Welthits und ihre eigentliche Bedeutung

Welthits und ihre eigentliche Bedeutung

Man hört das, was man hören will. Dieser Satz trifft vor allem auf Songtexte und ihre Bedeutung zu. Liebeslieder scheinen dabei besonders anfällig für Missverständnisse zu sein. So wird Whitney Houstons weltbekannter Hit „I Will Always Love You“ häufig als Geständnis ewiger Liebe rezipiert und die Tatsache ignoriert, dass es sich bei der Ballade eigentlich um ein Abschiedslied handelt. Auch Lieder mit politischem oder gesellschaftskritischen Inhalt sind nicht vor Fehlinterpretationen geschützt. Das berühmteste Beispiel hierfür ist wohl das Lied „Born in the USA“ von Bruce Springsteen, das gerne von konservativen US-Amerikanern als patriotische Hymne interpretiert wird. Dabei setzt sich Springsteen in seinem Lied kritisch mit dem Vietnamkrieg auseinander und prangert den Umgang mit in die USA zurückgekehrten Veteranen an. Hier sind noch weitere Welthits, deren eigentliche Bedeutung auf den ersten Blick nicht ganz offensichtlich erscheint:

Hotel California

Das Lied „Hotel California“ von der US-amerikanischen Country-Rock-Band Eagles erschien erstmals im Dezember 1976 auf dem gleichnamigen Album. Kalifornien wird häufig mit Sonne, Strand und Palmen in Verbindung gebracht. Da könnte man leicht auf die Idee kommen, dieses Urlaubsfeeling auch auf das Lied zu übertragen. Schaut man sich den Text genauer an, bekommt der Refrain „welcome to hotel California, such a lovely place“ einen sarkastischen Biss, der im weiteren Verlauf des Liedes immer wieder erneut zubeißt, denn hier wird ganz und gar nicht die Schönheit Kaliforniens besungen. Es geht vielmehr um die Kehrseite des amerikanischen Traumes. Auch Themen wie Sucht und der Verfall des sogenannten American way of life werden aufgegriffen. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit ist, dass in dem Lied das Leben innerhalb einer psychiatrischen Anstalt besungen wird. Besonders die letzte Zeile „We are programmed to receive, you can checkout any time you like, but you can never leave!” unterstützt diese Deutung und ebnet gleichzeitig den Weg für viele weitere. Co-Autor Don Felder schrieb dazu in seiner Autobiografie, das Lied „Hotel California“ sei immer das, was die Menschen darin sehen möchten.

Pokerface

Wenn wir im Dance-Bereich genau hinhören, werden wir auch hier in einigen Liedern versteckte Botschaften finden. Ein spezielles Beispiel ist Lady Gagas “Pokerface”. Diese eher extrovertierte Künstlerin hat mehr als 14 Millionen Kopien von dem Song verkauft und wurde damit sofort weltweit populär. Obwohl der Begriff “Poker Face” tatsächlich aus einem bekannten Strategiespiel stammt und man denken könnte, dass der Song Tipps und Tricks zu den Poker Regeln enthält, handelt er lediglich ganz entfernt von dem Spiel. Wie Lady Gaga vor einiger Zeit in einem Interview enthüllte, geht es bei Poker Face nämlich um Liebe und Zuneigung für das gleiche Geschlecht. In den Schreibprozess ließ der Popstar außerdem eigene Bisexuelle Erfahrungen miteinfließen. Das Lied spielt mit der Vorstellung, wie es ist, als Frau mit einem Mann eine Beziehung zu führen, während trotzdem das eigene Geschlecht bevorzugt wird. Damit ihr Geheimnis nicht enthüllt wird, muss die Frau ein Pokerface aufsetzen, wodurch sich der Titel des Liedes erklärt.

Radioactive

Mit dem Lied „Radioactive“ landete die Band Imagine Dragons im Jahr 2012 einen großen Hit. Nach der Veröffentlichung auf dem Album „Night Vision“ hielt sich die Single über einige Wochen in den Top Ten der US Billboard Hot 100 Charts. In Schweden landete sie sogar auf Platz eins. Der Sänger der Band, Dan Reynolds, beschreibt das Lied als kraftvoll. Hinter dem Text des Songs verbergen sich laut ihm einige persönliche Bezüge. Auch wenn das Wort „apocalypse“ sich mehrfach in den Lyrics wiederfindet, geht es nicht um diesen weltzerstörerischen Vorgang. Vielmehr steht das Erwachen im Vordergrund, die plötzliche Erkenntnis, sein Leben neu gestalten zu wollen.

Under the Bridge

Viele Lieder tragen einen dunklen Kern in sich, der sich nur bei genauem Hinhören offenbart. So auch bei dem Lied „Under the Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers. Im Jahr 1991 wurde das Lied erstmals auf dem fünften Studioalbum mit dem Namen „Blood Sugar Sex Magik“ veröffentlicht. Bereits zu Beginn des Liedes herrscht das Motiv der Einsamkeit vor, das sich bis zum Ende durchzieht. Die Stadt der Engel, Los Angeles, wird zur Liebhaberin stilisiert, wodurch die Tragik der Einsamkeit hervorgehoben wird. Tragik liegt auch in der Geschichte hinter dem Lied: Es beschäftigt sich mit der Heroinabhängigkeit des Sängers der Band Anthony Kiedis, der auch den Text des Liedes geschrieben hat. Die Zeile „under the bridge downtown“ beschreibt den Ort, mit welchem Kiedis Drogenerfahrungen verbindet. Eigentlich war das ursprüngliche Gedicht „Under the Bridge“ nicht dafür gedacht, als Lied auf dem Album veröffentlicht zu werden. Erst auf Veranlassung des Produzenten Rick Rubin hin, viel die Entscheidung, den Text in das Album mit aufzunehmen.

Wie sich zeigt, lohnt es sich bei dem ein oder anderen Lied genauer hinzuhören. So können sich einem nicht nur neue Bedeutungsebenen eröffnen, es kann genauso gut passieren, dass sich das als eigentlich fröhlich wahrgenommene Lied als traurig oder sogar tragisch entpuppt.

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