Reload Festival 2026: Der Samstag zwischen Vengaboys, Metal und dem großen Finale
Drei Tage Reload Festival können sich irgendwann durchaus bemerkbar machen. Die Beine werden schwerer, die Stimme klingt langsam etwas rauer und auch der Staub der vergangenen Tage hat sich inzwischen in wirklich jeder Falte der Kleidung festgesetzt. Trotzdem hieß es am Samstagmorgen noch einmal: Aufstehen, Festivalshirt anziehen und ab Richtung Infield.
Denn der dritte und letzte Festivaltag hatte noch einiges zu bieten. Mit Vengaboys, Kittie, Agnostic Front, Godsmack, Amorphis und In Flames warteten gleich mehrere sehr unterschiedliche Acts auf die Besucher. Der offizielle Zeitplan sah die Vengaboys bereits um 10 Uhr am Morgen vor, gefolgt von Dead Phoenix und weiteren Bands, bevor der Tag mit In Flames auf der Mainstage seinen Abschluss finden sollte.
Nach den extrem heißen ersten beiden Festivaltagen zeigte sich das Wetter am Samstag zunächst deutlich angenehmer. Die Temperaturen gingen zurück und später setzte sogar Regen ein. Für das staubige Gelände war das fast schon eine Erlösung, denn der Regen band zumindest einen Teil des allgegenwärtigen Staubs.
Doch bevor am Abend die letzten großen Metal-Riffs durch Sulingen hallten, begann dieser Festivaltag mit einem Auftritt, den wahrscheinlich niemand so richtig auf dem Zettel hatte.
Was macht man morgens um 10 Uhr auf einem Metalfestival?
Ganz einfach: Man schaut sich die Vengaboys an.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet eine Eurodance-Band am Samstagmorgen zum Pflichttermin eines Metal-Festivals werden würde? Genau das passierte beim Reload Festival 2026.
Bereits früh am Morgen strömten die Besucher Richtung Bühne. Und schnell war klar, dass wir mit unserer Idee nicht alleine waren. Gefühlt hatten sämtliche 20.000 Besucher denselben Gedanken. Vor der Bühne wurde es richtig voll und die Stimmung war schon zu einer Uhrzeit ausgelassen, zu der man normalerweise auf einem Festival noch mit dem ersten Kaffee beschäftigt ist.
Die Vengaboys selbst schienen von dieser Reaktion mindestens genauso überrascht zu sein wie wir. Statt müder Festivalbesucher erwartete sie ein bestens gelauntes Publikum, das sich völlig auf das ungewöhnliche Experiment einließ.
Die bekannten Eurodance-Hits funktionierten dabei erstaunlich gut. Zwischen Metal-Shirts, schwarzen Kutten und den ersten Festivaloutfits des Tages wurde getanzt, gesungen und gefeiert.
Auch andere Festivalberichte waren von diesem ungewöhnlichen Auftakt begeistert. Die Kreiszeitung bezeichnete die Vengaboys als Band, die wohl kaum jemand auf dem Reload-Festival erwartet hatte, die das Festival am Samstag aber im positiven Sinne „sprengte“. stagr sprach sogar von einem „Kaltstart-Fiebertraum“.
Damit hatten die Vengaboys bereits am frühen Morgen einen der kuriosesten Festivalmomente des gesamten Wochenendes geschaffen.
Dead Phoenix beweisen, dass sie den Contest verdient gewonnen haben
Direkt im Anschluss ging es musikalisch wieder deutlich härter zur Sache. Dead Phoenix, die Gewinner des Reload-Contests, bekamen die Gelegenheit, sich einem großen Festivalpublikum zu präsentieren.
Und die junge deutsche Metalcore-Band nutzte diese Chance.
Dead Phoenix wirkten keineswegs wie eine Band, die zum ersten Mal auf einer solchen Bühne steht. Stattdessen präsentierten sich die Musiker selbstbewusst und mit ordentlich Druck. Die Songs funktionierten live hervorragend und vor der Bühne war schnell Bewegung zu erkennen.
Gerade bei Contestgewinnern ist die Erwartungshaltung natürlich etwas anders. Man möchte schließlich wissen, ob die Band tatsächlich das Zeug dazu hat, sich gegen zahlreiche andere Bewerber durchzusetzen.
Unser Eindruck war eindeutig: Ja.
Dead Phoenix haben gezeigt, dass sie den Sieg absolut verdient haben. Die Band hat noch einen langen Weg vor sich, aber genau solche Auftritte sind der Moment, in dem man merkt, dass aus einem Nachwuchsact irgendwann eine größere Nummer werden kann.
Wir würden jedenfalls nicht darauf wetten, dass Dead Phoenix dauerhaft ein Geheimtipp bleiben.
Gaerea und Kittie sorgen für zwei völlig unterschiedliche Highlights
Im weiteren Verlauf des Tages standen für uns Gaerea und Kittie auf dem Programm. Beide Bands lieferten starke Auftritte, könnten musikalisch aber kaum unterschiedlicher sein.
Gaerea brachten ihre düstere und intensive Atmosphäre auf die Bühne. Die portugiesische Band setzte dabei auf eine deutlich dunklere Stimmung und eine Performance, die sich klar vom restlichen Festivalprogramm abhob.
Danach wurde es für uns persönlich allerdings noch interessanter.
Kittie.
Als bekennendes Nu-Metal-Kid war die kanadische Band natürlich ein Pflichttermin. Kittie gehören zu den Acts, die eine ganz eigene Geschichte mitbringen, und genau diese Mischung aus Alternative Metal, Nu Metal und aggressiven Gitarren funktionierte auf dem Reload hervorragend.
Beide Bands waren stark. Wenn wir uns allerdings entscheiden müssen, welcher Auftritt uns mehr mitgerissen hat, fällt die Antwort ziemlich eindeutig aus.
Kittie haben uns persönlich deutlich besser gefallen und vor allem live noch einmal wesentlich mehr abgerissen.
Auch stagr widmete Kittie einen eigenen Abschnitt seines Samstagberichts und hob den charakteristischen Nu-Metal-Sound der Kanadierinnen hervor.
Agnostic Front zeigen, dass Hardcore kein Alter kennt
Am Abend wurde es dann wieder Zeit für eine ordentliche Portion Hardcore.
Agnostic Front betraten die Plaza Stage und bewiesen einmal mehr, warum sie zu den wichtigsten Bands der New-York-Hardcore-Szene gehören.
Die Herren sind längst keine jungen Wilden mehr, aber davon war auf der Bühne kaum etwas zu spüren. Agnostic Front spielten ihren Hardcore mit der nötigen Härte und sorgten dafür, dass vor der Bühne wieder ordentlich Bewegung aufkam.
Gerade bei einer Band mit einer derart langen Geschichte ist es beeindruckend zu sehen, wie selbstverständlich die Songs auch Jahrzehnte später noch funktionieren.
Zum Abschluss hatten Agnostic Front dann noch eine kleine Überraschung parat. Mit „Blitzkrieg Bop“ spielten sie den bekannten Ramones-Klassiker und sorgten damit für einen besonders schönen Schlusspunkt ihres Auftritts.
Auch stagr beschreibt Agnostic Front als Hardcore-Legenden, die auf dem Reload Festival noch immer mit voller Energie unterwegs waren.
Godsmack liefern ein Drum-Battle der Extraklasse
Langsam ging es auf die Zielgerade des Festivals. Für uns standen nur noch drei Bands auf dem persönlichen Pflichtprogramm.
Die erste davon war Godsmack.
Und die Amerikaner ließen auf der Mainstage noch einmal richtig die Muskeln spielen.
Godsmack präsentierten einen starken Best-of-Auftritt und spielten unter anderem bekannte Songs wie „Awake“ und „Straight Out of Line“. Doch ein Moment blieb ganz besonders hängen: das Drum-Battle zwischen Sänger Sully Erna und Schlagzeuger Mike Mangini.
Dafür wurde kurzerhand ein zweites Schlagzeug auf der Bühne aufgebaut. Was anschließend folgte, war genau das Spektakel, das man sich von einem solchen Moment erhofft.
Zwei Drummer, zwei Sets und ein Publikum, das ziemlich schnell merkte, dass hier gerade etwas Besonderes passiert.
Auch metal.de stellte diesen Teil des Godsmack-Auftritts besonders heraus und bezeichnete die Show als ausgesprochen stark. Der Bericht hebt neben dem Best-of-Set ausdrücklich das Drum-Duell zwischen Erna und Mangini hervor.
Für uns war Godsmack damit ein weiterer Höhepunkt des letzten Festivaltages.
Amorphis überraschen uns komplett
Danach ging es für uns weiter zu Amorphis.
Und mit diesem Auftritt hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet.
Amorphis haben uns richtig umgehauen.
Die Finnen schafften es, eine völlig andere Atmosphäre aufzubauen. Zwischen melancholischen Melodien, härteren Passagen und den charakteristischen Songs der Band entstand eine Stimmung, die sich deutlich von den vorherigen Auftritten unterschied.
Besonders schön war die Mischung aus älteren Klassikern und neuerem Material. Songs wie „Black Winter Day“ und „House of Sleep“ sorgten für Wiedererkennung, während auch das aktuelle Album „Borderland“ seinen Platz im Set bekam.
Andere Berichte sahen den Auftritt etwas nüchterner und merkten an, dass Amorphis auf der Nebenbühne durchaus noch mehr Publikum hätten vertragen können. Gleichzeitig wurde die Band für ihren professionellen und atmosphärischen Auftritt gelobt.
Für uns persönlich spielte die Größe des Publikums dagegen keine große Rolle. Wir hatten richtig Spaß bei Amorphis und waren überrascht, wie sehr uns die Show mitgenommen hat.
In Flames beenden das Reload Festival 2026
Dann war es schließlich Zeit für den letzten großen Auftritt des Wochenendes.
In Flames.
Die Schweden waren als einer der Headliner für das Finale des Reload Festivals 2026 gesetzt und hatten damit die schwierige Aufgabe, ein komplettes Festivalwochenende abzuschließen.
Musikalisch gelang ihnen das auch.
Die Setlist hatte zahlreiche Highlights zu bieten. Mit „Colony“ startete die Band direkt mit einem Klassiker, später folgten unter anderem „Cloud Connected“, „Only for the Weak“, „The Quiet Place“, „The Chosen Pessimist“ und „Artifacts of the Black Rain“.
Gerade die älteren Songs sorgten noch einmal für ordentlich Bewegung im Publikum.
Auch Sänger Anders Fridén zeigte sich stimmlich in guter Form. metal.de hob insbesondere seinen Gesang und die gelungenen Screams hervor.
Bei der Bühnenshow waren wir dagegen etwas weniger begeistert. Die Produktion war durchaus groß und die LED-Wände, Lichttechnik und Stroboskope sorgten für eine beeindruckende Kulisse. Trotzdem hätten wir uns an manchen Stellen etwas mehr von der Show gewünscht.
Frontstage beschrieb die Lichtproduktion ebenfalls als wichtigen Bestandteil des Auftritts und hob insbesondere die große LED-Wand und die zahlreichen Lichtelemente hervor. Zum Ende gab es außerdem ein großes Feuerwerk.
Für uns änderte das jedoch nichts daran, dass In Flames einen sehr guten Abschluss ablieferten.
So gut haben wir die Schweden tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen.
Das große Finale mit Feuerwerk
Als die letzten Töne verklungen waren, ging über dem Festivalgelände noch einmal ein großes Feuerwerk in den Himmel.
Damit war das Reload Festival 2026 musikalisch Geschichte.
Nach drei intensiven Tagen voller Metal, Hardcore, Nu Metal, Deathcore, Rock und sogar Eurodance war es ein passender Abschluss für ein Festival, das sich auch in diesem Jahr nicht auf ein einziges Genre festlegen wollte.
Gerade diese Mischung macht für uns einen Teil des Reizes des Reload aus. Wo sonst kann man morgens zu den Vengaboys tanzen und wenige Stunden später zu Agnostic Front, Godsmack oder In Flames die Fäuste in die Luft strecken?
Unser Fazit zum Reload Festival 2026
Das Reload Festival 2026 war für uns wieder ein absolutes Wahnsinnserlebnis.
Die Hitze der ersten beiden Tage und der damit verbundene Staub haben dem Körper zwar einiges abverlangt, konnten die Stimmung aber nicht kaputtmachen. Am Samstag sorgte das etwas angenehmere Wetter schließlich sogar für eine kleine Verschnaufpause, bevor später Regen einsetzte.
Der letzte Tag hatte noch einmal einige Überraschungen parat. Die Vengaboys vor 20.000 Metal-Fans waren sicherlich einer der ungewöhnlichsten Momente des gesamten Festivals. Dead Phoenix haben anschließend gezeigt, dass sie ihren Contest-Sieg verdient haben und durchaus das Potenzial für größere Bühnen besitzen.
Gaerea lieferten düstere Intensität, während Kittie bei uns als persönlicher Favorit aus diesem Abschnitt des Tages hervorgingen. Agnostic Front bewiesen danach, dass Hardcore keine Frage des Alters ist.
Godsmack sorgten mit ihrem Drum-Battle für ein echtes Spektakel, bevor uns Amorphis musikalisch noch einmal richtig überraschten.
In Flames hatten schließlich die schwierige Aufgabe, das Festival zu beenden. Auch wenn wir uns von der Bühnenshow etwas mehr erwartet hätten, war der Auftritt musikalisch stark und ein würdiger Abschluss. Das anschließende Feuerwerk setzte den endgültigen Schlusspunkt.
Damit ging ein Reload-Festival zu Ende, das für uns wieder einmal gezeigt hat, warum wir so gerne nach Sulingen fahren.
Und natürlich stellt sich nach drei Tagen irgendwann die wichtigste Frage:
Kann das Reload Festival 2027 dieses Line-up überhaupt noch toppen?
Die ersten bestätigten Namen machen jedenfalls Hoffnung. Für 2027 wurden bereits unter anderem Heaven Shall Burn, Kanonenfieber, Electric Callboy, HammerFall und Children of Bodom angekündigt.
Wir sind also guter Dinge.
Reload Festival 2027, wir sehen uns!
