Der Freitag beim Reload Festival 2026 begann für uns mit einer Band, auf die wir tatsächlich ein Vierteljahrhundert gewartet hatten. Während die Sonne bereits am Vormittag gnadenlos auf das Festivalgelände in Sulingen brannte, stand mit Alien Ant Farm eine Band auf dem Programm, die für uns weit mehr war als nur ein weiterer Act im Line-up.
Spätestens am Abend sollte dann endgültig klar sein, warum der Freitag für viele Besucher der wohl mit größter Spannung erwartete Tag des gesamten Reload Festivals war. Judas Priest gaben ihr Debüt in Sulingen und sorgten damit für einen historischen Moment in der Festivalgeschichte. Der Veranstalter hatte die britischen Metal-Legenden erstmals für das Reload gewinnen können und insgesamt rund 20.000 Besucher zum Festival gelockt.
Doch bevor Rob Halford und seine Band die Mainstage übernahmen, sollte der Tag noch einige andere Höhepunkte bereithalten.
Alien Ant Farm: 25 Jahre Warten haben sich gelohnt
Für uns begann der Freitag mit Alien Ant Farm. Und schon bevor die ersten Töne erklangen, war klar, dass dieser Auftritt etwas Besonderes werden würde.
25 Jahre hatten wir darauf gewartet, diese Band endlich einmal live zu sehen. Eine verdammt lange Zeit, in der aus den Erinnerungen an die eigene Jugend längst Nostalgie geworden war. Umso größer war die Spannung, als Alien Ant Farm schließlich die Bühne betraten.
Und dann war es einfach nur noch großartig.
Mit Tränen in den Augen vor der Bühne zu stehen und plötzlich die Songs live zu hören, die einen so viele Jahre begleitet haben, lässt sich nur schwer beschreiben. Alien Ant Farm spielten sich durch ihre großen Hits und trafen damit genau den Nerv des Publikums.
Natürlich durfte auch „Smooth Criminal“ nicht fehlen. Der Song, mit dem die Band Anfang der 2000er weltweit bekannt wurde, sorgte erwartungsgemäß für einen der großen Mitsingmomente des frühen Festivaltages. Doch auch die übrigen Songs funktionierten hervorragend und machten deutlich, dass Alien Ant Farm weit mehr sind als eine reine Nostalgieband.
Für uns war dieser Auftritt jedenfalls ein ganz besonderer Moment. So gut haben wir Alien Ant Farm schon lange nicht mehr erlebt.
Auch andere Festivalberichte nahmen den Nostalgiefaktor wahr. Bei stagr wurden die bekannten Nu-Metal-Klänge und die vertrauten Hits als perfekter Einstieg in den Festivaltag beschrieben. Wir können diese Einschätzung nur unterschreiben, wobei der Auftritt für uns durch die persönliche Geschichte dahinter noch einmal eine ganz andere Bedeutung hatte.
Die Hitze zwingt zur Pause
Nach diesem emotionalen Start mussten wir allerdings erst einmal einen Gang zurückschalten. Das Wetter in Sulingen hatte sich bereits am Freitagvormittag zu einem echten Gegner entwickelt.
Die Temperaturen kletterten auf etwa 35 Grad im Schatten. Auf dem Festivalgelände fühlte sich die Hitze durch die direkte Sonne und den trockenen Boden noch einmal deutlich heftiger an. Wasserstellen und Duschen waren entsprechend beliebte Anlaufpunkte und auch die eingesetzten Wasserwerfer sorgten zumindest kurzfristig für etwas Abkühlung.
Der trockene Boden entwickelte sich gleichzeitig immer mehr zu einer Staubwüste. Sobald vor den Bühnen größere Menschenmengen in Bewegung kamen, hing der feine Staub wie ein Schleier über dem Gelände.
Für uns bedeutete das, dass wir nicht jede Band des Tages mitnehmen konnten. Irgendwann muss man bei solchen Temperaturen einfach vernünftig sein.
Unser nächster Weg führte deshalb erst später wieder zurück ins Infield.
Paleface Swiss verwandeln das Infield in einen Hexenkessel
Als wir wieder vor der Mainstage standen, waren Paleface Swiss an der Reihe. Und was die Schweizer dort veranstalteten, war schlicht unvorstellbar.
Paleface Swiss sind eine dieser Bands, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass auf der Bühne niemand einfach nur seinen Job erledigt. Die Musiker gingen mit einer unglaublichen Energie zur Sache und Sänger Marc „Zelli“ Zellweger erwies sich einmal mehr als absolute Rampensau.
Dabei waren die Bedingungen alles andere als einfach. Die Sonne brannte weiterhin vom Himmel und der Staub hatte sich längst über das komplette Gelände gelegt. Trotzdem ließ sich weder die Band noch das Publikum davon bremsen.
Im Gegenteil.
Ein Crowdsurfing-Massaker bei Paleface Swiss
Irgendwann forderte Zelli alle Besucher auf, die noch nie Crowdsurfing ausprobiert hatten, sich in die Menge zu werfen.
Was anschließend passierte, war kaum noch in Worte zu fassen.
Die Crowdsurfer nahmen einfach kein Ende mehr. Immer wieder wurden Menschen über die Köpfe der anderen Fans nach vorne getragen und von den Securities aus dem Graben gezogen. Kaum war einer sicher auf den Füßen, kam bereits der nächste.
Von unserer Position aus sah das teilweise gar nicht mehr wie normales Crowdsurfing aus. Es wirkte vielmehr wie ein riesiger Circlepit, bei dem die Menschen aus dem Graben wieder zurück in die Menge liefen, um sich unmittelbar erneut hochheben zu lassen.
Die Sicherheitskräfte hatten alle Hände voll zu tun.
Paleface Swiss selbst schienen von dieser Reaktion des Publikums eher noch zusätzlich angespornt zu werden. Die Schweizer gehören definitiv zu den Bands, die man live erlebt haben muss, um ihre Energie wirklich zu verstehen.
Auch andere Festivalberichte waren von dem Auftritt angetan. stagr bezeichnete Paleface Swiss als eine Art „Schweizer Bergmassiv im Wüstensand“ und betonte ebenfalls, wie gut die Band trotz der extremen Hitze beim Publikum ankam. Metalglory kam zu einer ähnlichen Einschätzung und merkte an, dass Paleface Swiss gerne noch einmal mit einem längeren Set nach Sulingen zurückkehren dürften.
Nach diesem Auftritt können wir dem nur zustimmen.
Wir sind uns ziemlich sicher, dass Paleface Swiss beim Reload nicht zum letzten Mal am späteren Abend gespielt haben. Wenn die Band schon am Nachmittag eine solche Eskalation auslösen kann, möchte man gar nicht wissen, was passiert, wenn sie irgendwann einen späteren Slot bekommt.
Thundermother bringen Rock ’n‘ Roll in die Hitze
Nach dem Abriss bei Paleface Swiss wurde es Zeit für etwas klassischen Rock ’n‘ Roll.
Thundermother standen auf dem Programm und brachten genau die richtige Portion Rock in diesen mittlerweile völlig aufgeheizten Festivaltag.
Die schwedische Band setzte dabei weniger auf brachiale Härte als auf eingängige Gitarren, treibende Rhythmen und jede Menge Spielfreude. Gerade nach den extremen Auftritten zuvor war dieser Wechsel eine angenehme Abwechslung.
Auch wenn die Temperaturen weiterhin brutal waren, gelang es Thundermother, das Publikum bei Laune zu halten. Die Band zeigte, dass ein Festivalprogramm nicht ausschließlich aus Moshpits und Breakdowns bestehen muss, um zu funktionieren.
Für uns waren Thundermother damit ein wichtiger Teil des Weges hin zu dem Auftritt, auf den an diesem Freitag eigentlich alle warteten.
Airbourne: Vollgas bis zum Anschlag
Mit Airbourne wurde es anschließend wieder deutlich lauter.
Die Australier gehören zu den Bands, bei denen man eigentlich nur zwei Möglichkeiten hat: Man lässt sich von der Energie mitreißen oder man versucht verzweifelt, irgendwie stillzustehen. Letzteres funktioniert bei Airbourne allerdings nur sehr schlecht.
Die Band gab vom ersten Moment an Vollgas.
Gitarren, Schweiß und Rock ’n‘ Roll bestimmten das Bild vor der Bühne. Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe wirbelte über die Bühne und vermittelte den Eindruck, als hätte ihm niemand erklärt, dass es an diesem Tag bereits heiß genug war.
Airbourne spielten ihren Hardrock mit einer solchen Intensität, dass man schon vom Zuschauen ins Schwitzen kam.
Und das will bei rund 35 Grad wirklich etwas heißen.
Die Band funktionierte dabei genau so, wie wir es uns erhofft hatten. Keine unnötigen Spielereien, sondern geradliniger Rock, große Gesten und jede Menge Energie.
Damit hatten Thundermother und Airbourne den Weg für den Höhepunkt des Abends bereitet.
Judas Priest: Die Metal-Legenden kommen nach Sulingen
Dann war es endlich soweit.
Judas Priest.
Allein die Tatsache, dass diese Band beim Reload Festival 2026 auf dem Spielplan stand, war etwas Besonderes. Judas Priest gehören zu den prägenden Bands der Metalgeschichte und betraten in Sulingen zum ersten Mal überhaupt die Reload-Bühne.
Der Veranstalter hatte den Auftritt bereits im Vorfeld als einen historischen Moment angekündigt. Und spätestens als sich die Mainstage immer weiter füllte, war klar, dass dieser Headliner für sehr viele Besucher der Hauptgrund für die Reise nach Sulingen war.
Für uns war es ebenfalls das große Highlight des Festivals.
Rob Halford beweist, warum er eine Metal-Ikone ist
Als Judas Priest schließlich die Bühne betraten, war die Stimmung sofort eine andere.
Und dann stand da Rob Halford.
Was dieser Mann an diesem Abend stimmlich ablieferte, war für uns schlicht unfassbar. Gerade bei einer Band mit einer derart langen Geschichte stellt man sich natürlich die Frage, wie viel Energie nach all den Jahrzehnten noch vorhanden ist.
Die Antwort bekamen wir an diesem Abend direkt vor der Mainstage.
Halford sang unglaublich stark und zeigte eine Power, die wir so vielleicht nicht mehr erwartet hätten. Die hohen Passagen saßen, die Stimme hatte Druck und auch die Bühnenpräsenz war beeindruckend.
Dazu kam eine Setlist, die kaum Wünsche offenließ.
Judas Priest spielten die großen Klassiker und sorgten damit für einen Hit nach dem anderen. Songs wie „Breaking the Law“, „Living After Midnight“ und natürlich „Painkiller“ gehören zu den Stücken, bei denen ein Festivalpublikum keine lange Anlaufzeit benötigt.
Der komplette Platz vor der Mainstage wurde zu einem riesigen Chor.
Ein Headliner, für den sich das Reload allein schon gelohnt hat
Auch andere Festivalberichte stellten Judas Priest klar in den Mittelpunkt des Freitags. Bei metal.de wurde bereits die Erwartung beschrieben, dass an diesem Tag praktisch alle vor der Mainstage zusammenkommen würden. Im Rückblick wurde der Auftritt entsprechend als eine der zentralen Attraktionen des Festivals behandelt.
Für uns war es noch mehr als das.
Wir hatten Judas Priest mit einer solchen Power einfach nicht mehr erwartet. Die Band zeigte, dass zwischen einer legendären Vergangenheit und einem starken Auftritt in der Gegenwart kein Widerspruch bestehen muss.
Vor allem Rob Halford überraschte uns. Seine Stimme war für uns eines der Highlights des gesamten Festivals.
Nach diesem Auftritt blieb eigentlich nur noch eine Frage:
Wie soll man das am Samstag noch toppen?
Unser Fazit zum Freitag beim Reload Festival 2026
Der Freitag beim Reload Festival 2026 war für uns ein Tag der Extreme.
Am Vormittag sorgten Alien Ant Farm für einen emotionalen Start. Nach 25 Jahren Wartezeit endlich vor dieser Bühne zu stehen und die alten Hits live zu hören, war einer dieser Momente, die man auf einem Festival nicht planen kann. Dass dabei sogar Tränen flossen, sagt eigentlich alles über die Bedeutung dieses Auftritts aus.
Danach zeigte das Wetter, dass ein Festival nicht nur musikalische Herausforderungen bereithält. Die Hitze mit Temperaturen um 35 Grad und der allgegenwärtige Staub verlangten den Besuchern einiges ab.
Paleface Swiss machten daraus trotzdem eine riesige Party. Die Schweizer lieferten einen der intensivsten Auftritte des Tages und sorgten mit Zellis Crowdsurfing-Aufforderung für einen regelrechten Ausnahmezustand vor der Bühne.
Thundermother und Airbourne brachten anschließend den Rock ’n‘ Roll zurück ins Spiel. Vor allem Airbourne zeigten eindrucksvoll, was es bedeutet, auf einer Festivalbühne wirklich Vollgas zu geben.
Und dann kam Judas Priest.
Unser Highlight des Jahres.
Die Metal-Legenden spielten mit einer Energie, die uns schlicht überwältigt hat. Rob Halford war stimmlich in einer Form, die wir so nicht erwartet hatten, und die Setlist bestand aus einem Klassiker nach dem anderen.
Für uns hat sich das Reload Festival 2026 allein schon wegen dieses Auftritts gelohnt.
Reload, das könnt ihr nicht mehr toppen.
