Soulburn – „Quantifying Cosmic Doom“ (VÖ: 12.06.2026)
Einst aus der Asche von Asphyx hervorgegangen, ließen sich Soulburn Ende der 90er noch als schwarzmetallisch angehauchter Nachfolger der niederländischen Death-Doom-Legenden beschreiben. Anno 2026 und mit Album Nr. 5 sieht das ganz, ganz anders aus, denn die Parallelen zu Eric Daniels‘ frühen Asphyx-Tagen sind auf „Quantifying Cosmic Doom“ kaum noch auszumachen.
Soulburn haben ein ambitioniertes und forderndes Album geschaffen, dass wohlmöglich einige Fans vor den Kopf stoßen dürfte. Besonders wenn man – wie ich – zuvor lediglich mit dem Debutalbum „Feeding the Angels“ vertraut war, ist „Quantifying Cosmic Doom“ wirklich eine höchst überraschende Angelegenheit.
Die Holländer auf Abwegen
Der Black-Metal-Einschlag ist immer noch omnipräsent, was bereits in den ersten Sekunden des Openers „The Braveheart Of Nightmares“ klar wird, der mit Blast- und Tremolo-Wänden ein kaltes, düsteres Soundbild erzeugt. Nach einer Minute zeigen sich Soulburn dann aber von einer anderen Seite, die hier noch einen großen Platz einnehmen wird. „Quantifying Cosmic Doom“ wandelt nämlich zwischen Black Metal auf der einen, und stimmungsvollem, eindringlichen Doom Metal auf der anderen Seite. Dabei werden die derben Screams von Frontmann Twan van Geel auch gerne mal komplett beiseite gelegt und emotionalem, theatralischen Klargesang gewichen.
Der Old-School-Death- und Black-Metal, den Soulburn einst zelebrierten, findet hier nicht mehr wirklich statt. Derbe wird es sicherlich. Allerdings auch viel experimenteller, facettenreicher und melodischer. Und besonders in der zweiten Albumhälfte, eingeleitet durch „M87 – What Hopes To Be Born?“, nehmen van Geels Clean-Vocals, sowie Ausflüge in doomige Dark– und Gothic-Metal-Gefilde eine prominente Rolle ein. Ausflüge, die Soulburn mit Bravour meistern.
Das harte, das Tempo ordentlich anziehende „Iconox Spew Black At The Razor’s Edge“ weckt dann tatsächlich Erinnerungen an das Debutalbum, ehe „Down Among the Stars“ den Klargesang wieder in den Mittelpunkt stellt und daneben mit simplem wie effektiven Doom-Riffing besticht. Die letzten zwei Stücke bringen beide Richtungen stimmig zusammen und besonders „In the Very Time That Will Rot Us“ bleibt mit seinen Gesangslinien definitiv im Kopf.
Fazit
Trotz seiner erst etwas erschlagend wirkenden Laufzeit weiß „Quantifying Cosmic Doom“ durchweg bei der Stange zu halten und überzeugt mit einem super dynamischen Hörfluss, atmosphärischer Dichte und einem starken Facettenreichtum. Lässt man sich erstmal auf die Reise ein, gibt es einiges zu entdecken und Soulburn sind mit großen Ambitionen und jeder Menge Experimentierfreude bei der Sache. Twan van Geel überzeugt als vielseitiger Sänger, der besonders in der zweiten Albumhälfte auftrumpft. Hier erreicht die Platten ihre größten Höhen, aber auch das Black-Metal-fokussiertere Material kann einiges.
Nahm ich Soulburn zuvor (unberechtigterweise) lediglich als Band im Schatten von Asphyx wahr, haben sie mit „Quantifying Cosmic Doom“ ein echtes musikalisches Ausrufezeichen geschaffen. Hier treffen Black-Metal, Doom-, Gothic- und Prog-Klänge in einem stimmigen Gesamtwerk aufeinander. Anders, aber für sich genommen wirklich, wirklich stark.
Cover & Tracklist
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01 The Braveheart of Nightmares (7:29)
02 Powehi, the Embellished Dark Source of Unending Creation (7:14)
03 A Pyramid Absurd (5:32)
04 An Impious Journey Through the Cathedral’s Mouth (3:38)
05 Stalactites of Molten Flesh (5:12)
06 M87 – What Hopes To Be Born? (5:00)
07 Iconox Spew Black at the Razor’s Edge (5:31)
08 Down Among the Stars (4:15)
09 The Desolationist (5:21)
10 In the Very Time That Will Rot Us (5:12)
11 An Innocuous Swathe of Sky (6:49)
Mehr Infos
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Bildnachweis: Testimony Records.
+ Starker Klargesang-Einsatz
+ Hoher Facettenreichtum
+ Trotz langer Laufzeit ohne merkbare Längen
- Moshcheck
