AMON AMARTH – Der Allvater erwacht in Oberhausen
Wenn sich an Halloween die Tore nach Walhalla öffnen, darf es gerne etwas lauter, brachialer und spektakulärer werden. Genau das hatten sich Amon Amarth für ihre „The Allfather Awakens“-Tour vorgenommen. Gemeinsam mit den schwedischen Landsleuten Soilwork und Orbit Culture machte die Wikinger-Metal-Institution am 31. Oktober 2026 Halt in der Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen. Drei Bands, die für unterschiedliche Facetten des schwedischen Death Metal stehen, versprachen einen durchaus vielversprechenden Abend. Und tatsächlich sollte es musikalisch ordentlich etwas auf die Ohren geben. Amon Amarth lieferten eine überzeugende Show mit einer starken Songauswahl, imposantem Bühnenbild und jeder Menge Action. Ganz ohne kleine Schönheitsfehler blieb der Feldzug allerdings nicht.
Soilwork: Routiniert und mit ordentlich Druck
Den Auftakt des schwedischen Dreiergespanns übernahmen Soilwork. Die Melodic-Death-Metaller gehören längst zu den etablierten Größen ihres Genres und wissen entsprechend genau, wie man eine Halle auf Betriebstemperatur bringt. Ohne große Anlaufzeit ging es zur Sache. Die Band präsentierte sich spielfreudig, routiniert und mit einer gesunden Portion Energie.
Dabei wurde deutlich, dass Soilwork keineswegs nur als musikalischer Lückenfüller für den Headliner fungieren wollten. Die Mischung aus melodischen Gitarren, treibenden Rhythmen und den markanten Vocals sorgte für einen gelungenen Einstieg in den Abend. Auch wenn der begrenzte Spielraum eines Vorbandslots naturgemäß nicht alle Möglichkeiten eröffnet, hinterließen die Schweden einen guten Eindruck.
So richtig wollte der letzte Funke allerdings noch nicht überspringen. Die Performance war überzeugend, aber das gewisse Etwas, das einen Auftritt nachhaltig im Gedächtnis verankert, fehlte stellenweise. Trotzdem: Soilwork machten ihren Job ordentlich und übergaben eine gut aufgewärmte Arena an die nächste Band.
Orbit Culture: Die nächste schwedische Angriffswelle
Anschließend waren Orbit Culture an der Reihe. Die Band hat sich in den vergangenen Jahren mit ihrem modernen, druckvollen Sound eine stetig wachsende Anhängerschaft erspielt. Musikalisch bewegt sich das Quartett zwischen Melodic Death Metal, Groove Metal und modernen Metal-Einflüssen. Eine Kombination, die live durchaus ihre Wirkung entfalten kann.
Mit Songs wie „Redfog“, „Alienated“, „The Storm“ und „Strangler“ machten die Schweden schnell deutlich, dass sie nicht vorhatten, sich hinter den Kollegen von Soilwork zu verstecken. Der Sound war massiv, die Gitarren drückten ordentlich und die Band legte eine gute Bühnenpräsenz an den Tag. Auch „While We Serve“ und „Vultures of North“ sorgten für weitere Härtegrade im Set.
Vor der Bühne kam zunehmend Bewegung auf. Orbit Culture lieferten eine druckvolle Performance, die insbesondere durch ihre wuchtigen Riffs und die kompromisslose Ausrichtung überzeugte. Dennoch blieb auch hier das Gefühl, dass noch ein kleines Stück zur vollkommenen Begeisterung fehlte. Ein guter Auftritt, der Lust auf mehr machte, aber nicht in jeder Hinsicht restlos überzeugen konnte.
Amon Amarth: Der Allvater übernimmt das Kommando
Dann war es endlich so weit. Die Umbaupause war vorbei, die Spannung in der Arena stieg und mit Amon Amarth betrat der eigentliche Herrscher des Abends die Bühne. Die Schweden sind längst mehr als eine gewöhnliche Metalband. Ihre Konzerte sind Gesamtkunstwerke aus Musik, nordischer Mythologie, imposanter Optik und einer gehörigen Portion Wikinger-Pathos.
Die aktuelle Tour trägt den Namen „The Allfather Awakens“ und macht bereits mit ihrer Bühnenproduktion deutlich, wohin die Reise geht. Ein gewaltiges Bühnenbild, aufwendige Kulissen und zahlreiche visuelle Effekte bildeten den passenden Rahmen für den musikalischen Feldzug. Hier wurde definitiv nicht gekleckert, sondern geklotzt.
Mit „Gjallarhorn“ fiel der Startschuss. Ein passender Einstieg, schließlich stammt der Song vom aktuellen Album, das gleich mit fünf Titeln im Set vertreten war. Direkt im Anschluss legten Amon Amarth mit „War of the Gods“, „Death in Fire“ und „Free Will Sacrifice“ nach. Spätestens jetzt war klar, dass die Band an diesem Abend keine Gefangenen machen würde.
Die Setlist erwies sich insgesamt als ausgesprochen gelungen. Amon Amarth verstanden es, neues Material und bewährte Klassiker miteinander zu verbinden, ohne dass dabei ein unangenehmer Bruch entstand. Neben dem bereits erwähnten „Gjallarhorn“ fanden auch „The Allfather Awakes“, „Upphaf“ und „Eight Legs of Thunder“ ihren Platz im Programm. Gerade die fünf Songs des aktuellen Albums zeigten, dass die Band durchaus hinter ihrem neuen Material steht und dieses selbstbewusst in den Mittelpunkt rückt.
Gleichzeitig kamen die Anhänger älterer Veröffentlichungen keineswegs zu kurz. „Deceiver of the Gods“, „Hermod’s Ride to Hel“, „Guardians of Asgaard“ und „Shield Wall“ sorgten für reichlich Gelegenheit, die Nackenmuskulatur auf Betriebstemperatur zu bringen. Auch „One Thousand Burning Arrows“, „Raise Your Horns“ und „The Way of Vikings“ fügten sich hervorragend in den Spannungsbogen ein.
Ein besonderer Moment war zweifellos „Saxons and Vikings“. Hier wurde Biff Byford von Saxon per Videoeinspielung zugeschaltet und lieferte sich mit Johan Hegg ein virtuelles Gesangsduell. Eine nette Idee, die den ohnehin hohen Unterhaltungswert der Show noch einmal unterstrich.
Überhaupt war auf der Bühne jede Menge los. Die Band nutzte die gesamte Fläche, die Inszenierung bot immer wieder etwas fürs Auge und auch die Pyrotechnik durfte natürlich nicht fehlen. Amon Amarth wissen ganz genau, wie man eine große Arena bespielt. Das Bühnenbild war imposant, die Umsetzung durchdacht und die musikalische Darbietung ließ technisch keine Wünsche offen. Die Schweden präsentierten sich als bestens eingespielte Einheit, bei der jeder Handgriff saß.
Zwischen Perfektion und fehlendem Bauchgefühl
Und trotzdem gab es einen kleinen Wermutstropfen. So beeindruckend die gesamte Produktion auch war, wirkte das Geschehen auf der Bühne stellenweise ein wenig klinisch. Natürlich ist eine derart aufwendige Show bis ins Detail durchgeplant. Gerade bei einer Produktion dieser Größenordnung ist das auch absolut nachvollziehbar. Allerdings ging dadurch gelegentlich etwas von jener Unberechenbarkeit verloren, die ein wirklich mitreißendes Livekonzert ausmacht.
Manchmal hatte man den Eindruck, dass die perfekte Inszenierung ein wenig zu sehr im Vordergrund stand. Alles funktionierte, alles saß und musikalisch gab es ohnehin nichts auszusetzen. Aber ein bisschen mehr spontane Wildheit, ein paar unvorhersehbare Momente und etwas mehr Dreck im Getriebe hätten der Show durchaus gutgetan. Das ist allerdings Meckern auf einem ziemlich hohen Niveau, denn an der Qualität der Darbietung gab es ansonsten nichts zu rütteln.
Für den krönenden Abschluss sorgten schließlich „For Victory or Death“, „The Way of Vikings“, „Saxons and Vikings“ und als letzter großer Höhepunkt „Twilight of the Thunder God“. Gerade der finale Klassiker war noch einmal ein echtes Brett und ein würdiger Schlusspunkt unter einen insgesamt starken Auftritt.
Fazit: Ein überzeugender Feldzug mit kleinen Schönheitsfehlern
Amon Amarth lieferten in der Rudolf-Weber-Arena einen guten Konzertabend ab. Die Songauswahl war stark, die Mischung aus neuem Material und Klassikern funktionierte hervorragend und die musikalische Performance war über jeden Zweifel erhaben. Dazu kamen ein beeindruckendes Bühnenbild, viel Bewegung auf der Bühne und eine Produktion, die auch optisch einiges auffuhr.
Dass die Show zuweilen etwas klinisch wirkte, bleibt als kleiner Kritikpunkt bestehen. Hier wäre ein bisschen mehr Spontaneität durchaus wünschenswert gewesen. An der grundsätzlichen Qualität des Auftritts ändert das allerdings wenig.
Auch Soilwork und Orbit Culture lieferten gute Performances ab, ohne dabei vollends zu überzeugen. Beide Bands erwiesen sich als passende Begleiter für den schwedischen Headliner und machten das Paket zu einem gelungenen Gesamtangebot.
Unterm Strich stand in Oberhausen ein musikalisch überzeugender Halloween-Abend, bei dem Amon Amarth einmal mehr unter Beweis stellten, warum sie zu den ganz großen Namen des modernen Viking Metal gehören. Der Allvater ist erwacht – und auch wenn der Feldzug nicht an jeder Stelle überraschend verlief, war das Ergebnis durchaus sehenswert.
Skål!
