Matt Harvey im Doppelpack: Exhumed & Gruesome in Hamburg
Kaum ist die große US-Tour im Zuge ihres neuen Albums abgeschlossen, verschlägt es die kultigen Gore-Metaller Exhumed direkt für weitere vier Wochen nach Europa. Für die blutrünstige Deathgrind-Truppe ist es die erste Europa-Tour seit langer, langer Zeit. Und als wäre das alleine nicht genug Grund zur Freude, ist Sänger und Gitarrist Matt Harvey so wahnsinnig und schleppt auch gleich seine andere furiose Death-Metal-Band Gruesome mit über den Atlantik.
Ich habe mir die doppelte Ladung Death Metal à la Matt Harvey am 15. April im Hamburger LOGO gegeben. Der ganz große Ansturm bleibt am Mittwochabend leider aus, der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Ganz und gar nicht.
Gruesome
Gruesome wurden 2014 von Harvey und Drummer Gus Ríos ins Leben gerufen, basierend auf ihrer gemeinsamen Liebe für Chuck Schuldiner und die großen Death. Gemeinsam mit Bassistin Robin Mazen und Gitarrist Dan Gonzalez hat die Truppe seitdem drei erstklassige Alben ganz im Geiste Schuldiners veröffentlicht. Insbesondere das letztjährige „Silent Echoes“ kann man wohl als das beste Death-Album, welches nicht von Death selbst stammt, bezeichnen.
Und auch live überzeugt die Truppe auf ganzer Linie. Brutal, präzise und technisch anspruchsvoll feuert man in 40 Minuten mit „Dimensions of Horror“, „Frailty“ oder natürlich „Savage Land“ einen Kracher nach dem nächsten ab, bei denen mir als Verehrer des Death Metals der alten Schule einfach nur das Herz aufgeht. Wie ich Matt in unserem gemeinsamen Interview mitgeteilt habe, bedeutet mir diese Band einiges, und auch dieses mal bin ich wieder völlig begeistert.
In einer Welt ohne den großen Chuck Schuldiner sind Gruesome das Nächstbeste, um diese gigantische Lücke zu füllen.
Setlist
01 Trapped in Hell
02 A Darkened Window
03 Frailty
04 Closed Casket
05 Shards
06 Dimensions of Horror
07 Inhumane
08 Condemned Identity
09 Seven Doors
10 Savage Land
Exhumed
Eine kurze Verschnaufpause, dann geht es für Harvey direkt wieder zurück auf die Bühne. Statt dem Old-School-Death-Metal Tribut zu zollen, wird es nun grindig, rasend schnell und absolut widerwärtig. Im absolut positivsten Sinne natürlich!
Während ich live bereits zuvor in den Genuss von Gruesome gekommen war, ist dies meine allererste Exhumed-Show. Schließlich hat Matt die Bühnen Europas mit seiner Hauptband zuletzt in Prä-COVID-Zeiten unsicher gemacht. Dass eine Rückkehr längst überfällig war, sieht man selbst auch so und brettert mit ungeheurer Energie und maximaler Brutalität eine so dermaßen krasse Show herunter, dass man einfach seinen Hut ziehen muss.
Geht es bei Gruesome auf der Bühne vergleichsweise eher gemütlich zu, herrscht bei Exhumed das pure Chaos, mit ansteckender Intensität. Besonders Bassist und Grunzer Ross Sewage ist live das reinste Energiebündel und wenn er nicht gerade seine heftigen Growls vom Stapel lässt, springt und kickt er am laufenden Band.
Was ein Gemetzel!
Die Songs des kürzlich erschienenen „Red Asphalt“ machen auch live irre viel Spaß und schlagen sich perfekt neben Band-Klassikern wie „The Matter of Splatter“, „Necromaniac“ und „Limb From Limb“. Vor dem – für die Band ungewöhnlich – politischen „Necrocracy“ verliert man deutliche, angebrachte Worte: „Fuck Trump!“, „Fuck AfD!“, „Free Palestine!“,… Eine sympathische Band wird noch sympathischer.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle auch eine kleine Warnung aussprechen, sich am Ende dieses Songs nicht mitten vor der Bühne aufzuhalten. Vorausgesetzt man möchte an diesem Abend nicht mit Kunstblut überströmt nach Hause torkeln. Könnte schließlich eventuell schwer zu erklären sein.
Als Zugabe macht man sich mit dem ca. dreisekündigen „Utter Mutilation of Your Corpse“ einen kleinen Spaß, und das gleich doppelt. Das war’s aber zum Glück noch nicht ganz und man macht sich einen weiteren Spaß mit einem Cover des KISS-Klassikers „Detroit Rock City“, weil ja, warum eigentlich nicht. Als echten Abschluss metzeln sich die Kalifornier dann immerhin noch durch das ultrabrutale „Gore Metal“-Schlachtfest „Limb From Limb“. Und damit endet die wohl intensivste, energetischste Show, die ich seit langem sehen durfte.
Wer die Chance hat – Konzerte in Wien, Solothurn, München und Weinheim stehen noch an – sollte sich dieses Death-Metal-Highlight im Doppelpack auf keinen Fall entgehen lassen.
Setlist
01 Unsafe at Any Speed
02 Red Asphalt
03 The Matter of Splatter
04 Necromaniac
05 Shovelhead
06 Shock Trauma
07 Vacant Grave
08 Enucleation
09 The Iron Graveyard
10 Symphorophilia
11 Playing With Fear
12 Necrocracy
13 Utter Mutilation of Your Corpse
14 Utter Mutilation of Your Corpse
15 Detroit Rock City
16 Limb From Limb
Die kompletten Tourdaten
04.04.26 UK Lords of the Land Festival
05.04.26 UK The Grove, Newcastle
07.04.26 UK Rebellion, Manchester
08.04.26 UK Exchange, Bristol
09.04.26 UK The 1865, Southampton
10.04.26 UK The Black Heart, London
11.04.26 FR Backstage By The Mill, Paris
12.04.26 BE DVG Club, Kortrijk
13.04.26 NL Little Devil, Tilburg
14.04.26 DE Pitcher, Düsseldorf
15.04.26 DE Logo, Hamburg
17.04.26 PL 2Progi, Poznan
18.04.26 CZ Barrak, Ostrava
19.04.26 AT Escape, Wien
21.04.26 CH Kornfehl, Solothurn
22.04.26 DE Backstage (Halle), München
23.04.26 DE Cafe Central, Weinheim
25.04.26 IT Traffic Club, Rom
26.04.26 IT Slaughter Club, Milan
28.04.26 FR Rex, Toulouse
29.04.26 ES Groove Club, Portugalete
30.04.26 PT SWR Fest, Barroselas
01.05.26 PT SWR Fest, Barroselas
02.05.26 ES Revi Live, Madrid
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Bildnachweis: Heiko Schütt.
