Schrotters HMFC Schleswig. Fünf Bands, Freibier, Camping und das für nur 30€. Ich war dieses Jahr zum ersten Mal auf dem beschaulichen, aber höchst sympathischen DIY-Festival (inklusive selbstgebauter Bühne) zugegen.
Iron Fist
Iron Fist sind für die Leipziger Thrash-Band Frenatron eingesprungen, die wegen einer Verletzung ihres Schlagzeugers absagen mussten. Die junge Hamburger Black-Thrash-Truppe hat sich in den letzten Jahren im norddeutschen Underground einen Namen gemacht und wird bald ihr erstes Album veröffentlichen.
Frontmann Joshua hätte eigentlich auch mit seiner Heavy-Metal-Band Manta auftreten sollen, die jedoch kurzfristig absagen musste, weswegen Iron Fist ein längeres Set gespielt haben. Dieses mag zwar geplagt von technischen Problemen gewesen sein, überzeugte aber mit gnadenlos ruppigem Geholze im rumpeligen Geiste früher Sodom. Passenderweise gab’s am Ende ein Cover von „Outbreak of Evil“ obendrauf.
Juke Cove
Nach kurzem Schauer und kollektivem Auf-die-Bühne-flüchten ging es dann mit deutlich weniger brachialem und temporeichen Kontrastprogramm weiter: Juke Cove aus Leipzig. Mir zuvor völlig unbekannt, hat mich das 2018 gegründete Trio mit ihrem gewaltig groovenden Stoner-Doom-Sound total abgeholt – wozu der eigene Aggregatszustand sicherlich beigetragen hat. Definitiv eine persönliche Neuentdeckung. Wie gut, dass die Band bereits drei Alben veröffentlicht hat, in die man sich reinstürzen kann.
Outburst
Outburst aus Flensburg sind Garanten für ansteckende Energie und pure Old-School-Thrash-Power. Mit präzisem Riffing, dass direkt der amerikanischen Westküste in den 80ern entsprungen sein könnte, und geradezu manischen Vocals, die man durchaus mit der Präsenz eines Paul Baloff vergleichen kann, sorgt die Truppe für reichlich Stimmung. Neben dem Schlusstrack „Taken by Fear“ ihrer Debut-EP „With a Vengeance“, konnte mich besonders der brandneue Song (Name vergessen!) ihres kommenden zweiten Albums abholen, der mit antifaschistischer Message und eingängigem Hammerriff punkten kann.
Armagh
Die Polen von Armagh scheinen Gefallen am hohen Norden gefunden zu haben, nachdem ich sie bereits vor zwei Jahren beim Rise of the Scum in Kiel erleben konnte. Im gefühlt endlosen Wust an modernen Heavy-Metal-Bands, schaffen es Armagh mit einem völlig eigenen Sound herauszustechen, der mitunter psychedelisch angehaucht, mitunter auch sehr Extreme-Metal-affin daherkommt. Dabei beweisen die Polen auch ein exzellentes Gespür für griffiges, erinnerungswürdiges Songwriting.
NOWAR
Zum Abschluss gab es dann mit NOWAR aus Kiel deftigen Hardcore auf die Ohren. Der Sound der Kieler versprüht starke 90er-Vibes und erinnert an Bands wie besonders Snapcase und vereint harte Grooves, emotionale Schwere und eine metallische Schlagseite, die auch teils stark an New-York-Hardcore-Bands wie Madball denken lässt, bloß ohne den Proll-Faktor.
Auch wenn zum Ende hin das Wetter nicht mehr ganz mitspielen wollte, ein würdiger Abschluss für ein sehr spaßiges Festival.
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Bildnachweis: Heiko Schütt.
