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    Royal Blood – Dead Company (VÖ: 06.11.2026)

    By KjoNovember 8, 2026

    Royal Blood – Dead Company (VÖ: 06.11.2026)

    Manchmal muss man offenbar erst einmal einen Gang zurückschalten, um anschließend wieder mit Vollgas durchstarten zu können. Genau diesen Eindruck hinterlassen Royal Blood mit ihrem fünften Studioalbum „Dead Company“. Nach den etwas verspielteren und stellenweise experimentelleren Ausflügen auf „Typhoons“ und „Back To The Water Below“ besinnen sich Mike Kerr und Ben Thatcher wieder auf das, was dieses britische Duo ursprünglich so unwiderstehlich gemacht hat: fette Riffs, ein Bass, der klingt wie eine komplette Gitarrenarmada, und ein Schlagzeug, das keinen Zweifel daran lässt, dass hier ordentlich abgeräumt werden soll.

    Schon die ersten Takte des Titelstücks machen deutlich, wohin die Reise geht. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird angegriffen. Der Sound ist rau, druckvoll und angenehm ungeschliffen. Royal Blood haben offensichtlich wieder richtig Lust auf ihre eigene Musik. Und das hört man. Wo sich die beiden auf den vergangenen Veröffentlichungen gelegentlich in unterschiedlichen musikalischen Spielereien verloren haben, regiert auf „Dead Company“ wieder der direkte Zugriff. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Briten plötzlich ihre gesamte Entwicklung der vergangenen Jahre über Bord werfen. Vielmehr verbinden sie die ungestüme Energie ihrer Anfangstage mit der Erfahrung aus mittlerweile fünf Studioalben. Das Ergebnis ist eine Platte, die sich ausgesprochen selbstbewusst präsentiert und von der ersten Minute an klarstellt, dass hier niemand um Erlaubnis fragt.

    Fette Riffs, mächtige Drums und jede Menge Rock’n’Roll

    Mit „Swallow The Bomb“ geht es anschließend ohne Verschnaufpause weiter. Der Song besitzt eine herrlich ungestüme Dynamik und entwickelt einen beinahe punkigen Vorwärtsdrang. Mike Kerr lässt seinen Bass ordentlich sägen, während Ben Thatcher hinter den Kesseln für den notwendigen Nachdruck sorgt. Gerade dieses Zusammenspiel ist und bleibt das große Pfund der Band. Was andere Formationen mit mehreren Gitarren und einer kompletten Rhythmusgruppe veranstalten, erledigen diese beiden Herren mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit. „Ten Over Ten“ setzt noch einen drauf. Hier treffen eine ordentliche Portion Desert Rock, ein rotziger Groove und ein wunderbar bissiges Riff aufeinander. Der Song besitzt genau jene Mischung aus Eingängigkeit und Aggressivität, die Royal Blood schon auf ihrem Debüt ausgezeichnet hat. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Band inzwischen genau weiß, wie sie ihre Stärken möglichst wirkungsvoll in Szene setzen kann. Und dann kommt „Mother Never Told You“…

    Mother Never Told You: Der Ohrwurm des Albums

    Es gibt Songs, die brauchen mehrere Durchläufe, um sich nachhaltig im Gehörgang festzusetzen. Und dann gibt es Stücke wie „Mother Never Told You“, die sich bereits beim ersten Hören ziemlich hartnäckig einnisten. Für mich ist dieser Song einer der ganz großen Trümpfe von „Dead Company“ und möglicherweise sogar der heimliche Hit der gesamten Platte.

    Das Ding hat einfach einen verdammt guten Lauf. Der treibende Rhythmus, das herrlich dreckige Riff und vor allem der ausgesprochen eingängige Refrain sorgen dafür, dass man unweigerlich mit dem Kopf mitgeht. Hier stimmt die Mischung aus Druck, Melodie und einer gesunden Portion Rotz. Mike Kerr klingt dabei angenehm bissig, während Thatcher den Song mit seinem kraftvollen Spiel immer weiter nach vorne treibt. Besonders schön ist, dass Royal Blood hier nicht versuchen, aus jedem musikalischen Einfall ein kompliziertes Konstrukt zu machen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf einen starken Song, der seine Wirkung aus wenigen, aber ausgesprochen effektiven Zutaten bezieht. Genau das ist die große Kunst dieser Band. „Mother Never Told You“ besitzt zudem dieses gewisse Etwas, das einen Song auch nach dem Ende der Platte noch begleitet. Man ertappt sich dabei, wie man den Refrain vor sich hin summt, obwohl man längst mit etwas anderem beschäftigt ist. Ein echter Ohrwurm eben. Und einer, der auf der kommenden Konzertreise für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgen dürfte.

    Zwischen Vollgas und etwas mehr Tiefgang

    Nach diesem kleinen Hit folgt mit „Nowhere All Along“ zunächst eine etwas andere Gangart. Die Band nimmt ein wenig Tempo heraus und lässt dem Song mehr Raum zur Entfaltung. Das steht der Platte durchaus gut, denn bei aller Begeisterung für die kompromisslose Ausrichtung wäre eine halbe Stunde Dauerbeschallung mit identischer Schlagseite auf Dauer etwas ermüdend.

    Auch „Ride“ schlägt eine etwas atmosphärischere Richtung ein, ohne dabei die nötige Durchschlagskraft vermissen zu lassen. Hier zeigt sich, dass Royal Blood durchaus in der Lage sind, innerhalb ihres überschaubaren musikalischen Koordinatensystems unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen. Der Song besitzt eine schöne Dynamik und entwickelt sich zu einem der interessanteren Momente der zweiten Albumhälfte. „Rear View Mirror“ setzt anschließend wieder stärker auf die bewährte Kombination aus tief gestimmtem Bass und druckvollem Schlagzeug. Das Zusammenspiel der beiden Musiker funktioniert einmal mehr hervorragend. Besonders Kerr beweist, dass sein Instrument längst nicht nur für das rhythmische Fundament zuständig ist. Mit seinen Effekten und seiner Spielweise entlockt er dem Bass Klangfarben, die man andernorts eher bei einer ausgewachsenen Gitarrenfraktion vermuten würde.

    Take Em All und Tapping Out: Royal Blood bleiben bissig

    Mit „Take Em All“ folgt ein weiterer Moment, in dem die Briten ihre Dynamik etwas variieren. Der Song wirkt offener und lässt den Instrumenten mehr Luft zum Atmen. Das ist durchaus willkommen und verhindert, dass „Dead Company“ zu einer einzigen, durchgehenden Riffwalze verkommt. „Tapping Out“ zieht anschließend wieder die Zügel an. Ein wuchtiger Groove, ein mächtiger Refrain und jede Menge Druck machen das Stück zu einem weiteren Kandidaten für die Livebühne. Royal Blood verstehen es hier ausgesprochen gut, einen Song so aufzubauen, dass er sich unmittelbar festsetzt. Allerdings muss man auch feststellen, dass sich manche musikalischen Ideen auf der Platte durchaus ähneln. Wer nach überraschenden Wendungen oder einer völlig neuen klanglichen Ausrichtung sucht, wird hier nicht unbedingt fündig.

    The Closer: Ein würdiger Abschluss

    Zum Schluss wartet mit „The Closer“ noch einmal ein besonders interessanter Beitrag. Der Song beginnt atmosphärischer und lässt zunächst vermuten, dass Royal Blood einen etwas anderen Weg einschlagen könnten. Doch anstatt sich in dieser Stimmung zu verlieren, entwickelt sich das Stück allmählich zu einem ausgedehnten, druckvollen Finale. Gerade hier wird deutlich, wie gut Kerr und Thatcher mittlerweile aufeinander eingespielt sind. Die beiden benötigen keine zusätzliche musikalische Unterstützung, um eine beeindruckende Klangwand aufzubauen. Der Bass bekommt Raum, das Schlagzeug treibt die Nummer voran und gemeinsam steigern sie sich in einen ausgedehnten instrumentalen Schlussteil. Ein gelungener Abschluss, der durchaus Lust auf mehr macht.

    Fazit: Dead Company ist die Rückbesinnung, die Royal Blood gebraucht haben

    Royal Blood machen auf „Dead Company“ vieles richtig. Die beiden Briten haben offenbar erkannt, dass sie nicht ständig versuchen müssen, ihren Sound neu zu erfinden. Manchmal reicht es völlig, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und diese mit der nötigen Überzeugung auszuspielen.

    Natürlich erfinden Mike Kerr und Ben Thatcher das Rad auch auf ihrem fünften Album nicht neu. Dafür ähneln sich manche Songs in ihrer Herangehensweise etwas zu sehr. Gerade in der zweiten Albumhälfte hätte hier und da ein zusätzlicher kreativer Einfall nicht geschadet. Auch die gelegentlich etwas überladene Produktion nimmt dem Gesang stellenweise ein wenig Raum. Das ändert allerdings wenig daran, dass „Dead Company“ eine ausgesprochen unterhaltsame und kraftvolle Rockplatte geworden ist. Die Riffs sitzen, die Drums drücken und die Songs besitzen wieder jene unmittelbare Energie, die Royal Blood einst so interessant gemacht hat. Besonders „Mother Never Told You“ bleibt als ausgesprochen hartnäckiger Ohrwurm im Gedächtnis und gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten. Wer die beiden auf ihren ersten Veröffentlichungen ins Herz geschlossen hat, dürfte mit dieser Scheibe jedenfalls seine Freude haben. Royal Blood klingen wieder bissiger, direkter und vor allem mitreißender. Ein kreativer Quantensprung ist „Dead Company“ sicherlich nicht geworden. Aber wer braucht den schon, wenn die Herren wieder derart überzeugend auf die Zwölf geben?

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    Bildnachweis: Pressebild.

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