25 Jahre „Break the Cycle“ sind für Staind Grund genug, den eigenen Klassiker noch einmal komplett auf die Bühne zu bringen. Herausgekommen ist mit „Break the Cycle (25th Anniversary Live)“ ein Livealbum, das sich nicht damit begnügt, die bekannten Hits erneut abzuspulen. Stattdessen bekommt das komplette Erfolgsalbum eine deutlich rauere und unmittelbarere Note. Wer Staind vor allem mit den großen Alternative Rock Hymnen verbindet, bekommt hier eine Erinnerung daran, dass hinter den radiotauglichen Momenten schon immer eine ziemlich düstere und kantige Band gesteckt hat.
Staind und „Break the Cycle“ nach 25 Jahren
Als „Break the Cycle“ im Jahr 2001 erschien, traf Staind einen Nerv. Die Mischung aus Alternative Metal, Nu Metal, Grunge Einflüssen und melancholischen Rockmomenten funktionierte sowohl im kleinen Club als auch im großen Radioformat. Songs wie „Fade“, „It’s Been Awhile“ und „Outside“ machten Aaron Lewis und seine Band international bekannt.
25 Jahre später muss sich das Material allerdings nicht hinter seinem jüngeren Ich verstecken. Im Gegenteil. Die Songs wirken in dieser Livefassung teilweise schwerer, kantiger und emotional unmittelbarer. Das liegt nicht daran, dass Staind die Stücke grundlegend umbauen würden. Vielmehr bekommt das bekannte Material mehr Luft und gleichzeitig mehr Druck.
Ein Livealbum ohne gewöhnliche Konzertatmosphäre
Interessant wird „Break the Cycle (25th Anniversary Live)“ bereits durch die Entstehungsgeschichte. Die Aufnahmen wurden während der Corona Pandemie in einer leeren Industriehalle in Holyoke, Massachusetts, eingespielt. Ein klassisches Publikum mit lautem Mitsingen, Zwischenrufen und Jubel fehlt deshalb komplett.
Das klingt zunächst nach einem Nachteil. Für diese Veröffentlichung erweist sich die ungewöhnliche Situation allerdings sogar als Stärke. Staind muss hier nicht gegen eine große Hallenatmosphäre anspielen. Die Musik steht komplett im Mittelpunkt. Dadurch wirken die Instrumente direkter und die Songs teilweise erstaunlich intim.
Gerade bei einem Album wie „Break the Cycle“ funktioniert dieser Ansatz hervorragend. Die ursprünglichen Stücke leben schließlich nicht ausschließlich von großen Refrains. Viele Songs besitzen eine innere Spannung, die von den persönlichen und teilweise bedrückenden Texten getragen wird. In der Liveversion kommt diese Seite besonders deutlich zum Vorschein.
„Open Your Eyes“, „Pressure“ und „Fade“ setzen sofort ein Ausrufezeichen
Der Einstieg lässt wenig Raum für gemütliches Zurücklehnen. „Open Your Eyes“ eröffnet das Album und geht direkt in „Pressure“ über. Anschließend folgt mit „Fade“ einer der bekanntesten Songs aus dem Staind Kosmos.
Gerade diese ersten drei Stücke zeigen ziemlich deutlich, was diese Liveaufnahme anders macht als die ursprüngliche Studioproduktion. Die Gitarren wirken weniger geschniegelt und dafür wesentlich griffiger. Mike Mushoks Gitarrenspiel bekommt mehr Raum und sorgt dafür, dass die härteren Passagen ordentlich Druck entwickeln.
„Fade“ funktioniert dabei weiterhin als perfekter Übergang zwischen der aggressiveren Seite der Band und jener melancholischen Stimmung, die Staind über die Jahre so unverwechselbar gemacht hat.
Aaron Lewis bleibt eine markante Stimme
Aaron Lewis ist auch nach einem Vierteljahrhundert sofort zu erkennen. Seine Stimme besitzt weiterhin dieses raue, leicht gebrochene Timbre, das für die großen Staind Momente entscheidend ist. Gerade bei ruhigeren Passagen funktioniert seine Interpretation nach wie vor sehr gut.
Allerdings läuft hier nicht alles perfekt. Lewis trifft hier und da nicht ganz den richtigen Ton. Dadurch klingen einzelne Stellen schief und teilweise sogar unangenehm. Das lässt sich nicht einfach als charmante Live Unsauberkeit abtun, weil die entsprechenden Momente durchaus auffallen.
Gleichzeitig passt eine gewisse Unperfektheit erstaunlich gut zu dieser Aufnahme. „Break the Cycle (25th Anniversary Live)“ möchte ohnehin nicht wie ein klinisch perfektes Studioalbum wirken. Trotzdem muss man klar sagen, dass Lewis stimmlich nicht mehr durchgehend dort unterwegs ist, wo er vor 25 Jahren einmal war.
„It’s Been Awhile“ und „Outside“ bleiben die großen Momente
Bei „It’s Been Awhile“ zeigt sich besonders deutlich, warum Staind mit „Break the Cycle“ einen solchen Treffer gelandet haben. Der Song besitzt auch nach 25 Jahren eine enorme emotionale Wirkung. Die Liveinterpretation bringt diese Mischung aus Melancholie und großer Rockballade überzeugend auf den Punkt.
„Outside“ funktioniert anschließend ähnlich stark. Gerade die ruhigen Passagen profitieren von der reduzierten Atmosphäre der Aufnahme. Der Song braucht kein riesiges Publikum und keine übertriebene Produktion, um seine Wirkung zu entfalten.
Interessant ist dabei, wie unterschiedlich die beiden Stücke innerhalb des Albums funktionieren. Während „It’s Been Awhile“ stärker von der persönlichen Melancholie lebt, besitzt „Outside“ eine größere Weite. Beide Songs zeigen jedoch, weshalb Staind damals weit über die Nu Metal Szene hinaus Aufmerksamkeit bekam.
Die ruhigeren Songs sorgen für die notwendige Tiefe
Ein Album wie „Break the Cycle“ wäre ohne seine ruhigeren Momente nur halb so interessant. Genau deshalb gehören „Change“, „Epiphany“ und „Warm Safe Place“ zu den wichtigen Stationen dieser Liveaufnahme.
„Epiphany“ besitzt dabei eine besondere Wirkung. Der Song lebt von Reduktion und Emotion und benötigt keine massive Wand aus Gitarren. Hier kann Lewis seine charakteristische Stimme besonders gut einsetzen. Die Schwächen in einigen höheren Passagen bleiben zwar auch hier nicht komplett verborgen, trotzdem gehört der Titel zu den atmosphärischeren Momenten des Albums.
„Warm Safe Place“ setzt anschließend einen weiteren Kontrapunkt. Die Platte bekommt dadurch genügend Dynamik, damit die härteren Songs nicht zu einer gleichförmigen Aneinanderreihung von Gitarrenriffs werden.
„For You“ zeigt die härtere Seite von Staind
Mit „For You“ wird anschließend wieder deutlich mehr Druck aufgebaut. Der Song gehört zu den Stücken, bei denen die Liveaufnahme besonders gut funktioniert. Die Gitarren bekommen Gewicht und die Band wirkt deutlich kantiger als in den weicheren Passagen.
Hier zeigt sich auch, dass Staind nie ausschließlich eine Band für melancholische Rockballaden war. Unter der Oberfläche steckte immer eine deutlich härtere musikalische Grundlage. Diese kommt in der Liveversion wieder stärker zum Vorschein.
„Waste“ und „Take It“ runden das Jubiläum ab
Gegen Ende wird das Tempo noch einmal ordentlich angezogen. „Waste“ und „Take It“ bringen die Platte zu einem konsequenten Abschluss.
Dabei ist es durchaus angenehm, dass Staind nicht versucht, aus jedem einzelnen Song ein gigantisches Jubiläumsereignis zu machen. Das Album funktioniert gerade deshalb, weil die Band ihr altes Material relativ direkt präsentiert.
Nach 13 Songs ist damit tatsächlich das komplette „Break the Cycle“ einmal live durchgespielt. Genau das ist letztlich auch das größte Argument für diese Veröffentlichung. Wer das Originalalbum kennt und liebt, bekommt keine Best Of Zusammenstellung, sondern eine vollständige Neuinterpretation eines Stücks Bandgeschichte. Die offizielle Tracklist umfasst alle 13 Titel des ursprünglichen Albums.
Cover & Tracklist
- „Open Your Eyes“
- „Pressure“
- „Fade“
- „It’s Been Awhile“
- „Change“
- „Can’t Believe“
- „Epiphany“
- „Suffer“
- „Warm Safe Place“
- „For You“
- „Outside“
- „Waste“
- „Take It“
Fazit zu „Break the Cycle (25th Anniversary Live)“
„Break the Cycle (25th Anniversary Live)“ ist kein überflüssiger Jubiläumsaufguss, sondern eine durchaus interessante neue Perspektive auf einen Staind Klassiker. Die Songs besitzen auch nach 25 Jahren genügend Substanz, um eine weitere Veröffentlichung zu rechtfertigen.
Besonders stark ist die rohe Atmosphäre. Die fehlende klassische Konzertkulisse wirkt zunächst ungewohnt, verleiht der Aufnahme aber einen eigenen Charakter. Die Gitarren kommen druckvoll zur Geltung und die melancholische Seite der Band wird nicht von einer überproduzierten Liveästhetik zugedeckt.
Aaron Lewis bleibt dabei das bekannte Gesicht und die markante Stimme von Staind. Allerdings zeigen sich bei ihm mittlerweile auch deutliche stimmliche Grenzen. Hier und da trifft er den richtigen Ton nicht mehr sauber, wodurch einzelne Passagen schief und teilweise unangenehm wirken. Das schmälert den Gesamteindruck, zerstört ihn aber nicht.
Unterm Strich lebt diese Jubiläumsveröffentlichung vor allem von der Qualität des Songmaterials. „Break the Cycle“ war schon 2001 ein starkes Album und funktioniert auch 25 Jahre später noch erstaunlich gut. Die Livefassung macht aus dem Klassiker kein komplett neues Werk, gibt den bekannten Songs aber mehr Kante und eine angenehm ungeschliffene Atmosphäre.
Wer „Break the Cycle“ seit den frühen 2000er Jahren im Regal stehen hat, bekommt hier eine interessante Ergänzung für die Sammlung. Wer Staind erst später entdeckt hat, bekommt gleichzeitig eine ziemlich gute Gelegenheit, das Album noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
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Bildnachweis: Pressefoto.
