Left to Die – Live in Hamburg
Hätte ich eine Zeitmaschine, stände ein Sprung in die späten 1980er weit oben auf meiner Prio-Liste. Einer der Hauptgründe? Die allmächtigen Death live erleben zu können, und das auch noch zu ihrer puren Death-Metal-Blütezeit. Wie genial aber, dass es tatsächlich eine Möglichkeit gibt, zu erleben, wie das in etwa gewesen sein muss: Left to Die, die so authentisch wie nur möglich die Frühphase der Legenden auf die Bühne bringen.
Neben den beiden Death-Urgesteinen Terry Butler und Rick Rozz wird das Line-Up komplettiert von Matt Harvey und Gus Ríos von Gruesome, die den Sound und den Geist Deaths verstehen, lieben, leben und atmen wie kaum jemand anderes.
Nach Konzerten u.a. in Berlin, München und Essen machte die Tribute-Kombo am Mittwochabend, dem 12. August, im Hamburger BETTY (dem ehemaligen Headcrash) Halt, nachdem die Show ursprünglich im Bahnhof Pauli stattfinden sollte. Als Support waren die Dänen von Livløs am Start. Als diese dann die Bühne betraten, wurde mir dann aber auch sehr schnell klar, dass ich ob der Lichtbedingungen äußerst schlechte Karten als Fotograf haben würde. Also muss die Wunderwaffe her… Es werde schwarz-weiß!
Livløs
Mit Livløs aus Aarhus hat man sich einen etwas ungewöhnlichen Opener ins Boot geholt, denn der Sound der Dänen hat doch wesentlich mehr mit nordischem angeschwärzten Melodic Death Metal gemein als mit dem klassischen Death Metal, für den die Leute eigentlich da sind. Dennoch konnte die Truppe mit ihrer super energetischen Performance für einiges an Stimmung sorgen und mit ihren technischen Fähigkeiten brillieren. In anderer Tour-Konstellation würde die Band aber sicherlich besser zur Geltung kommen. Letztendlich aber natürlich Geschmackssache. Eine äußerst solide Show war es in jedem Fall.
Left to Die
Kaum eine Band ist für den extremen Metal so wichtig wie Death. Und wie das ganze einst seine Anfänge nahm, brettern Left to Die mit allergrößter Originaltreue und allergrößtem Respekt herunter. Schließt man die Augen, könnte man wirklich denken, man hätte da gerade Chuck Schuldiner vor sich: So nah kommt Matt Harvey stimmlich an den Death-Metal-Großmeister heran. Der Geist Schuldiners steckt in jeder Zeile. Aber auch als Gitarrist muss man vor Harvey absolut den Hut ziehen. Leider ging Rick Rozz‘ Gitarre im Mix dagegen merkbar unter, wodurch seine Soli oder auch das legendäre „Evil Dead“-Intro etwas schwer auszumachen waren. Das war dann auch bereits der einzige Wermutstropfen, denn ansonsten haben Left to Die eine regelrechte Hammershow hingelegt.
Die Songauswahl bestand natürlich aus alten und noch älteren Klassikern und setzte sich gleichermaßen aus „Scream Bloody Gore“ und „Leprosy“, sowie aus den Songs ihres kürzlich erschienenen Albums „Initium Mortis“ (bestehend aus uralten Mantas– und Death-Demos) zusammen. Besonders der Album-Opener „Legion of Doom“ als erster Song knallt gewaltig und auch „Death by Metal“ macht live irre viel Spaß.
Über „Zombie Ritual“, „Leprosy“, „Left to Die“ oder natürlich „Pull the Plug“ muss man eigentlich keine Worte verlieren. Nicht umsonst absolute Death-Metal-Evergreens, die rein gar nichts von ihrem Reiz verloren haben und in Perfektion abgeliefert wurden.
Nachdem ich zusätzlich im Juni in den Genuss von Death to All – der anderen hochkarätigen Death-Tributeband, mit Fokus auf die späteren Alben – kam, bleibe ich dabei: Es ist eine großartige Zeit um Death-Fan zu sein! Und wie Terry Butler in unserem Interview bekannt gab, ist auch neues, eigenes Songmaterial von Left to Die in Planung. Man darf also sehr gespannt sein.
Setlist
01 Legion of Doom
02 Open Casket
03 Scream Bloody Gore
04 Archangel
05 Leprosy
06 Witch of Hell
07 Infernal Death
08 Death by Metal
09 Left to Die
10 Zombie Ritual
Zugabe:
11 Pull the Plug
12 Evil Dead
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Bildnachweis: Heiko Schütt.
