The Night Eternal – Cold Velvet (VÖ: 21.08.2026)
Mit „Cold Velvet“, das am 21.08.2026 über Metal Blade Records erscheint, legen The Night Eternal ihr mittlerweile drittes Studioalbum und gleichzeitig ihr Labeldebüt vor. Die Erwartungen sind hoch – und das nicht ohne Grund. Seit ihrer Gründung im Jahr 2018 hat sich die Band mit ihrem eigenständigen Mix aus Heavy Metal, Hard Rock und düsterer 70er- und 80er-Jahre-Atmosphäre kontinuierlich nach oben gearbeitet. Spätestens mit „Moonlit Cross“und dem starken Nachfolger „Fatale“ erspielten sich die Essener nicht nur eine treue Fangemeinde, sondern auch hochkarätige Touren mit Blind Guardian, Michael Schenker Group, Lucifer oder Angel Witch sowie Auftritte auf diversen Festivals.
Gabe, Emotion und Energie
Auf kaum ein deutsches Heavy-Metal-Album habe ich mich in diesem Jahr so gefreut wie auf „Cold Velvet“. Songs wie, „Prince Of Darkness“, „Stars Guide My Way“ oder „Elysion (Take Me Over)“ von den vergangenen Alben haben sich bei mir über die letzten Jahre festgesetzt. Vor allem Sänger Ricardo Baum besitzt diese seltene Gabe, Emotionen und Energie gleichermaßen zu transportieren. Genau das macht für mich einen großen Teil der Faszination von The Night Eternal aus.
Als dann mit „Where This World Ends“ die ersten Singles veröffentlicht wurde, war meine erste Reaktion allerdings überraschend zurückhaltend. Das lag weniger an dem Song selbst als vielmehr an der Produktion. Wo ich bei den Vorgängern eine gewisse Rauheit und Direktheit wahrgenommen habe, präsentiert sich „Cold Velvet“ deutlich wärmer. Das Album klingt wie aus einem Guss. Jeder Song fügt sich nahtlos in den nächsten ein. Diese konsequente stilistische Ausrichtung sorgt einerseits für einen beeindruckend homogenen Gesamteindruck, lässt andererseits aber nur weniger Momente entstehen, die sich deutlich vom Rest des Albums abheben, was mir oft wichtig ist. Einer dieser besonderen Moment ist z.B. der Anfang von „Eurydice (Don’t Look Back)“.
Neue Details und kleine Feinheiten
Produziert wurde das Album von Michael Zech (Secrets Of The Moon), der den acht Songs den sehr analogen und organischen Klang verpasst hat. Die Band setzte diesmal auf echte Verstärker und ein analoges Mischpult statt auf digitale Gitarren-Plugins. Diesen Ansatz kann ich absolut nachvollziehen und auch respektieren. Man hört, dass viel Wert auf Atmosphäre gelegt wurde. Trotzdem fehlt mir persönlich etwas Druck. Immer wieder hatte ich beim Hören das Gefühl, den Lautstärkeregler weiter aufzudrehen, um Gitarren, Leads oder einzelne Instrumente stärker wahrnehmen zu können.
Dabei steckt musikalisch unglaublich viel Qualität in „Cold Velvet“. Der Opener „Where This World Ends“ führt den Hörer langsam in diese melancholische Welt hinein. Große Überraschungen gibt es hier noch nicht, vielmehr baut der Song die Stimmung auf, die das komplette Album prägen wird. Sofort gezündet haben bei mir wie gesagt „Eurydice (Don’t Look Back)“ und „Shape of Sorrow“, wo es am Ende ein bisschen Böse wird. Für mich die stärksten Songs der Platte. Hier greifen jeweils Melodie, Dynamik und Refrain perfekt ineinander. Genau solche Momente suche ich.
Auch „When The Last Candle Dies“ und „The veins of time“ unterstreichen die Klasse der Band. Hypnotische Gitarrenmelodien treffen auf gut eingeleitete Refrains und eine düstere Grundstimmung, ohne in Doom oder Gothic Metal abzudriften. Stattdessen entsteht genau dieser eigenständige Sound, den die Band hier zu perfektionieren versucht. Ich könnte mir vorstellen, dass das nächste Album wieder eine Weiterentwicklung zeigen wird, die dazwischen liegt.
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Allerdings hat „Cold Velvet“ seine Stärken mir nicht beim ersten Durchlauf vollständig offenbart. Ich habe die Platte mehrfach gehört (leider nur digital) und mit jedem weiteren Durchlauf erschließen sich neue Details und kleine Feinheiten. Das spricht eindeutig für die Qualität des Songwritings und dürfte auch viele neue Hörer langfristig an die Band binden. Dazu werden auch gut Live taugliche Passagen wie in „The Witcher of the Burning Teil“ beitragen.
Die Grundstimmung der Songs ist sehr ähnlich und die Übergänge sind fließend. Dadurch stechen für mich einzelne Stücke weniger heraus als noch auf „Fatale“. Ich suche immer dieses eine Gitarrensolo oder Melodie, das sich dauerhaft ins Gedächtnis brennt. Soli und noch mehr Melodien sind vorhanden, könnten für meinen Geschmack stellenweise noch etwas mehr in den Vordergrund gerückt werden. Songwriter Robert Richter hat hier aber technisch trotzdem absolut überzeugt.
Außerdem beeindruckt mich der Gesang noch mehr als vorher. Ricardos Stimme besitzt Wiedererkennungswert, Energie und Ausdruck. Besonders beeindruckend wird das im abschließenden „Dance On Crimson Ground“. Hier kommt noch einmal eine andere Seite seines Gesangs auf. Gefühlvoll trägt er die Melodien durch den Song und beweist eindrucksvoll, dass er zu den spannendsten Stimmen des deutschen Heavy Metal gehört.
Unverwechselbare Weiterentwicklung
Konzeptionell verstehe ich „Cold Velvet“ als Weiterentwicklung von „Fatale“. Die Band wollte ihren Stil nicht neu erfinden, sondern konsequent weiterentwickeln und ihre eigene Identität schärfen. Genau das gelingt denke ich. The Night Eternal klingen hier schon unverwechselbar. Sie bewegen sich irgendwo zwischen klassischem Heavy Metal, Hard Rock und dunkler Melancholie, ohne dabei wie eine bloße Retro-Kopie der Achtziger zu wirken.
„Cold Velvet“ ist ein Album, das wachsen will – und genau darin liegt vielleicht seine größte Stärke.
Das Songwriting bewegt sich erneut auf einem hohen Niveau und The Night Eternal bestätigen eindrucksvoll, warum sie aktuell zu den spannendsten deutschen Heavy-Metal-Bands gehören.
Mit der Produktion werde ich persönlich noch nicht vollständig warm. Mir fehlt stellenweise die letzte Portion Druck, Transparenz und Durchsetzungskraft, um die Intensität der Songs vollständig einzufangen. Das kann aber auch an der digitalen Version des Albums liegen, die mir vorlag. Also wer den Vorgängern etwas abgewinnen konnte und atmosphärischen Heavy Metal mit melancholischer Note schätzt, sollte dieses Album unbedingt „in Echt hören“ und mehrere Durchläufe auf 33 rpm investieren.
Tracklist
- Where This World Ends
- Eurydice (Don’t Look Back)
- Caught In A Spell
- When The Last Candle Dies
- The Veins Of Time
- The Watcher Of The Burning Veil
- Shape Of Sorrow
- Dance On Crimson Ground
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Bildnachweis: Metal blade records, Nona Limmen.
