Cirith Ungol – All the Shadows (VÖ: 30.10.2026)
Mit einem neuen Album von Cirtih Ungol haben viele wohl nicht mehr gerechnet. Umso erfreulicher, dass die Underground-Legenden nach dem gewohnt starken „Dark Parade“ von 2023 doch nicht von der Bildfläche verschwinden. Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass nach Jim Barraza nun auch Gitarrenurgestein Greg Lindstrom ausgestiegen ist und Cirith Ungol damit jetzt zur Hälfte aus Night Demon-Mitgliedern besteht. Denn neben Bassist Jarvis Leatherby, der maßgeblich für die Wiederbelebung der Band im Jahre 2016 verantwortlich war, ist nun dessen Night Demon-Kollege Armand Anthony als fester Gitarrist mit im Boot. Am Sound ändert sich damit aber nichts maßgeblich. Schließlich sind mit der eigenwilligen Stimme von Tim Baker und dem prägnanten Schlagzeugspiel von Robert Garven zwei elementare Bestandteile des super charakteristischen Cirith Ungol-Sounds nach wie vor mit voller Power dabei.
Der Soundtrack zum Untergang
„All the Shadows“ klingt nach wie vor unverkennbar nach Cirith Ungol. Das macht bereits der knackige Titeltrack deutlich, der sich 100% stimmig in die moderne Ära der Epic-Metal-Legenden einreiht und mit einer Menge hartem, klassischen Heavy-Metal-Flair geradeaus nach vorne brettert. Das Alleinstellungsmerkmal schlechthin – und sicherlich ausschlaggebend dafür, ob man dieser Band irgendetwas abgewinnen kann – ist natürlich nach wie vor der kauzige, unnachahmliche Gesang Tim Bakers, der rein gar nichts von seinem Charakter und seinem puren Wahnsinn verloren hat. Fans dürfen sich hier sehr schnell sehr zuhause fühlen.
Das heavy stampfende „This Mortal Stain“ weiß die bandtypisch apokalyptische Stimmung, besonders mit seinem schleppenden, epischen Chorus, noch um einiges anzuheben. Nicht umsonst werden Cirith Ungol auch gerne als Vorreiter des Epic-Dooms gesehen. Noch finsterer und irrer wird es mit „Turning Blind“, welches mir Anfangs noch nicht so recht ins Ohr gehen will, im weiteren Songverlauf aber seine großen Qualitäten entwickelt, besonders auch durch die äußerst geschmackvolle Lead-Arbeit von Neu-Gitarrist Anthony. Auch das schleppende „Shallow Reflection“ überzeugt mit bockstarken Solo-Passagen des Night Demon-Klampfers.
So gut die Scheibe bis dahin ist: Das letzte Drittel ist, wo „All the Shadows“ seine allerstärksten Momente bereithält. Das epische „On Broken Wings“ zeigt Cirith Ungol von einer ganz anderen Seite und überrascht in den Strophen mit Akustikgitarren und gebrechlichem Klargesang, ehe man die episch-doomige Härte anzieht und in einem absolut glorreichen letzten Drittel gipfelt. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ein super dynamisches, packendes Epos und ein definitives Highlight im modernen Schaffen der Kalifornier.
So flott und groovend „Hollow Nimbus“ anfängt, offenbart sich die Nummer im weiteren Verlauf als Lehrstück in Sachen epischen wie hoffnungslos-apokalyptischen Doom Metals. Der Soundtrack zum Untergang. Den liefern wenige Bands so eindringlich wie Cirith Ungol. Und auch das abschließende finestere „Venus in Thirds“ wandelt auf den gleichen Pfaden.
Fazit
Auch mit veränderter Mannschaft und mit der geknackten 70 der Herren Garven und Baker, machen Cirith Ungol immer noch einiges her und setzen ihre Reihe an starken Alben nahtlos fort. Armand Anthony als neuer fester (und einziger) Gitarrist schlägt sich ausgesprochen gut und sorgt für einige fantastische Soloeinlagen. Das Album wirkt musikalisch etwas mehr vom klassischen Heavy Metal geprägt („Paradise Lost“ lässt grüßen), wodurch es sich merkbar – aber nicht zu sehr! – von den beiden Vorgängern abhebt.
Anthony zeichnete sich auf diesen bereits für die Produktion verantwortlich und nimmt diese Rolle auch hier wieder ein. Klang „Dark Parade“ im Vergleich zu „Forever Black“ schon merkbar klarer und druckvoller, hat er die Produktion für „All the Shadows“ noch ein kleines Stück verfeinert und einen hochwertigen, aber keineswegs zu sterilen Sound geschaffen. Die markante Rohheit der frühen Alben dürften manche aber vermissen.
Als uralte Heavy-Kapelle nach so langer Zeit zurückzukommen und konsistent starke Alben zu veröffentlichen, die locker in einer Reihe mit den Klassikern stehen können, ist wahrlich beachtlich und auch „All the Shadows“ ist ein würdiger Eintrag in die Diskographie der eigenwilligen Epic-Metaller. „Forever Black“ kann für mich zwar nicht getoppt werden, die neue Scheibe sollte aber die wenigsten enttäuschen.
Cover & Tracklist
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01 All The Shadows (3:45)
02 This Mortal Stain (5:42)
03 Turning Blind (4:45)
04 Shallow Reflection (6:16)
05 Empty Tomb (3:49)
06 On Broken Wings (7:18)
07 Hollow Nimbus (5:39)
08 Venus In Thirds (3:35)
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Bildnachweis: No Remorse Records.
+ Unverkennbar wie eh und je
+ Episches Highlight mit „On Broken Wings"
+ Starke Soli
- Moshcheck
