GWAR – „BEYOND HELL“ Re-Issue (VÖ: 25.09.2026)
GWAR und „Beyond Hell“ sind eine Kombination, bei der man schnell Gefahr läuft, sich von der Optik, dem grotesken Humor und dem gesamten Bühnenkosmos der Band ablenken zu lassen. Hinter den monströsen Kostümen und der bewusst überdrehten Inszenierung steckt jedoch ein Album, das musikalisch deutlich mehr zu bieten hat, als der erste Blick vermuten lässt.
Zum 20. Jubiläum kehrt „Beyond Hell“ nun als remasterte Deluxe Edition zurück. Das ursprünglich 2006 veröffentlichte Album erscheint erstmals auf Vinyl und erhält zusätzlich ein bislang unveröffentlichtes „Outro“ aus den damaligen Aufnahmesessions. Für das neue Mastering war Paul Logus verantwortlich. Produziert wurde das Album seinerzeit von Devin Townsend.
GWAR „Beyond Hell“ ist mehr als nur eine bizarre Metal Show
GWAR haben nie besonders viel Wert darauf gelegt, Erwartungen zu erfüllen. „Beyond Hell“ funktioniert trotzdem erstaunlich geschlossen. Das Album erzählt die Geschichte der Reise der Scumdogs in die Hölle und verbindet diese Handlung mit Thrash Metal, Heavy Metal, Punk Elementen und einer gehörigen Portion schwarzem Humor.
Die Geschichte ist natürlich völlig überzogen. Genau darin liegt aber ihre Stärke. GWAR spielen das Szenario nicht halbherzig herunter, sondern ziehen ihre eigene Welt konsequent durch. Die Musik unterstützt diese Erzählung, ohne permanent wie ein Soundtrack zu wirken.
Gerade dadurch besitzt „Beyond Hell“ einen eigenen Charakter. Die Songs stehen nicht völlig isoliert nebeneinander, sondern ergeben zusammen eine musikalische Reise. Das sorgt dafür, dass man das Album am besten komplett hört.
Die Musik steht diesmal deutlich stärker im Vordergrund
Wer GWAR ausschließlich mit ihrer Bühnenshow verbindet, dürfte von „Beyond Hell“ überrascht sein. Die Gitarrenarbeit ist präzise, die Drums treiben die Songs mit ordentlich Druck nach vorne und die Arrangements besitzen wesentlich mehr Struktur, als es das chaotische Konzept zunächst vermuten lässt.
„War Is All We Know“ eröffnet das Album mit ordentlich Nachdruck. Der Song macht schnell deutlich, dass hier keine reine Klamaukveranstaltung auf den Hörer wartet. Die Gitarren arbeiten mit schnellen Riffs und der Song entwickelt genau die Aggressivität, die man von GWAR erwartet.
Mit „Murderer’s Muse“ bleibt die Band auf diesem Kurs. Der Song wirkt rau und bissig und fügt sich gleichzeitig sauber in die Geschichte ein. „Go To Hell!“ treibt das Konzept anschließend noch weiter und bildet einen passenden Übergang in die eigentliche Unterwelt des Albums.
„Tormentor“ und „Eighth Lock“ gehören zu den Höhepunkten
„Tormentor“ zeigt besonders deutlich, welchen musikalischen Anspruch die Produktion besitzt. Die Gitarren wirken kompakt und gleichzeitig ausreichend differenziert. Devin Townsend war nicht nur als Produzent beteiligt, sondern steuerte auch Backing Vocals bei. Seine Beteiligung passt erstaunlich gut zu der wuchtigen Ausrichtung des Albums.
„Eighth Lock“ ist dagegen einer jener Songs, die sofort funktionieren. Das Stück besitzt markante Gitarrenarbeit, ordentlich Bewegung und genügend Wiedererkennungswert, um auch außerhalb des gesamten Albumkonzepts zu bestehen.
Dass gerade dieser Song für die Neuauflage besonders hervorgehoben wurde, ist nachvollziehbar. GWAR haben die remasterte Version gemeinsam mit dem lange verschollenen Musikvideo erneut ins Rampenlicht gerückt.
Zwischen Thrash Metal und absurdem Humor
GWAR waren schon immer dann besonders interessant, wenn die Musik den grotesken Humor nicht überdecken musste. „I Love The Pigs“ bringt diese Seite deutlich zum Vorschein. Der Song ist provokant, dreckig und bewusst überzogen, funktioniert aber gleichzeitig als Bestandteil des musikalischen Gesamtbildes.
„Destroyed“ geht anschließend wieder stärker in Richtung kompromissloser Metal. Hier steht weniger die Pointe im Vordergrund. Die Gitarrenarbeit und das Tempo übernehmen die Kontrolle und halten die Spannung innerhalb des Albums hoch.
„The Ultimate Bohab“ bringt anschließend wieder mehr von jener eigenwilligen GWAR Identität zurück, die zwischen Thrash Metal, schwarzem Humor und völliger Absurdität pendelt.
Das Finale mit „The One That Will Not Be Named“
„The One That Will Not Be Named“ führt die Geschichte ihrem Höhepunkt entgegen. Der Song arbeitet stärker mit unterschiedlichen Tempi und einer düsteren Grundstimmung. Aus dem anfänglichen Chaos entwickelt sich zunehmend ein kontrollierter musikalischer Angriff.
Gerade hier wird deutlich, dass „Beyond Hell“ nicht einfach eine Sammlung möglichst harter GWAR Songs ist. Die einzelnen Stücke erfüllen innerhalb des Albums unterschiedliche Funktionen. Dadurch bekommt das Konzept mehr Gewicht und das Album wirkt geschlossener.
„Back In Crack“ schlägt danach wieder einen etwas direkteren Weg ein. Die Gitarren stehen weit vorne und die Drums sorgen für ordentlich Bewegung. Gleichzeitig bleibt der typische GWAR Humor jederzeit präsent.
Das neue „Outro“ bringt einen besonderen Mehrwert
Die eigentliche Besonderheit der 20th Anniversary Edition ist das bislang unveröffentlichte „Outro“. Das Stück stammt aus den ursprünglichen Sessions und wurde erst für diese Jubiläumsausgabe zugänglich gemacht.
Für eine Neuauflage ist das deutlich interessanter als eine reine technische Überarbeitung. Ein neues Mastering kann ein bekanntes Album klanglich auffrischen. Ein bisher unbekannter Teil der damaligen Sessions bietet dagegen tatsächlich neues Material.
Besonders im Zusammenhang mit der historischen Besetzung bekommt dieser Zusatz eine zusätzliche Bedeutung. Das Album entstand mit Dave Brockie als Oderus Urungus und Cory Smoot als Flattus Maximus. Beide Musiker gehören zu einer GWAR Ära, die heute nicht mehr reproduzierbar ist.
Das Remaster bringt mehr Druck in „Beyond Hell“
Paul Logus hat dem Album ein neues Mastering verpasst. Die Neuauflage wirkt dadurch zeitgemäßer, ohne den Charakter der ursprünglichen Aufnahme komplett glattzubügeln. Gerade bei den Gitarren und im unteren Frequenzbereich profitiert das Material von einer klareren und druckvolleren Präsentation.
Dabei bleibt wichtig, was ein Remaster nicht leisten kann. Die grundlegende Produktion von „Beyond Hell“ wird dadurch nicht zu einer komplett neuen Aufnahme. Wer das Original seit 2006 kennt, wird die Songs wiedererkennen. Der Reiz liegt vielmehr darin, dass bekannte Passagen etwas direkter und aufgeräumter wirken.
Die Jubiläumsausgabe erscheint außerdem erstmals auf Vinyl. Die 180 Gramm Ausgabe kommt mit einem aufwendig gestalteten Klappcover, während die CD Version ebenfalls eine erweiterte Präsentation erhält.
Cover & Tracklist
![]()
- „Intro“
- „War Is All We Know“
- „Murderer’s Muse“
- „Go To Hell!“
- „I Love The Pigs“
- „Tormentor“
- „Eighth Lock“
- „Destroyed“
- „The Ultimate Bohab“
- „The One That Will Not Be Named“
- „Back In Crack“
- „Outro“
- „School’s Out“
Warum „Beyond Hell“ auch 20 Jahre später funktioniert
„Beyond Hell“ ist kein Album, das versucht, besonders seriös zu wirken. Das muss es auch nicht. Die Stärke liegt gerade darin, dass GWAR ihre absurde Geschichte mit musikalischer Konsequenz umsetzen.
Die Songs sind härter, strukturierter und handwerklich stärker, als es das groteske Erscheinungsbild der Band vermuten lässt. Gleichzeitig verlieren GWAR niemals den eigenen Charakter. Genau diese Verbindung macht das Album interessant.
Im Vergleich zu einer klassischen Thrash Metal Produktion bleibt „Beyond Hell“ natürlich eine sehr spezielle Angelegenheit. Wer mit dem Humor und der Ästhetik von GWAR nichts anfangen kann, wird auch durch das Remaster kaum bekehrt werden. Wer dagegen bereit ist, die Musik unabhängig von den Kostümen zu betrachten, bekommt ein überraschend geschlossenes Konzeptalbum.
Das Jubiläum macht deshalb durchaus Sinn. Hier wird nicht einfach ein alter Tonträger wieder auf den Markt geworfen. Das Album erhält ein neues Mastering, erscheint erstmals auf Vinyl und bekommt mit „Outro“ einen bisher unbekannten Bestandteil aus der ursprünglichen Entstehungsphase.
Fazit
GWAR „Beyond Hell“ zeigt auch zwei Jahrzehnte nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung, dass hinter dem ganzen Irrsinn eine verdammt gut eingespielte Metal Band steckt. Die Mischung aus Thrash Metal, bissigen Gitarren, treibenden Drums, absurdem Humor und einer konsequent erzählten Geschichte funktioniert erstaunlich gut.
Die 20th Anniversary Edition liefert dabei genau die zusätzlichen Argumente, die eine Neuauflage braucht. Das Remaster bringt mehr Druck und Klarheit, die erstmalige Vinyl Veröffentlichung macht das Album für Sammler interessant und das bislang unveröffentlichte „Outro“ erweitert die ursprüngliche Veröffentlichung tatsächlich um neues Material.
„Beyond Hell“ bleibt dabei ein Album, das seine Wirkung vor allem dann entfaltet, wenn man sich auf die komplette Reise einlässt. Zwischen Höllenfahrt, groteskem Humor und ordentlich Metal steckt deutlich mehr Substanz, als das monströse Erscheinungsbild von GWAR zunächst vermuten lässt.
Moshpit Passion auf YouTube, Instagram, TikTok und Facebook
Hat euch diese Album Review gefallen, dann folgt Moshpit Passion auch auf den sozialen Netzwerken. Dort findet ihr regelmäßig Album Reviews, Interviews, Konzertberichte, News und weitere Beiträge aus der Welt von Metal, Rock und Hardcore.
YouTube: Moshpit Passion auf YouTube
Instagram: Moshpit Passion auf Instagram
TikTok: Moshpit Passion auf TikTok
Facebook: Moshpit Passion auf Facebook
Bildnachweis: Presse.
