Kreator – “London Apocalypticon” (VÖ: 14.02.2020)

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Kreator – “London Apocalypticon (Live at the Roundhouse)” (VÖ: 14.02.2020)

In Sachen Livemitschnitten ist die deutsche Thrash-Legende Kreator in den letzten 20 Jahren nicht geizig gewesen. Gibt es aus der Frühphase der Band mit dem Livedokument “Live in East Berlin” lediglich eine offizielle Aufzeichnung aus dem Jahr 1990, war es danach erst einmal sehr still, was dieses Format betrifft. Erst im Jahr 2003 erschien mit dem (mittlerweile indizierten) “Live Kreation” ein neues Live Album. Dieses erschien mit Aufnahmen der Tour zu “Violent Revolution”.
Seitdem kamen immer wieder, mehr oder weniger, offizielle Live Tonträger von Kreator auf den Markt, sei es direkt über die Band bzw. Label oder aber über exklusive Heftbeilagen in Rock Hard oder Metal Hammer, welche aufgrund ihrer hohen Qualität mittlerweile sogar den Weg auf teilweise sündhaft teure Vinylversionen geschafft haben.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich Kreator auf der Tour zu “Gods of Violence” erneut dazu entschloss, ein bzw. mehrere Konzerte der extrem erfolgreichen Gastspielreise mitzuschneiden.

Als Austragungsort wurde (nicht ganz zufällig) das altehrwürdige Londoner Roundhouse gewählt, ein alter Lokschuppen aus dem 19. Jahrhundert, welcher im Jahr 2006 zu einer modernen Kultur- und Mehrzweckhalle modernisiert wurde und vor Atmosphäre nur so strotzt. Zudem war es das Abschlusskonzert der über 150 Shows umfassenden Welttournee. Was hätte man sich also besseres aussuchen können?
Die ganze Pracht dieses Events wird auf der ebenfalls erhältlichen BluRay bzw. DVD ersichtlich, zu der uns KJO in einem Youtube Video seine Einschätzung gibt. Dieses Video könnt ihr Euch HIER ansehen.

Bevor ich mich an meine Einschätzung zu der Audioversion des Live-Albums mache, könnt Ihr Euch erstmal ein Bild von dem Auftritt machen!

Kreator – Live oder doch eher Studio?

Seit jeher stellt sich der Hörer die Frage: “Ist das wirklich alles Live?”. Und diese Frage kommt nicht von ungefähr. Nicht wenige Alben aus der Metalhistorie kann man nur mit zwei zugedrückten Augen wirklich als Live Album durchgehen lassen. Ich denke, Beispiele kann ich mir an dieser Stelle sparen. Jeder der sich halbwegs in unserer Musikrichtung auskennt, weiß was ich meine.

Kommen wir also zuerst zu der Frage, wie “Live” ist “Live at the Roundhouse” denn nun?

Die Antwort ist nach mehrmaligem Hören recht eindeutig. Sehr!

Natürlich wurde auch hier, mit Sicherheit, das ein oder andere im Studio ausgebessert. Allerdings ist es erfrischend zu hören, dass z.B. der Gesang nicht immer zu hundert Prozent perfekt klingt und auch kleinere Verspieler nicht retuschiert, sondern so belassen wurden, wie sie nun mal passiert sind. Auch ein Sami haut mal den ein oder anderen Ton ins Mett. Und wisst Ihr was? Genau das will ich hören. Auch unsere Idole sind nicht perfekt. Es zeigt die Menschlichkeit in jedem von uns. Wo gearbeitet (in dem Fall gespielt) wird, passieren Fehler. Für mich als Musiker ist das sehr schön zu sehen und zu hören. Es beweist aber letztlich das, was ich eh weiß. Auf der Bühne regiert dich das Adrenalin und da ist es furchtbar egal, wie gut du bist.

Das klingt jetzt natürlich erstmal so, als wäre das Album durchzogen von Spielfehlern, was selbstverständlich nicht der Fall ist. Die Darbietung ist nahezu perfekt. Und trotzdem freue ich mich, dass es im Studio nicht tot perfektioniert wurde. So gehört sich das auf einem Live-Album. Großartig !!!

Die gespielte Setlist hat ihren Fokus natürlich auf dem letzten Album “Gods of Violence”. Davon abgesehen wurden viele ältere Alben mit je einem Song bedacht. Ein wenig verwunderlich ist hingegen das Fehlen einer Nummer von “Extreme Aggressions”. Das kann ich persönlich nicht ganz nachvollziehen. Aber gut, es gab sicher Gründe dafür.

Der Sound

Der Sound ist im oberen Bereich der Liveaufnahmen anzusiedeln. Alle Parts haben Luft, es klingt nichts vermatscht oder undifferenziert. Hier wurde ganze Arbeit geleistet. Meine Einschätzung bezieht sich hierbei auf die Vinyl Ausgabe, die KJO ebenfalls in einem VIDEO vorgestellt hat.

Fazit

Für Kreator Maniacs ist “London Apocalypticon (Live at the Roundhouse)” natürlich absolute Pflicht. Aber auch Neueinsteiger bekommen einen brauchbaren Rundumblick über das Schaffen der Altenessener Veteranen.
Mir persönlich fehlen Songs von “Extreme Aggressions”. Sachen von “Terrible Certainty”, “Renewal” und “Cause for Conflict” werden schon ewig kaum bis gar nicht mehr live gespielt…akzeptiert.
“Endorama” kann ich noch nachvollziehen, das passt wirklich nicht ins Programm.
Aber Leute ganz ehrlich…“Extreme Aggression” oder “Betrayer” gehören in jedes Liveset von Kreator, wie zum Beispiel “Ace of Spades” in jedes Motörhead Set.

Die kommende Tour

Ab Ende März gehts wieder auf Tour mit Lamb of God und Power Trip. Alles Wissenswerte dazu findet Ihr in unserem Newsbeitrag unter diesem LINK

Tracklist

Choir Of The Damned
Enemy Of God
Hail To The Hordes
Awakening Of The Gods
People Of The Lie
Gods Of Violence
Satan Is Real
Mars Mantra
Phantom Antichrist
Fallen Brother
Flag Of Hate
Phobia
Hordes Of Chaos
The Patriarch
Violent Revolution
Pleasure To Kill
Apocalypticon

Bildnachweis: Nulcear Blast.