Joseph Tholl – „It Might Be Art“ (VÖ: 26.06.2026)
Wer Joseph Tholl bislang ausschließlich als Gitarristen aus dem Metal-Umfeld kennt, dürfte bei seinem zweiten Soloalbum zunächst überrascht sein. Der Schwede entfernt sich auf „It Might Be Art“ noch deutlicher von klassischen Heavy-Metal-Strukturen und präsentiert stattdessen ein Werk, das sich mühelos zwischen Melodic Rock, Dark Rock, Post Punk und klassischem Songwriting bewegt. Dabei verliert das Album niemals seine eigene Identität. Vielmehr zeigt Tholl eindrucksvoll, dass starke Songs wichtiger sind als jede stilistische Schublade.
Große Melodien treffen auf nordische Melancholie
Schon „New Dawn“ eröffnet das Album mit einer angenehm positiven Grundstimmung, ohne dabei in belanglosen Wohlfühlrock abzudriften. Die Melodien bleiben sofort im Ohr, während Joseph Tholl seine markante Stimme bewusst in den Mittelpunkt stellt. Sie transportiert Emotionen, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Mit „Oh The Madness“ und „I’m In A Darkness“ zieht anschließend deutlich mehr Melancholie ein. Gerade diese Mischung aus Eingängigkeit und unterschwelliger Schwere entwickelt einen besonderen Reiz. Die Songs wirken niemals überladen. Stattdessen erhalten die Arrangements genau den Raum, den sie benötigen. Gitarren, Piano und dezente Keyboardflächen ergänzen sich zu einem stimmigen Gesamtbild.
Abwechslungsreich ohne den roten Faden zu verlieren
Besonders überzeugend gelingt Joseph Tholl der Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit. Obwohl jedes Stück seinen eigenen Charakter besitzt, entsteht niemals der Eindruck einer beliebigen Songsammlung. „Invocation Of The Evening Star“ bringt wieder deutlich mehr Dynamik ins Spiel, während „Walking“ mit seiner ruhigen Atmosphäre und seinem gefühlvollen Gesang einen der emotionalsten Momente des Albums bildet. Auch der Titeltrack „It Might Be Art“ lebt weniger von spektakulären Effekten als von seiner dichten Stimmung. Anschließend sorgt „I Syrenens Tid“ für frischen Schwung, bevor „Rebirth“ und „On Velvet Waves“ den melodischen Charakter des Albums weiter ausbauen. Den Abschluss bildet „The Burial“, das die düstere Grundstimmung noch einmal eindrucksvoll aufgreift und das Album mit einer beinahe cineastischen Atmosphäre beendet.
Eigenständiges Songwriting statt kalkulierter Trends
Die größte Stärke von „It Might Be Art“ liegt im Songwriting. Joseph Tholl verzichtet vollständig auf moderne Effekthascherei oder künstliche Härte. Stattdessen setzt er auf starke Melodien, geschmackvolle Arrangements und einen organischen Bandsound. Die Produktion wirkt warm und lebendig, ohne den Liedern ihre Natürlichkeit zu nehmen. Nicht jede Idee entwickelt dieselbe Nachhaltigkeit wie die stärksten Stücke des Albums. Einige Passagen verlieren sich etwas zu sehr in ihrer Atmosphäre und verzichten bewusst auf den großen Höhepunkt. Insgesamt schadet dies dem Hörfluss jedoch kaum, weil die Kompositionen stets nachvollziehbar bleiben und ihre emotionale Wirkung entfalten.
Unter dem Strich gelingt Joseph Tholl ein Album, das sich bewusst von den Erwartungen vieler Metalfans löst und dennoch genügend Berührungspunkte für Hörer aus diesem Bereich bietet. „It Might Be Art“ überzeugt mit ehrlichem Songwriting, starken Melodien und einer Atmosphäre, die lange nach dem letzten Ton nachhallt. Gerade weil sich das Album keinem festen Genre unterordnet, entwickelt es seinen ganz eigenen Reiz.
Cover & Tracklist
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- „New Dawn“
- „Oh The Madness“
- „I’m In A Darkness“
- „Invocation Of The Evening Star“
- „Walking“
- „It Might Be Art“
- „I Syrenens Tid“
- „Rebirth“
- „On Velvet Waves“
- „The Burial“
Hinweis
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Bildnachweis: HighRoller Records.
