Anthrax – Cursum Perficio (VÖ: 18.09.2026)
Viele, viele Jahre mussten Fans auf ein neues Anthrax-Album warten. Nicht, dass die legendäre New Yorker Thrash-Crew für einen allzu regelmäßigen Output bekannt wäre, schließlich haben sie in den letzten 25 Jahren gerade mal vier neue Studioalben zustande gebracht. Aber gut Ding will Weile haben und tatsächlich hatte ich nach „For All Kings“ vor zehn(!) Jahren keinen einzigen Zweifel daran, dass Anthrax – wenn es denn irgendwann mal erscheint – eine weitere starke Scheibe herausbringen würden. Jetzt ist sie endlich da und so viel sei vorweggenommen: Die Enttäuschungen um „Cursum Perficio“ dürften sich doch stark in Grenzen halten, denn das kreative Feuer von Benante, Ian und Co. brennt nach wie vor weitaus heller als bei vielen alten Weggefährten.
Ambitioniert wie noch nie
Nach einem einminütigen Intro legt „The Long Goodbye“ überraschend gezügelt los. Die Nummer könnte auch von „Worship Music“ oder „For All Kings“ stammen, hält sich im Gegensatz zu deren Opening-Songs tempomäßig aber noch deutlich zurück und baut auf stampfendes Midtempo und einen hymnischen Refrain. All die Energie, die man hier eventuell noch vermissen kann, wird einem dann in „It’s for the Kids“ um die Ohren gehauen. Old-School und frisch zugleich mit einem bandtypischen, super derben Mosh-Part wie direkt aus „Among the Living“-Zeiten und einem großartigen Solo von Jonathan Donais, der auf diesem Album einige der besten Lead-Passagen vom Stapel lässt, die man von Anthrax je gehört hat. „Everbody’s Got a Plan“ hält Vibe und Energie mit Leichtigkeit aufrecht und lässt durchaus an die John Bush-Ära der Band denken.
Mit „The Edge of Perfection“ gehen Anthrax ganz neue Wege und sind im super atmosphärischen Intro gar kaum als Anthrax zu erkennen. So episch und ambitioniert wie in dieser Nummer hat man die Band noch nie erlebt und auch nach 45 Jahren Geschichte hat man musikalisch eindeutig noch eine Menge zu sagen. Alle Beteiligten agieren hier auf höchstem Niveau und schaffen einen der herausragendsten Songs der gesamten Diskographie.
„Infectious“ und „NYC 93″ können da im Vergleich nur verlieren und bilden die, zwar nicht unbedingt schwache, aber am wenigsten herausragende Phase des Albums. Wobei letzterer immerhin durch Energie und Spaß-Faktor zu überzeugen weiß. Als echtes Highlight kann sich das Stück aber nicht behaupten. Ganz anders sieht es da beim folgenden Titeltrack aus, der sich mit großem Hymnenfaktor, irre starkem Solo und einem fantastischen Joey Belladonna in die oberste Liga moderner Anthrax-Songs katapultiert. Das derbe groovende „T.O.M.B“ kann mit gutem Recht als einer der härtesten Anthrax-Song überhaupt durchgehen. Diese Angriffslaune wird in „Watch it Go“ fortgeführt, ist dabei jedoch bei weitem nicht so eingängig und wirkt trotz seiner Intensität und einiger starker Einzelteile etwas zerfasert. „My Victory“ geht dann zum Abschluss wieder weitaus geradliniger und hymnischer zu Werke und versprüht genau die positiven Vibes verbunden mit Thrash-Härte, die man von Anthrax erwarten kann.
Fazit
Anthrax erweisen sich erneut als eine der qualitativ verlässlichsten alten Thrash-Bands. „Cursum Perficio“ mag kein perfektes Album sein, macht aber eine Menge Spaß und zeigt die Band nach wie vor voller Ambitionen und Spielfreude. Die Songs haben eine perfekte Balance aus Vertrautem, Old-Schooligem und Frischem, Neuem, ohne sich irgendwelchen Trends anzubiedern. Das Songwriting-Team aus Charlie Benante, Scott Ian und Frank Bello hat keinen Deut weniger Feuer in sich als vor zehn oder vor vierzig Jahren und die Band zeigt sich mutiger als viele andere alte Thrash-Kapellen. Und noch dazu haben sie einen Sänger, der auch mit 65 noch eine absolute Top-Figur macht und Alles aus den Songs herausholt.
Zwar sehe ich – Stand Jetzt – „For All Kings“ als das insgesamt noch etwas stärkere Album an, doch können besonders „The Edge of Perfection“, „Cursum Perficio“, „T.O.M.B.“ und „Everbody’s Got a Plan“ als moderne Highlights für die Band durchgehen.
Cover & Tracklist
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01 Persistence of Memory (01:07)
02 The Long Goodbyes (05:34)
03 It’s for the Kids (04:20)
04 Everybody’s Got a Plan (04:36)
05 The Edge of Perfection (06:46)
06 Infectious (05:16)
07 NYC 93 (04:48)
08 Cursum Perficio (06:08)
09 T.O.M.B. (04:31)
10 Watch It Go (05:43)
11 My Victory (04:54)
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Bildnachweis: Nuclear Blast Records.
+ Endlich ein neues Album!
+ Rundum starke Performances
+ Experimentierfreude trifft Old-School-Sound
- Etwas schwankende Songqualität
- Moshcheck
