Kreator – „Krushers of the World“ (VÖ: 16.01.2026)
Kreator gehören zweifelsohne zu den größten, wichtigsten Metalbands Deutschlands. Nun ist mit „Krushers of the World“ das 16. Album der Ruhrpott-Thrash-Ikonen am Start und erneut dürften Mille und Co. für reichlich Polarisierungspotenzial unter Thrash-Fans sorgen. Dieser Genre-Schublade entziehen sich die Essener nämlich schon eine ganze Weile und wem die musikalische Entwicklung der letzten Alben bereits zuwider war, der dürfte sich auch an der neuen Scheibe die Zähne ausbeißen. Sicherlich sogar noch mehr als schon auf den Vorgängern.
Wem der „Pleasure to Kill“-Font auf dem Cover leichte Hoffnungen gemacht haben sollte, Kreator würden sich wieder mehr ihren brutalen, thrashigen Wurzeln annähern, muss bereits beim Opener kräftig schlucken. „Seven Serpents“ ist eine epische, hochmelodische Hymne, die abseits der Vocals weitaus mehr mit Power Metal und glattpoliertem Melodic Death Metal gemein hat, als mit dem Thrash-Sound der 80er. Die Entwicklung der letzten Jahre wird hier konsequent weitergeführt und verfeinert, wenn nicht sogar auf die Spitze getrieben. Und für sich genommen, ohne mieses A.I.-Musikvideo, dazu macht die Nummer sogar einiges her. In Mille steckt nach wie vor ein 1A-Riff- und Melodienschmied. Allein schon das Main-Riff hat es echt in sich und auf Samis geschmackvolle Solokünste ist eh immer Verlass.
Bewährtes, Überraschungen und jede Menge Pathos
„Satanic Anarchy“ verdient einen Award für den wohl kreatorigsten Kreator-Songtitel aller Kreator-Songs. Die Nummer verliert keine Zeit und brettert ziemlich brachial und aggressiv drauflos. Geht es dann aber in den Chorus, werden Melodie, Eingängigkeit und Mitsingbarkeit aber sowas von groß geschrieben. Wird nicht jedem schmecken und ist auch für moderne Kreator-Verhältnisse ziemlich dick aufgetragen, für mich geht der Kontrast aber gut auf.
Waren Kreator-Titeltracks seit „Violent Revolution“ stets eine sichere, alle Trademarks vereinende Bank, geht „Krushers of the World“ überraschende andere Wege und kommt mit so tief gestimmten Gitarren daher, wie man sie von Kreator noch nie gehört hat. Statt Uptempo-Gebolze wird man mit stampfenden Midtempo-Rhythmen plattgewalzt. Eine nette Abwechslung allemal, wenn auch vielleicht kein Überhit der Marke „Enemy of God“ oder „Phantom Antichrist“.
Auf Abwechslung scheint man tatsächlich einigen Wert gelegt zu haben. In „Tränenpalast“ teilt sich Mille das Mikro mit Britta Görtz (Hiraes), die sich in die Melo-Thrash-Nummer wunderbar einfügt. Anhand des Titels haben sich bei mir zugegebenermaßen leichte Hoffnungen in Richtung „Endorama“ (unterschätzt!) aufgetan, die im Mittelteil kurz sogar angeschnitten werden, aber eben auch nicht mehr als das. Solider Song, wenn auch mit einem etwas einfallslos wirkenden Refrain, woran sich „Barbarian“ leider anschließt. Immerhin kann die Nummer mit einem starken Mittelteil überzeugen. Auch „Blood of Our Blood“ trumpft mit tollen Leads auf, wenn nicht sogar mit dem coolsten Solo-Parts des ganzen Albums. Die Konkurrenz ist jedenfalls groß. Rifftechnisch klingt das Ding wie eine Kreuzung aus modernen Kreator und modernen Destruction und macht ordentlich Dampf.
Glattpolierter Mitgröhl-Metal
„Combatants“ rückt die Fahrtrichtung näher in den melodischen, hymnischen Heavy Metal, ehe „Psychotic Imperator“ und „Death Scream“ das Tempo wieder stark anziehen. Bei Ersterem macht sich – wie auch etwa bei „Barbarian“ – jedoch das Gefühl auf, man habe das alles bereits in ähnlicher bis sehr ähnlicher Form auf einem der letzten drei Alben gehört. Das brachiale „Death Scream“ weiß da wieder mehr zu überzeugen. Wenn man schon im Chorus lediglich den Songtitel wiederholt, dann bitte so!
„Loyal to the Grave“ bildet den hochmelodischen, Pathos-geschwängerten Abschluss des Albums und auch wenn Worte wie „Anbiederung“ hier wirklich nicht weit hergeholt scheinen, sind Kreator hier vor allem eines: konsequent. Das ist glattpolierter Mitgröhl-Metal für die Massen, aber ganz ehrlich? Den muss man auch erstmal hinbekommen, und in meinen Augen schaffen Kreator das hier, und zwar mit Bravour. Will man das von ihnen hören? Da scheiden sich selbstverständlich die Geister.
Auch die Produktion von Jens Bogren (schläft der Herr eigentlich auch mal?) spielt da natürlich massiv mit rein. Die Ecken und Kanten, die einst noch ein „Hordes of Chaos“ hatte, sind gänzlich abgeschliffen und zehnfach nachpoliert. Das Album ist soundtechnisch auf den höchstmöglichen Bombast und auf absolute Perfektion getrimmt. Ob am Drumsound überhaupt noch irgendetwas echt ist? Es darf angezweifelt werden. Der entfachten Energie tut das aber immerhin keinen Abbruch. Dafür können die Riffs schon sorgen.
Fazit
„Krushers of the World“ ist eine schwierige Angelegenheit. Ich bin am Ende jedoch selber überrascht, wie sehr mir die Scheibe gefällt. Tatsächlich bin ich hier sogar weit mehr an Bord als noch bei „Hate Über Alles“, was bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Zwar hat auch „Krushers of the World“, besonders in der tendenziell thrashigeren Mitte des Albums, doch den ein oder anderen Déjà-vu-Moment und Versatzstücke, die etwas zu vertraut erscheinen, doch kann mich das Album gut bei der Stange halten und fährt eine ordentliche Abwechslung auf. Der Spagat aus Krawall und maximaler Eingängigkeit gelingt und besonders die super melodischen Momente wirken nochmals ausgereifter. Sowieso ist die Gitarrenarbeit durchweg eine echte Bank.
Kreator spielen unlängst in ihrer eigenen Liga, fernab von einstigen Genre-Konventionen, und fühlen sich in dieser Rolle spürbar wohl. Ob man Stücke der Marke „Loyal to the Grave“ und „Satanic Anarchy“ tolerieren kann, muss jeder selbst beurteilen. „Death Scream“ und „Blood of Our Blood“ sollten da immerhin versöhnlicher stimmen. Für mich funktionieren alle vier.
Zwar bevorzuge ich persönlich die Kreator aus „Enemy of God“-Zeiten oder natürlich der glorreichen 80er, doch hat man mit „Krushers of the World“ das für mich tendenziell stärkste, weil auch konsequenteste Album dieser modernen Melo-Power-Thrash-Phase geschaffen. Es gibt hier Licht und Schatten, dennoch siegt für mich eindeutig der positive Eindruck.
Cover & Tracklist
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01 Seven Serpents (4:40)
02 Satanic Anarchy (3:33)
03 Krushers of the World (4:20)
04 Tränenpalast (4:43)
05 Barbarian (4:40)
06 Blood of Our Blood (4:31)
07 Combatants (4:01)
08 Psychotic Imperator (5:05)
09 Deathscream (3:52)
10 Loyal to the Grave (4:58)
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Bildnachweis: Nuclear Blast Records.
+ Fantastische Gitarrenarbeit
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