Six Feet Under – „Next to Die“ (VÖ: 24.04.2026)
Was ist denn da los? Haben Chris Barnes & Co. doch tatsächlich mal wieder ein taugliches Album zustande gebracht? Ganz genau so sieht es aus! „Killing for Revenge“ konnte 2024 zwar auch bereits einige Fans zufrieden stimmen, war für mich persönlich aber lediglich ein wenig bemerkenswerter, okayer Schritt in die richtige Richtung. Nach der sagenhaft schlechten Vollgurke „Nightmares of the Decomposed“ immerhin eine kleine Schadensregulierung, von einem großen Wurf aber weit entfernt.
Nun gehörten Six Feet Under wahrlich noch nie zu den qualitativ herausragendsten oder verlässlichsten Truppen im Death Metal, im besten Fall kam aber simples, leicht verdauliches und launiges Gebolze dabei heraus. Und glücklicherweise bekommt man genau das auf „Next to Die“. Und das kann sich doch wirklich hören lassen.
Jawoll, geht doch!
Das Album behält die vermehrt temporeiche Ausrichtung des Vorgängers bei, setzt aber auch auf eine gesunde Mischung mit dem Groove-betonten Sound, den die Band einst auszeichnete. So bekommt man ein, für Six Feet Under-Verhältnisse, doch recht abwechslungsreiches Album, das nach dem billigen, drucklosen Sound der beiden Vorgänger auch produktionstechnisch wieder einiges hermacht. Das Album klingt roh und ungeschliffen, und – Mark Lewis sei Dank – gleichzeitig wieder weitaus deftiger als zuletzt. Besonders der natürliche, old-schoolige Drum-Sound weiß zu gefallen. Das Album hat, auch durch das ansehnliche Artwork, einen gewissen Underground-Charme.
Letztendlich steht und fällt ein Six Feet Under-Album vor allem aber mit der Vocal-Performance vom Chef persönlich. Und tatsächlich liefert der einstige Cannibal Corpse-Frontmann hier, für meinen Geschmack, seine beste Leistung seit langer Zeit ab. Kein Rottweiler mit Lungenentzündung und Timingproblemen mehr, sondern gruftiges, röchelndes Growling mit Präsenz und Charakter.
„Approach Your Grave“ eröffnet das Album schleppend und baut sich zu einer derbe groovenden Nummer auf, die den Geist früher Alben atmet. Auch „Skin Coffins“ und der Titeltrack, die starke Obituary-Vibes haben, machen in dieser Richtung einiges her. Doch auch mit durchgetretenem Gaspedal schüttelt sich Jack Owen einige derbe Kracher aus den Ärmeln. „Destroyed Remains“, „Mutilated Corpse in the Woods“ und „Unmistakable Smell of Death“ sorgen für kurzweiligen, brutalen Spaß mit simplen wie effektiven Tremolo-Riffs und dynamischem Auf-die-Zwölf-Drumming.
„Mister Blood and Guts“ ist in etwa so albern, wie es der Titel vermuten lässt, hat aber ungeheuren trashigen Charme und die wohl beste Vocal-Performance des Albums. Als stärkste Songs des Album stechen für mich „Wrath and Terror Takes Command“ und „Naked and Dismembered“ heraus, die mit coolem Riffing und dynamischem Songwriting überzeugen. Mit „Ill Wishes“ geht man am Ende tatsächlich nochmal ganz unerwartete – man möchte gar sagen: experimentelle(!) – Wege und schiebt den Fokus voll auf eine unheilvolle Atmosphäre. Lässt vielleicht etwas Potenzial liegen, funktioniert aber erstaunlich gut.
Lediglich „Mind Hell“ und „Grasped from Beyond“ sind zwar nicht per se schlecht (immerhin!), wirken aber einfach wie bereits dagewesen und dadurch ziemlich überflüssig. Ohne die beiden wäre das Ganze eine noch rundere Angelegenheit. Mit ihnen tut’s aber auch nicht weh.
Fazit
Als jemand, der immer einen Soft-Spot für diese Band und ihren simplen, eingängigen Death-Metal-Sound hatte, bin ich nach einer frustrierenden Durststrecke endlich wieder erfreulich angetan von einem neuen Six Feet Under-Album. „Next to Die“ ist kein Meisterwerk, keine Frage. Es ist einfach ein handwerklich, produktionstechnisch und gesanglich endlich wieder vernünftiges, solides Stück Death Metal, mit dem ich eine Menge Spaß habe. Manchmal reicht das.
Der qualitative Aufwärtstrend ist zum Glück nicht bereits wieder zum Erliegen gekommen, sondern man hat nochmal einige merkbare Schippen draufgelegt und das beste Album seit über 10 Jahren abgeliefert. Die Messlatte lag auch fairerweise tief begraben, doch kann „Next to Die“ die letzten Werke weit hinter sich lassen und überzeugt mit solidem, ehrlichen Death Metal ohne allzu große Ausfälle.
Cover & Tracklist
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01 Approach Your Grave (4:54)
02 Destroyed Remains (5:01)
03 Mister Blood and Guts (2:42)
04 Mutilated Corpse in the Woods (3:35)
05 Unmistakable Smell of Death (3:39)
06 Wrath and Terror Takes Command (4:39)
07 Skin Coffins (3:32)
08 Mind Hell (2:49)
09 Naked and Dismembered (3:06)
10 Grasped from Beyond (4:16)
11 Next to Die (3:25)
12 Ill Wishes (4:26)
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Bildnachweis: Metal Blade Records.
+ Anständige, rohe Produktion
+ Beste Vocal-Performance seit langer Zeit
+ Kurzweiliger, eingängiger Death-Metal-Spaß
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- Moshcheck
